Cynal e.V. Die Kunstidioten von Dresden

Um mit moderner Kunst Idioten auf den Plan zu rufen, braucht man gar kein Publikum. Es reicht ein kleiner Kunstverein, um sich an der Kunst und dem Umgang mit Künstlern zu entblöden.

Die Kunst befreit den Geist. Die Kunst ist grenzenlos und bedenkenlos, sie überschreitet Grenzen und Bedenken mit Leichtigkeit. Seit die moderne Kunst vor über hundert Jahren erfunden wurde, hat sie das vielfältig bewiesen, und mich überrascht es immer wieder, dass die Kunst heutzutage noch für Unverständnis und Irritationen sorgt und zu Übergriffen verleitet. Als Freigeist und Nonkonformist, der ich vollkommen in der Kunst aufgehe, indem ich mich in ihr und für sie gehen lasse, begehe ich natürlich einen Denkfehler: Ich setze voraus, dass die Entwicklung der modernen Kunst ein selbstverständlicher Teil der Menschheit wäre. Spätestens seit Dada und Fluxus, seit vielfältigen Versuchen, die Kunst zu verfemen und zu unterdrücken, wiederholen sich die Aufreger und sind nicht der Rede wert. Ich vergesse täglich, dass jeden Tag neue Idioten geboren werden, die nichts davon wissen. Oder wissen wollen.

Idioten im besten Sinne stellt der Kunstverein CYNAL in Dresden bereit. Cynal gibt das gleichnamige Kunstjournal heraus. Zur zweiten Ausgabe gab es eine Künstleraussschreibung, die sieben Auserwählten dieser Aussschreibung wurden im Journal veröffentlicht und zu einem Reigen kleiner Einzelausstellungen geladen. Ich selbst habe auf die Gelegnehit einer Einzelausstellung verzichtet und stattdessen gemeinsam mit Alexander Schäder die Kunstexplosion veranstaltet (und innerhalb der Kunstexplosion Thomas Andrée eine kleine Werkschau geschenkt). Zur Kunstexplosion haben wir den Ausstellungsraum in ein öffentliches Atelier verwandelt und vier Tage und Nächte live gemalt. Was uns der Verein Cynal dort an Naivität, Dämlichkeit und Ungeheuerlichkeiten geboten hat, spottet jeder Beschreibung.

Zur Kunstexplosion haben wir die 150 qm Ausstellungsraum zunächst mit Papier beklebt. Fußboden, Wände und Fenster wurden mit unterschiedlichen Klebebändern zu einem Gesamtwerk getapt. Dieses raumgreifende Tape-Werk als erste Grundlage der Kunstexplosion wurde mit Gummidrucken, Lackierungen, Sprüchen und Malereien erweitert und durfte betreten werden, sollte und musste es sogar. Manchem Besucher fiel es anfänglich nicht leicht, eine offensichtliche Kunst mit Füßen zu treten. Die Veranstalter waren da viel einfacher beschaffen, die meinten wohl, wo drauf rumgelatscht wird, da dürften sie überkleben, wo sie etwas anderes wünschen oder wegreißen und wegschmeißen, was ihnen nicht gefällt. Sie haben in unsere Kunst eingegriffen, sie haben die Kunst verfälscht, und sie haben unsere Kunst vernichtet.

u.a. von Cynal e.V. vernichtet:

„Genageltes Tape“ von Iven Einszehn.Vernichtet durch CYNAL e.V. Dresden
"Figurenstele" von Alexander Schäder. Vernichtet durch CYNAL e.V. Dresden
„Figurenstele“ von Alexander Schäder.Vernichtet durch CYNAL e.V. Dresden.
"Istallation Kunstexplosion" von Iven Einszehn & Alexander Schäder. Vernichtet durch CYNAL e.V. Dresden
„Istallation Kunstexplosion“ von Iven Einszehn & Alexander Schäder. Vernichtet durch CYNAL e.V. Dresden.

Nazis 2.0

Spätestens 1937 wurden alle Werke Kandinskys und vieler anderer herausragender Künstler aus deutschen Museen und öffentlichen Sammlungen verbannt, verbrannt oder weit unter Wert ins Ausland verklappt, weil sie nicht in die Naziideologie passten. 1986 wurde die vier Jahre zuvor von Joseph Beuys geschaffene Fettecke von einem Hausmeister zerstört, dem der Dreck in der Ecke offenbar zu viel wurde. 2001 haben die Taliban die Buddha-Statuen von Beniyamin gesprengt, weil ihnen nach ein paar Tausend Jahren eingefallen ist, dass die Dinger nicht in ihre religiösen Vorstellungen passen. Begründungen, sich unerwünschter Kunst zu entledigen gibt es viele, Gültigkeit haben sie nie, sie sind willkürlich und austauschbar. Es gibt nur eine Instanz, die über eine Vernichtung zu entscheiden hat, und das ist der Künstler selbst. Die Jahreszahlen 1937, 1986 und 2001 markieren die Kunstgeschichte eindringlich. Als Kunsteranstalter muß man besonders blöd geraten sein, um sich dort einzureihen. Dafür verleihe ich Cynal e.V. das Prädikat Nazi 2.0 – und verzichte auf die ausführliche Schilderung aller weiteren Details, wie z.B. der Kinderfilzstifte, die man uns allen Ernstes als Arbeitsmaterial zur Verfügung gestellt hat  …

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Ergebnisse der Kunstexplosion

Kunstexplosion Dresden: Plakatierung
Kunstexplosion Dresden: Plakatierung
Kunstexplosion Dresden: Getapter Boden
Kunstexplosion Dresden: Skulpturen von Thomas Andrée
Kunstexplosion Dresden: Skulpturen von Thomas Andrée
Kunstexplosion Dresden: Die Skulpturen von Thomas Andree wurden eingepackt ...
Kunstexplosion Dresden: Die Skulpturen von Thomas Andree wurden eingepackt …
Kunstexplosion Dresden: Die Skulpturen von Thomas Andrée wurden eingepackt ...
… um sie in der Kunstexplosion zunächst verschwinden zu lassen.
Kunstexplosion Dresden: Thomas Andrée
Am Eröffnungsabend wurden die Skulpturen wieder ausgepackt.
Kunstexplosion Dresden: Ausstellungsraum nach 4 Arbeitstagen (und -Nächten)
Kunstexplosion Dresden: Ausstellungsraum nach 4 Arbeitstagen (und -Nächten)
Kunstexplosion Dresden: Ausstellungsraum nach 4 Arbeitstagen (und -Nächten)
Kunstexplosion Dresden: Ausstellungsraum nach 4 Arbeitstagen (und -Nächten)
"ANTI-TRÖDEL" von Alexander Schäder & Iven Einszehn. Das Bild haben wir der Kneipe "trotzdem" geschenkt. Wir empfehlen den Laden dringend weiter, ihr findet ihn in der einzig netten Ecke Dresdens, der Neustadt ...
„ANTI-TRÖDEL“ von Alexander Schäder & Iven Einszehn.
Das Bild haben wir der Kneipe „Trotzdem“ geschenkt. Wir empfehlen den Laden dringend weiter, ihr findet ihn in der Alaunstraße in der einzig netten Ecke Dresdens, der Neustadt. Grüßt Johanna, die Besitzerin, von uns …

Ein paar Details:

Einige Werke von Alexander Schäder …

… und Iven Einszehn:

 

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Presse:

Zeitung_Dresden-kleiner

Und hier gibts noch einen Fernsehbericht.
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