Architektur heute I

Erdbebensicheres Gartenhaus im Auftrag des Fürstentums Thurn und Taxis

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Schnackselzismus: Gartenhaus von Hadi Teherani, Thurn und Taxis / Pakistan

Um den Entwurf eines erdbebensicheren Gartenhauses für den Vorgarten in den pakistanischen Provinzen des Fürstentums Thurn und Taxis gebeten, ersann der Hamburger Stararchitekt Hadi Teherani einen bahnbrechenden Entwurf, der sich wahlweise im Kontext mit dem diesjährigen 100sten Geburtstag des Dadaismus oder mit den islamistischen Terroranschlägen in Paris zu betrachten lohnt. Oder beidem, was die herausragende zeitgenössische Note des Bauwerks doppelt, im Überschwang der Moderne möchte man fast betonen: dreifach (aber das wäre eine unzulässige Übertreibung), unterstreicht.

Die Gleichzeitigkeit von Rückgriffen auf die Geschichte der Bildendenden Kunst und die Mahnung an vorangegangene bzw. die Vorwegnahme von künftigen Ereignissen wird in der Gestaltung urbaner Lebensräume bisher nur wenig berücksichtigt, findet aber immer mehr Anhänger – besonders an Schlüsselbunden und Weihnachtsbäumen.

Man kann die Sache aber auch rein architektonisch nehmen, dann erkennt man in Teheranis Arbeit ein Haus. Die Idee zum Entwurf kam Teherani nach einer durchzechten Nacht in einem iranischen Behelfsbordell, untergebracht in einem konspirativen anthroposophischen Kindergarten des Goetheinstituts. Die Adresse kann im Bundeskanzleramt erfragt werden, Telefon: 030/182722720 (nicht abhörsicher).

Mit der Gestaltung des Gartenhauses wagt sich Teherani an eine bildgewaltige Symbiose aus schädelspaltenden Kopfschmerzen, in denen man die alptraumartige Bedrohung durch den Erzkonkurrenten Frank O. Gehry ahnt und der in esoterischen Kreisen in Mode gekommenen Unart, fernab der Kinderprostitution in Thailand avantgardistische Urlaube in frischen Erdbebengebieten zu verbringen, um nach der Spende alter Decken mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt zu werden.

Die fast malerische Umsetzung der gesetzten Themen Kopfschmerz und Erdbeben, die Leni Riefenstahl kaum besser gelungen wäre, hätte man sie nur rechtzeitig ins Vertrauen gezogen und mit dieser Aufgabe betraut*, ist dem Stararchitekten auf kongeniale Weise gelungen und führte geradewegs zu einer neuen Schule des Bauens, die in Fachkreisen bis hinauf nach Dänemark unter Alcoholismquake (Verkürzung aus alcoholism und earthquake, Anm. d. Red.) firmiert.

In der englischen Boulevardpresse hat sich jedoch längst der Euphemismus Taxisism durchgesetzt. Zur Ehre der iranischen Nutten und zur ewigen Erinnerung an den verbalen Ausfluss früherer öffentlichkeitsgeiler Jahre der orthodox-katholischen Fürstin Gloria zu Thurn und Taxis schlagen wir jedoch den treffenderen Begriff Schnackselzismus für den neuen Baustil vor. Gerade Gartenhäuser stehen in adeligen Kreisen immer schon in der Tradition von Lustgrotten, und über AIDS spricht man in diesen eigenen Kreisen gar nicht. Der Adel hat höchstens Krebs, wenn überhaupt, jedenfalls nichts Ansteckendes, das bleibt dem Volk vorbehalten, infektiöse Pest, das.

(Nachtrag: Die Inneneinrichtung wird echt fett, denn Tine Wittler wurde damit beauftragt. Sie hat sofort sämtliche IKEA-Filialen in der Umgebung geplündert, Deko im Brigitte-Bastelstil zusammengepfuscht, eine Arbeitspause bei Mc Donalds, Burger-King, KFC und Pizza-Hut eingelegt, bei RTL angerufen, BILD ein Exklusivinterview versprochen, ein Buch geschrieben, eine CD produziert, vier Kneipen eröffnet, sich fürs Dschungelcamp, Promi Big Brother, Das Perfekte Dinner, Shopping Queen und Raus aus den Schulden empfohlen und eine neue Modelinie auf den Markt geworfen, kompatibel zu den Angeboten auf klebefieber.de. Außerdem plant Wittler die Vermarktung einer farblosen Farbe für Kinder, Behinderte, Rentner und Ausländer und deren Angehörige sowie Helfershelfer und die Herausgabe zweckfreier lichtechter bunter Zettel in limitierter Auflage, dafür aber in Übergrößen, die man je nach Empfindung hinlegen kann, wo man möchte und die jedes herkömmliche Blatt Papier blass aussehen lassen, sogar kariertes. Und ausgerechnet das ist Teheranis Lieblingsfarbe!)
* (Riefenstahl war zeitlebens total neidisch auf Arno Breker, wie archäologische Sprengungen am Olympiastadion Berlin und die Gravur auf einer in die USA deportierten V2-Rakete belegen. Anm. d. Red.)

 

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