Hurra, Hurra, die Polizei war da

Soeben war die Polizei zu Besuch:

Die „Wutprobe“ blickt nämlich aus dem Fenster meines Arbeitszimmers und guckt sich die Straße an. Seit Monaten schon, gemeinsam mit einigen anderen Puppen- und Knochenobjekten. Teils von mir, teils aus meiner Sammlung …


Ein Fall für die Polizei:
Iven Einszehn: „Wutprobe“

 

 

Da haben sich die Leute nun beschwert.

Bei der Polizei.

Das wurde aber auch mal Zeit.

Wegen Nadeln im Gesicht, das wär so fies. Muss das sein?

Und noch ein Fall für die Polizei:
Iven Einszehn: „Scary doll“

Und wegen des Böllers im Schritt. Muss das denn sein?

Ja, so ist das mit der Kunst:

Das

muss

eben

sein!

Da ist also ein Böller. Als Schwanz. Na und?

Die Leute sehen aber nur den Schwanz. Nicht den Böller.

Und nicht nur das. Sie Sehen einen Ständer. Wie obszön!

Das ist doch verboten. Oder gehört es wenigstens!

Die Polizei versucht es im Guten: Ob ich den Böller nicht abmachen könnte.

Was für ein absonderlicher Wunsch: Ändern Sie bitte Ihre Kunst!

Abgelehnt.

Sehen die Polizisten auch ganz schnell ein. An der Kunst rummurksen, nee, das geht natürlich zu weit. Aber versuchen kann man’s ja mal.

Neuer Vorschlag: Das ganze Ding einfach umdrehen …?

Abgelehnt.

… oder eventuell ganz aus dem Fenster  nehmen …?

Auch abgelehnt!

Alles bleibt, wie es ist. Und die Polizisten kommen von ganz selbst darauf, dass Kunst durchaus falsch verstanden werden darf oder überhaupt nicht verstanden – oder sogar provozieren. Auch wenn die Kunst, wie in diesem Beispiel, völlig fehlgesteuerte Antipathien weckt, die mit der Kunst natürlich gar nichts zu tun haben, weil eine Auseinandersetzung mit dem Werk ja nicht erst stattfindet.

Ich finde es immer wieder beeindruckend, wovon  sich die Leute so angepisst fühlen und welche Nebensächlichkeiten sie dazu bringen, das Maul aufzureißen oder sich an die Polizei zu wenden – wenn sie der Einfachheit halber nicht sofort zu geisteskranken Übersprungshandlungen neigen und mir mit Morddrohungen kommen.

So erzähle ich der Polizei also ein bisschen aus dem Alltag eines Künstlers … 

… und die Polizisten sehen ganz schnell ein, dass ich ihren Wünschen nicht nachkommen werde. Weil ich jedem, der es mal wagt, mich persönlich anzusprechen, den einen oder anderen Sachverhalt durchaus erläutern kann.

Am Ende fragt mich der eine Polizist, ob ich mit Nachnamen Schwitters heiße. Verblüfft schau ich ihn an, bedanke mich sofort für dieses schöne Kompliment. Und irre mich vollkommen. Leider war das bloß ein kleiner Kurzschluss, der nicht mir persönlich galt. Der Polizist hat den Namen nämlich auf einer Skulptur-vernähten Postkarte von meinem Schreibtisch abgelesen und dachte, das wär ich. Mit anderen Worten: Er wußte keinen Funken von Kurt Schwitters. Aber keine Sorge, da hab ich flux mit einer Kurzfassung ausgeholfen … 🙂

Die Polizei verabschiedet sich und wünscht ein schönes Wochenende. Und ich wünsche der Polizei, dass die die nächsten Tage noch was Wichtiges zu tun hat.

„Darauf können Sie sich verlassen!“ wurde mir fröhlich versichert …

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4 Gedanken zu “Hurra, Hurra, die Polizei war da

  1. Gut gemacht!! JA mit Polizei kann man auch reden. sollte man auch. Wenn sie denn zum zuhören bereit sind. wie bei allen menschen.

    Deine nachbarschaft is whatching you!! jetzt kannst du richtig loslegen: mit Blumen und so: vielleicht komm sie dann in scharen und bedanken sich für die wunderschöne fenster deko. und dann wieder nägel mit köpfen auf das die polizei wieder usw… is doch toll wenn man seine Position endlich erkennt. bisschen Flötist von hameln hat das aber. treibs nich zu wütend mit den jungen kunst-beobachtern. hehe

    ________________________________

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    1. Es ist aber so:

      Der Besuch der Polziei war eine fehlgesteuerte Amtshandlung. Die hätten sich höchstens die Kunst von der Straße aus ansehen dürfen. Um dann nicht mich zu behelligen, sondern mit den Beschwerdeführern ein Aufklärungsgespräch zu führen über die Gesetzeslage hierzulande!

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