GRAMMATIK-FREIES GEMÄLDE

Schale auf ein Tisch

Der Akkusativ stirbt.

Du weißt gar nicht mehr so genau, was das ist? Das ist vielleicht das Problem.

Worüber mancher sich bei Migranten gerne mal mokiert, ist längst ein Zeitgeistphänomen. Wahrscheinlich befördert von flux hingewixten Äußerungen auf digitalem Wege, via Twitter, WhatsApp und co. Da wird nicht groß nachgedacht, nicht überprüft oder korrigiert, da wird einfach rausgehauen. Oft findet man dort nicht nur den verstümmelten Akkusativ, sondern gleich noch fünf Fehler in nur einem Satz von drei Worten.

Die Flüchtigkeit moderner Kommunikation ist die eine Sache. Da kann man durchaus ohnmächtig werden und drüber hinwegsehen. In Gesprächen hingegen lässt es mich manchmal erschaudern, dass selbst Menschen, die als intelligent oder gar gebildet durchgehen, die Feinheiten grammatikalischer Endungen und Wendungen nicht mehr beherrschen. Und ihr Sprachgestümmel auch noch als richtig, vor allem aber normal empfinden: So spricht man heute eben.

So habe ich – und es wird euch kaum anders gehen – beinahe täglich mit Menschen zu tun, die ein Freund suchen, ein Mitbewohner haben, ein Fernseher verkaufen wollen, gegen ein Baum gerannt sind usw.

Mancher Gesprächspartner ist entsetzt, wenn ich vollkommen darauf eingehe und versichere, dass es ihm nie gelingen wird, ein Freund zu finden. Prompt wird der Affront an ganz falscher Stelle gewittert, als habe ich einen Vorwurf an die Persönlichkeit formuliert, an Bindungsfähigkeiten, Attraktivität und blabla.

In diesem Irrtum liegt durchaus was unfreiwillig Richtiges: Schlampige Grammatik ist manchmal derart hässlich, dass sie echt hässlich macht …

Iven Einszehn:
„GRAMMATIK-FREIES GEMÄLDE: Schale auf ein Tisch“
Lack auf Papier, 63 x 88 cm

 


Neu: Iven auf Twitter


 Warnung:

Der Kauf dieses Buches wird mit Lesen nicht unter 114 Seiten bestraft!

Elke-cover-vorn

Erhältlich bei Amazon für € 6,01

 

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3 Gedanken zu “GRAMMATIK-FREIES GEMÄLDE

  1. Kleiner Nachtrag:

    Neulich wollte mich jemand kennenlernen und schlug vor: „Lass auf ein Café treffen.“

    Abgesehen von diesem formvollendeten Satz, hatte ich keine Lust, auf ein Gebäude zu klettern.

    Ich bin so Typ, ich steig nicht auf Dächer, um jemanden zu besteigen …

    Gefällt mir

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