SUGAR im Barmbeker Rundbunker

Wer es gestern nicht geschafft hat, zur Eröffnung zu kommen, sollte sich beeilen: Die Ausstellung SUGAR im Barmbeker Rundbunker ist nur noch heute ab 14:00 zu besuchen. Im Barmbeker Rundbunker ist für gewöhnlich die Boutique Peggis Schwester ansässig. Dank Sebastian Hack, Initiator der Ausstellung, haben deutsche und schweizer Künstler den Bau in ein temporäres Gesamtkunstwerk verwandelt.

SUGAR: Gesamtkunstwerk

Schon beim ersten Schritt in die Ausstellung empfängt einen der Geruch von Lack. Man ahnt, dass das letzte an die Wand gesprühte Werk erst vor fünf Minuten beendet wurde, weiß aber nicht, dass der Bunker schlecht zu belüften ist. So hält sich das typische Aroma von MOLOTOW-Dosen und umnebelt einen heftig, während man den Bunker nach oben steigt und sich Werk um Werk über die Nase ins Gedächtnis prägt. Ein praktischer Nebeneffekt, denn die Verknüpfung von Geruchssinn und Erinnerungen ist nicht zu unterschätzen.

SUGAR: Bobbie Serrano

 

SUGR: Bobbie Serrano

Immerhin braucht man, umweht vom Gas der Kannen, nicht ganz so viele Biere, um besoffen zu werden, als besuchender Künstler fühlt man sich sofort zu Hause und mit dem ersten Atemzug wird deutlich, worum es in dieser Ausstellung geht bzw. was die Künstler in all ihrer Unterschiedlichkeit eint: Es ist die Straße. Allesamt sind sie Streetartkünstler, haben ihre Wuzeln im Graffiti oder bedienen sich der anarchistischen Techniken – die zugegeben bei der Verwendung im Atelier immer etwas von ihrem Reiz verlieren. Denn eine Kalligrafie, ein Graffiti oder ein Bombing entwickelt an der Wand und in der Hermetik einer Ausstellung nie die Kraft, die Wirkung und Bedeutung, die es auf der Straße durch seine Umgebung und den Kontext des Verbotenen erhält.

SUGAR: OneTruth + Gesamtkunstwerk

 

SUGAR: Gesamtkunstwerk Detail

Zu entdecken gibt es dennoch viel großartige Kunst, mal unverkennbar nah dran an der gemeinsamen Herkunft, dann in vollkommener Ferne, so dass im Werk keine unmittelbar sichtbare biografische Notiz verbleibt. Dies ist aber unerheblich, denn in der Kunst geht es allein um die Kunst. Über Ursache und Wirkung lässt sich viel und gerne reden – darauf reduzieren muss man aber nichts. Bestes Beispiel hierfür: die herausragenden Gemälde von Tobias Kroeger, in denen er die Gesichter in Farbbalken zerlegt, in abstrakte Landschaften und in geometrischen Zerfall, wodurch diese Bilder den Betrachter mit der Deutung vollkommen allein lassen. Genau genommen aber: einen genau damit reichhaltig beschenken.

SUGAR: Tobias Kroeger

 

SUGAR: Tobias Kroeger

Auch ohne die Kunst ist der Ort einen Besuch wert, denn der Rundbunker ist die architektonisch optimale Lösung, möglichst viele Menschen auf geringem Platz unterzubringen. Der Turm ist eine einzige sich selbst verschlingende Etage, in der es auf einer geschwungenen Rampe vom Erdgeschoss bis unter die Decke geht. Bei der Begehung kann einem schwindelig werden. Man mag sich kaum vorstellen, wie die Menschen in Barmbeker Bombennächten auf dieser Rampe verharrten, Stunde um Stunde, dicht an dicht, auf schiefem Grund.


SUGAR ARTEXCHANGE
Rundbunker Barmbek
Wiesendamm 7 (direkt S/U-Bahn Barmek)
NUR NOCH HEUTE, 16. April, 14:00 – 22:00
Aftershow Party im Molotow: Heute, 16. April 23 Uhr – open end

 

Künstler: Rips 1 / OneTruth / Dr. Drax / Pase / Tobias Kroeger / Base 23 / Frau Meier / Ona Sadkowsky / Fred Naujoks / kasi / RobiTheDog /  Bobbie Serrano / Oibel / Kera / Attidude / Thomas Koch (Strassenkoeter) / Kilian Vilim / Mark Freiboth

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