Morphologische Platte

In Bezug auf die Kunst fehlen manchem manchmal nicht bloß die Worte – es fehlen sogar welche, auch wenn sie manchmal sehr naheliegend sind und hilfreich wären, eine Technik (bzw. einen kunsttechnischen Sachverhalt) exakt zu benennen.

So gibt es für ein zweiteiliges Werk zwar den Begriff Diptychon und für ein dreiteiliges Triptychon, zu einem vierteiligen Werk hingegen hat die Kunstgeschichte nichts Fachliches zu sagen: Obwohl seit Jahrhunderten so gern die vier Jahreszeiten gemalt werden, ist das Quadrichon unbekannt.

Das Gegenstück zur Collage ist die Decollage. Hier wird also nicht aufeinander geklebt, sondern aufeinander Geklebtes abgetragen.

Für die dreidimensionale Collage, die Materialcollage, benutzen wir den Begriff Assemblage. Trägt ein Künstler im Dreidimensionalen aber Material ab, steht ihm die Deassemblage als Einordnung nicht zur Verfügung.

Er hat dann bloß ein Relief – obwohl das falsch ist.

Aber sowas von.

Ein Relief wird nämlich aufgebaut, selbst dann, wenn der Aufbau im Abtragen von Material besteht. Ein Relief ist eine grundsätzlich konstruktive Sache, die „Morphologische Platte“ ist das Gegenteil, sie ist dekonstruktiv, höchstens ein Antirelief (eigentlich auch ein hübsches Wort*):

Iven Einszehn: "Morphologische Platte"
Deassemblage
Acryllack und Graphitpolitur auf Sperrholz
H 49,5 x B 38,5 cm

 

(*Leider könnte das Antirelief genauso gut für eine negativ geschnittene Form stehen, weshalb ich dieses Wort sofort nach seiner Erfindung wegen Missverständlichkeit wieder abschaffe.)

 

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Ein Gedanke zu “Morphologische Platte

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