Die Novelle #6 Königshäuser

Nach fast vierzehn Jahren Vorbereitung ist die Novelle #6 / Zeitschrift für Experimentelles zum Thema Königshäuser erschienen. Die Buchvorstellung fand pflichtgemäß im Brexitwealth of Great Britain statt. Die auf Einladung europafreundlicher Separatisten angereisten Herausgeber wurden im Buckingham Palace von der Königinmutter (Pseudonym: Queen Elisabeth) höchstpersönlich bespuckt, geschlagen, in den Arsch getreten, als Ausländer beschimpft und des Landes verwiesen.

 

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Beitrage von:

Achim Amme,
Alexander Estis,
Andreas Reichelsdorfer,
Andrew Goldfarb,
Andrzej Kikał,
Bastian Kienitz,
Bianca Bellchambers,
Bianca Tschaikner,
Bianca Tschaikner,
blume,
Bob Schroeder,
Bruce Taylor,
Christian Knieps,
Christine Prinz,
Clemens Schittko,
Corinne Haberl,
Daniel Ableev,
Daniel Mylow,
Dennis Mombauer,
Dominik Riedo,
Elisabeth Wilhelm,
Elizabeta Lindner,
Ferenc Liebig,
Forschungsgruppe Kunst,
Frank Dukowski,
Franz Suess,
Gabriele Nakhosteen,
Gerhard Benigni,
Guido Roh,
Hans G. Gohlisch,
Heide Marie Voigt,
Helmut Glatz,
Henk Nijmeijer,
Henning Bochert,
Holger Vos,
Interview Achim Knorr,
Interview Armin Breidenbach,
Interview Bowls Götzke,
Interview Carl King,
Interview CDU,
Interview Daniel Schulz,
Interview Egner,
Interview Hannah Dörr,
Interview Kai Weber,
Interview Maximilian Meier,
Interview Mehdi Moradpour,
Interview Michel op den Platz,
Interview Nikolaus Wegener,
Interview Paul Backert,
Interview Riedo,
Interview Scott-Thomas,
Interview Sebastian Krämer,
Interview Tania Bezzenberger,
Iven Einszehn,
Jasmin Mödlhammer,
Jürgen Hofstetter,
Kai Gutacker,
Kinga Toth,
Kurt Neumeyr,
Lukas Vering,
Marc Suter,
Marder / Czillerisch,
Marina Büttner,
Markus Lesmeister,
Maximilian Meier,
N. Ehrlich,
Nikola Huppertz,
Peter Kapp,
Peter Zemla,
Philipp Kampa,
Robert Wickmayer,
Rolf Schönlau,
SAID,
Sebastian Schröer,
Sima Moussavian,
Susanne Rzymbowski,
Theresa Luise Gindlstrasser,
Tobias Reußwig,
Tobias Stenzel,
Udo Dickenberger,
Wolfgang Mach,
Yvonne Cromer

Die Novelle #6 / Zeitschrift für Experimentelles: Königshäuser
Hrsg.: Daniel Ableev, Sarah Kassem, Christian Knieps, Dennis Mombauer
Amazon € 6,42

Zentrale für Experimentelles

Einsendungen für Die Novelle #8: Seltsamkeitsforschung

 

Hausaufgabenüberprüfung

Daniel Ableev hat sich ein weiteres experimentelles Interview einfallen lassen, eines, das man getrost als Umweg bezeichnen darf: Peggy Parnass wird darin in gewisser Weise über „was anderes“ befragt. Das einzig zulässige Hilfsmittel hierfür war meine literarische Reportage „Auf dem Parnass der Schuhe.“ Wer Peggy kennt, lernt sie hier einmal von einer ungewohnt minimalistischen Seite kennen …

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Peggy Parnass bei einem Lese- und Gesangsabend im Malersaal des Schauspielhauses Hamburg vor ca. 20 Jahren
Hausaufgabenüberprüfung (HÜ) mit Peggy Parnass
im Wahlpflichtfach Vergangenheitskunde*
Auf dem Parnass der Schuhe

 

Irgendviewas mit Dan1e1 Iveneev

Eine Sache, die an anderer Stelle niemals erörtert werden wird: Irgendviewas ist ein Remix aus Interview und irgendwas. Daraus leitet sich ab, dass Dan1e1 Iveneev ein Namenmix aus Daniel Ableev und Iven Einszehn ist. Denn wir sind der Thermomix der KunstLiteratur, der Kliterunst.

Die Kunst erfordert manchmal Manches. Die Kunst ist oft eine Last. Lästig wird sie aber erst bei mancher Belästigung. Im Irgendviewas könnt ihr sehen, wie wir uns der Sache entledigen bedienen.

Kleiner Tip für Kulturanthropologen: Wir machen das auf unsere Art. Weil wir es können.

Frisch abgelagert in der Zentrale für Experimentelles.

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irgendviewas mit Dan1e1 Iveneev

 

Art Attack auf inside Ottensen

Auf inside-ottensen wurde ein schöner Beitrag zur Art Attack in der Bergiusstraße veröffentlicht:

snapshot inside-Ottensen.de
snapshot inside-ottensen.de

„Eine recht ungewöhnliche, drastische und provozierende Streetart-Aktion hat im September der Hamburger Künstler Iven Einszehn durchgeführt. Er begann das Haus in der Bergiusstraße 12 in einer „Qualitätsoffensive“ mit Kunst zu bereichern. Bei der mehrtägigen Aktion wurde er jedoch gestört, weshalb er die Aktion vorzeitig abbrach. Augenscheinlich geriet er in das Zentrum straßeninterner Machtspielchen, auf die er wenig Lust hatte…“

–> zum Artikel

 

Art Attack Altona I
Art Attack Altona III
Art Attack Altona IV

 

Gesichter im Kunstverein Stade

Der Kunstverein Stade hat einen Wettbewerb zum Thema Gesichter ausgerufen. Knapp 40 Positionen zum Thema sind ab Anfang Dezember im Kunstpunkt Schleusenhaus in Stade zu sehen. Fast alle Exponate sind verkäuflich.

Teilnehmende Künstler:

Frauke Beeck, Gisa Bergmann, Annette Boedts, Karin Boine, Joachim Brumme, Annette Bülow, Andrea Cziesso, Uschi Dechow, Iven Einszehn, Georg Engst, Margaretha Ganseforth, Anke Henneberg, Sarah Hillebrecht, Emese Kazár, Christa Klüßendorf, Gabriele Kurth-Schell, Britta Lange, Sarah Theresa Leja, Detlef Lemme, Christiane Lüdtke, Hanna Malzahn, Anke Maria Montana, Mario Müller, Siegmar Münk, Tamara Nickel, Angelika Petzl, Marc Pusch, Andrea Rausch, Ilse Rüder, Corinna Sapendowski, Anna Sasse, Hans Schlimbach, Susanne Siegmund, Gerhard Silber, Kerstin Stephan, Nicola Vogel, Anke Vos, Johanna Wunderlich, Yihuan Yao

 Mein Beitrag

Iven Einszehn: TILT"
Iven Einszehn: „TILT“
Linoldruckfarbe (Druck von Trittschalldämmung), Collé, Lack, Streetink,
Offsetdruckfarbe (Gummidruck) und aufgesetzte Rahmung auf Papier / auf Sperrholz
H 65,5 x B 50 cm

 

Ausstellung zum Wettbewerb Gesichter
Kunstverein Stade
Kunstpunkt Schleusenhaus | Altländer Str.2 | Stade
04.12.16 - 29.01.17
tägl. 11- 17 Uhr (Eintritt frei, Feiertage geschlossen)

Eröffnung: Sonntag, 04.12.16 | 11 Uhr
Finnisage und Preisverleihung: Sonntag, 29.01.17 | 15 Uhr
Katalog zur Ausstellung
(erscheint Anfang Januar)
52 Seiten | 21 x 21cm | 4farbig
€ 8,- Euro

erhältlich auch über die homepage (Versand € 1,45)

 

TILT
TILT - Van Gogh
TILT - De Vlaamse Schilderkunst

All You Can Interview°

snapshot postmondaen.de
snapshot postmondaen.net

Daniel Ableev:

Als diplomierter Tausendsassa verfolgst du eine klare „Was muss, das muss, und müssen muss alles“-Linie – gibt es Kunst, die du nicht machen würdest? Welche zu machende Kunst steht hingegen noch aus?

Iven Einszehn:

Typische Frauenkunst werde ich auf keinen Fall machen! Man erkennt typische Frauenkunst am Unfertigen, schlecht Durchdachten, frei von Kontext, so ungefähres Zeug, dafür irgendwas mit Gefühl, worauf ganz viel abgelabert wird, in den Floskeln Ja, stimmt / find ich auch / hier rechts, auch schön, denn in dieser Kunst stimmt immer alles, weil sie sich einer Kunstbetrachtung entzieht, indem sie sich in Kunsttratsch wälzt.
Typische Frauenkunst würde ich gerne mal machen. Mich befreien vom Vollständigkeitsdrang, den Übertreibungen, der inhaltlichen Pedanterie, mich erfreuen am Unfertigen, Zufriedensein mit geistig angerissenen Inhalten, die komplizierten Kontexte, die einen wochenlang martern, einfach mal weglassen, mich auf das konzentrieren, weshalb ich in Therapie bin: Gefühle. Dazu ganz viel Blasentee. Vielleicht entwickel ich mich sogar weiter und filze meine Ängste.

hier gehts weiter

 

Daniel Ableev:
Biografie
Zentrale für Experimentelles
homepage
postmondaen

Zwielicht 4

Zwielicht 4 (Verlag Saphir im Stahl, 2014) ist seit neulich in neuer Auflage bei Amazon erhältlich

Zwielicht4
Zwielicht 4 (Hrsg. Michael Schmidt), Amazon
Zwielicht ist ein Horrormagazin, das neben Kurzgeschichten auch Artikel aus dem Genre Horror und Unheimliche Phantastik bringt. Zwielicht gewann zweimal in Folge den Vincent Preis.
Geschichten:
Vincent Voss – Rotkäppchen und Dr. Wolf
Iven Einszehn – Der Arztbesuch
Andreas Schumacher – Dr. Leinensack
Josef Helmreich – Tattoo
Dominik Grittner – Master Carvats Geheimnis Leichen verschwinden zu lassen
Carsten Zehm – Vom wahren Namen eines Baumes
Regina Schleheck – Cristal von der Post
Andreas Flögel – Der Hauch einer Berührung
Verena Gehle – Carlotta
Eric Hauser – Mein Onkel Stanislaus
Max Pechmann – Ein seltsamer, kühler Ort
Daniel Schenkel – Herr Winzig
Michael Böhnhardt – Die Flammen von Troja
Harald A. Weissen – Am Ende des Sommers
Artikel:
Eric Hantsch: Ein poetischer Spökenkieker
Daniel Neugebauer und Mirko Stauch – Weird Fiction
Achim Hildebrand – Algernon Blackwood
Michael Schmidt und Elmar Huber – Vincent Preis 2011+2012
Elmar – Vincent Preis Sieger: Die Romane

Taschenbuch, 386 Seiten
ISBN-10: 1533354286

ISBN-13: 978-1533354280
€ 12,00
Amazon

Anleitung zum Biegen und Brechen der Sprache

Wir unterhalten uns, wir reden miteinander. Daß wir uns dabei verstehen, ist erstaunlich, das sollten wir uns mal bewusstmachen: Viele Wörter haben nämlich gar keinen Sinn, bei genauerer Betrachtung, jedenfalls nicht den, den wir kennen. Das fängt in dieser Sammlung gleich mit dem Vorwort an: Ein Wort ist nun wirklich nur ein Wort. Es müsste Vorworte oder Vorwörter heißen.

Mal gibt es Wörter im Überfluss, mal herrscht Mangel. Durch vermeintliche Regelwerke gezogen, dürfte es manches Wort gar nicht geben, jedenfalls nicht so.

Iven Einszehn:
Anleitung zum Biegen und Brechen der Sprache / Ein Lesikon

Sprache wird gesprochen, nicht gespracht, müsste demnach Sproche heißen – oder Spreche, weil wir sie sprechen. Der Anrufbeantworter beantwortet Anrufe nicht, er nimmt sie entgegen. Der Fernseher sieht nichts, er bildet ab. Der Aschenbecher ist kein Becher, sondern ein Schälchen. Die Kartoffel müsste geschalt werden, nicht geschält, sie hat keine Schäle. In genau 79 Fällen sprechen wir Zahlen numerisch falsch herum. Dem Schluckauf fehlt sein Verb, obwohl man bei diesem Leiden definitiv etwas tut. Rohr und Röhre unterscheiden sich nicht, aber welches Wort ist zu viel?

Solche Beispiele sind hier gesammelt, dabei geht es aber nicht um Besserwissenschaft. Mein Interesse gilt keiner Korrektur. Der Sprache soll nicht zu – vermeintlicher – Genauigkeit verholfen werden. Eher soll denen geholfen werden, die auf diese Genauigkeit vertrauen: Es gibt sie nicht. Sprache ist nicht geradlinig und genau. Bücher, von denen wir annehmen, wir hätten sie dort nachzuschlagen, gaukeln uns das bloß vor.

Dabei ist der Begriff Rechtschreibung schon falsch, es gibt nämlich gar kein Schreibrecht, es gibt kein Recht auf Schreibweisen. Man kann niemanden, der etwas falsch geschrieben hätte, verklagen. Sprache ist gebogen und gebrochen. Und Sprache machen wir uns erst zu eigen, wenn wir sie biegen und brechen. Sprache ist nicht Pflicht, sondern Kür.

Daß die Sache durchaus einen kleinen Haken hat, ist mir bewusst: Man muss die Sprache zunächst einigermaßen gut beherrschen, um dann lustvoll mit ihr richtigfalsch umzugehen. Man muss sehr scharf hinsehen, um dann augenzwinkernd vorbeizugucken oder ein Auge zuzudrücken…

In seinen lustvoll-ironischen Betrachtungen schaut der Autor haarscharf auf Worte und Sprache oder er zielt augenzwinkernd vorbei. Die geistreichen und oft witzigen Exerzitien sollen zur Sprachlust verführen, indem dem Geregelten ein Schnippchen geschlagen oder auch mal dreist ein Haken verpaßt wird. Sprache ist nicht geradlinig und genau. Bücher, von denen wir annehmen, wir hätten sie dort nachzuschlagen, gaukeln uns das bloß vor. Sprache ist gebogen und gebrochen. Und Sprache machen wir uns erst zu eigen, wenn wir sie biegen und brechen. Sprache ist nicht Pflicht, sondern Kür. Zur Ausübung hat Einszehn mit seinem Buch eine Wissenschaft erfunden …


Iven Einszehn

Anleitung zum Biegen und Brechen der Sprache / Ein Lesikon

Mit einem Nachwort von Kurt Schwitters, mitgeteilt von Hans Wald

Grin-Verlag / Paperback / A5 / 150 Seiten
€ 24,99 /
ISBN 978-43376-7

Ebook / € 16,99
ISBN 978-3-656-43019-3


Neu: Iven auf Twitter


 Warnung:

Der Kauf dieses Buches wird mit Lesen nicht unter 114 Seiten bestraft!

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Erhältlich bei Amazon für € 6,01

 

Wie hässlich ist Stade?

In meiner Besprechung zur Hannah-Höch-Ausstellung im Kunsthaus Stade kam ich nicht umhin, meine Sicht auf die Stadt darzustellen, die ich als aseptische Provinz wahrgenommen habe. Auf facebook wird jetzt seitens StadeTourismus nachgehakt, und ich bin gespannt auf die Rückmeldungen.

Wenn Du Stade kennst oder sogar höchstpersönlich Stade bist, darfst Du deine Meinung auch gerne hier über die Kommentarfunktion loswerden …

Snapshot_Facebook-StadeTourismus

Die Welt ist 100 Jahre DADA

Morgen in junge Welt:

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snapshot junge Welt v. 17.12.2015

 

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Die Welt ist seit 100 Jahren DADA

Zum 100. Geburtstag von DADA schenkt das Kunsthaus Stade Hannah Höch eine Werkschau
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(c) Iven Einszehn „Hannah Höch DADA“
(Weiterentwicklung: Sieht aus, wie eine Collage, ist aber eine KeineCollage: Das Collé einer Faltung / cutout und Bleistift auf Karton.)

Stade ist ein seltsamer Ort. Eine legolandartige Kleinstadt, in der die adrett zurechtgemachten Fachwerkhäuser, eins hübscher als das andere, jeden Tag gezählt werden. Mancher Rentner, der durch die hermetisch zugepflasterte Innenstadt von Stade stolpert und sich am pittoresken Postkartenambiente der lackierten Fassaden ergötzt, wird einen Menschen wie mich, der dieses Ambiente abstoßend findet, kaum verstehen. In seiner vollkommenen Schönheit ist Stade auf perfide Weise potthässlich. Diese geleckte Welt kommt nämlich ohne Spuren lebender Menschen daher. Auch am hundertsten Häuschen ist nichts Individuelles auszumachen, so als wäre es der Bevölkerung per Stadtverordnung verboten, Gedöns ans Haus zu nageln, Blumentöpfe oder Figürchen vors Haus zu stellen, gar kleine Vorgärten anzulegen. Entfernt man die zufälligen Passanten von den Straßen, ist alles Lebendige ausradiert. Man muss lange suchen, um irgendwo ein abgestelltes Fahrrad zu entdecken, noch länger für einen Aufkleber an einem Laternenpfahl oder gar einen Blumenkasten vor einem Fenster. Stade ist die vollkommene Künstlichkeit, die Imitation der Idealstadt. Ausgerechnet hier, in der aseptischen Provinz, in der man allenfalls die jährliche Präsentation der Bewohnerklone erwarten dürfte, wird der 100. Geburtstag von DADA eingeläutet.

DADA betrat am 05. Februar 1916 in Zürich mit einem Paukenschlag die Welt, eroberte im Handstreich Europa und schaffte über Paris, Berlin, Hannover und Köln in Windeseile den Sprung über den großen Teich nach New York.  Man darf die DADA-Bewegung guten Gewissens als Initialzündung der modernen Kunst bezeichnen. DADA brach mit allem, was üblich und gängig war. Herkömmliche Betrachtungen wurden abgelegt, neue Sichtweisen, Arbeitsweisen und Techniken wurden erprobt und erfunden. Die Geburt DADAs war nichts Geringeres als der Anspruch, die Welt zu verändern.

Wer von Kunst keine Ahnung hat, ahnt gar nicht, in welch tiefgreifender Weise dies gelungen ist. Unser Verständnis von und für Kunst, Ausdruck und Gestaltung ist in seiner Vielfältigkeit so selbstverständlich, dass wir die reichhaltigen Rückgriffe auf DADA bzw. seine Einflüsse im Umgang mit Material und Ausdruck nicht wahrnehmen. Typographie, Buch- und Zeitungsdruck, Illustration, Werbung und Reklame aller Art, Film, Theater, Tanz, Literatur und Dichtung und nicht zuletzt die bildende Kunst in all ihren Facetten – all das fußt auf dem Fundament dadaistischer Befreiungen und Schöpfungen. Allen voran: Auf der Collage, vielleicht dem dadaistischen Ausdrucksmittel schlechthin. Seit Jahrzehnten wird hierzulande jedes Schulkind mit dieser bahnbrechenden Technik vertraut gemacht, so dass die Collage manchem eher als Kinderei gilt. Völlig zu Unrecht.

Das Kunsthaus Stade widmet einer der Erfinderinnen der Collage eine kleine Werkschau: Hannah Höch, Dadaistin der ersten Stunde und neben Sophie Taeuber einzige Protagonistin der DADA-Szene. Obwohl Hannah Höch ihrem ureigenen Medium, das sie auch in die Malerei, in Kostüm- und Bühnenbild übertragen hat, bis zu ihrem Tod 1978 treu geblieben ist, widerfährt ihr permanent ständige Ungerechtigkeit. Ihre kunstgeschichtliche Bedeutung ist zwar unbestritten, gleichzeitig wird sie dennoch dauernd in einem Atemzug mit ihren männlichen Kollegen genannt. Vielleicht soll sie das adeln. Vielleicht sollen damit ihre intensiven Freundschaften und langjährigen Arbeitsbeziehungen zu den herausragenden Künstlern ihrer Zeit herausgestellt werden. In Wahrheit beschneidet das ihren Rang in unerträglichem Maße, in Wahrheit ruht hierin ein beständiger Vorwurf an ihre Schwanzlosigkeit. Denn wäre Hannah ein Hans oder Hannes Höch gewesen, würde man den nicht dauernd in Nebensätze verpacken. Dann würde man Max Ernst, Hans Arp, Hugo Ball, Kurt Schwitters, Richard Huelsenbeck, Raoul Hausmann, Johannes Baader, John Heartfield, George Grosz und wie sie nicht alle heißen an Höch messen – und nicht umgekehrt.

Das Kunsthaus Stade ist ein charmanter Ausstellungsort. Auf seinen drei Etagen schaffen die niedrigen Deckenhöhen des Fachwerkgemäuers, in dem allzu Großformatiges nicht gezeigt werden kann, zwangsläufig eine fast private Atmosphäre. Hier wähnt man sich eher in den Räumen eines Privatsammlers, denn in einer musealen Galerie. Unterstützt wird dieser Eindruck durch die Zusammenstellung der Schau. Die etwa 80 Exponate sind nicht aus den Museen der Welt zusammengetragen, sondern vorrangig aus privaten Sammlungen und dem Nachlass Höchs. So ergibt sich eine einmalige Gelegenheit auf die Entdeckung so mancher kleinen Meisterwerke, die der Öffentlichkeit ansonsten kaum zugänglich sind, und nebenbei auch ein Blick in Hannah Höchs privates Fotoalbum, mit dem man sich gerne in ein stilles Eckchen zurückziehen würde. Festgehalten für die nächsten 100 Jahre DADA ist die Ausstellung im absolut empfehlenswerten Katalog von Sebastian Möllers und Luisa Pauline Fink.

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Ausstellung: „Vorhang auf für Hannah Höch“
Kunsthaus Stade
Wasser West 7, 21682 Stade
bis 21. Februar 2016
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Katalog:„Vorhang auf für Hannah Höch“
Sebastian Möllers und Luisa Pauline Fink
Michael Imhof Verlag, 96.S, € 22,90
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Neu: Iven auf Twitter

Neues Buch: Es geht auch ohne Elke, Elke

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  • Taschenbuch: 114 Seiten
  • Verlag: CreateSpace Independent; 3. Auflage
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 1517683475
  • ISBN-13: 978-1517683474
  • € 6,01

Erhältlich bei Amazon