Ausstellung im Rahmen der documenta 14

Geldstrom — Kunstfluss

Die Kunst wird gerne über Höchstpreise wahrgenommen, bzw. nehmen sich Medien der Kunst insbesondere dann an, wenn auf Auktionen horrende Summen hingeblättert werden. Die Gleichsetzung von Geld und Bedeutung beinhaltet einen Trugschluss, der nichts über die Lebens- und Bedeutungswirklichkeiten der Künstler und der Kunst aussagt. Vincent Van Gogh ist einer der berühmtesten Künstler der Welt, hat zu Lebzeiten aber offiziell nur zwei Gemälde verkauft. (Über)leben konnte Van Gogh nur, weil sein Bruder Theo ihn fürsorglich gefördert, zu Hause massenhaft seiner Werke angehäuft hat …
Im Spannungsfeld von Geld und Kunst strampeln sich Künstler nicht nur in der Regel über Jahrzehnte ab, ehe sie endlich den verdienten und damit auch bezahlten Platz erlangen, der ihnen zusteht. Gerade dann, wenn es finanziell endlich gut läuft, wird ihnen promt vorgehalten, sie seien plötzlich kommerziell. Der Begriff kommerziell wird ohnehin permant falsch verstanden und mit kapitalistisch verwechselt. Denn Kommerz ist nichts anderes als Handel, sagt also nichts aus über die Wertigkeit des Aktes: Kommerz findet nicht nur beim Kaufen und Verkaufen statt, sondern auch bei jeder Form von bezahlter Arbeit. Eine Kassiererin, die bei Aldi ihre Schicht in die Kasse haut, tut dies aus rein kommerziellem Antrieb – ein Vorwurf wird ihr daraus niemals erhoben. Auch dem Blumenhändler nicht, der hundert gleichartige Gebinde Tulpen anbietet. Einem Künstler mit dreißig Abzügen eines Siebdrucks aber schon!
Für Künstler sind vielfältige Ungeheuerlichkeiten an der Tagesordnung. Selbst arrivierte Künstler, hochpreisig am Markt, verkaufen manchmal jahrelang gar nichts und dürfen sich dann mit Finanzämtern herumschlagen, die Lebensleistungen ignorieren und geringschätzend Hobbytätigkeiten unterstellen. Für Künstler sind Ausstellungen in Museen unerlässlich, denn insbesondere an diesen Orten erlangen sie Bedeutung – zu dem Preis allerdings, dass dies keine Galerien sind, die Kunst dort also nicht zum Verkauf steht. Oft bringen die Künstler die Transportkosten hierfür selbst auf, sie bezahlen also dafür, dass sie Anerkennung erhalten, von der sie weder Mieten bezahlen noch Arbeitsmaterialen einkaufen können, geschweige denn etwas zu essen oder sich gar einen Urlaub nach jahrelanger Ackerei leisten. Fast alle Künstler behaupten, sie könnten von ihrer Kunst prima leben, und die meisten von ihnen lügen. Sie tun es nicht aus eitler Böswilligkeit, es ist eine Überlebensstragie, die ihnen ihren mühselig erarbeiteten Ruf sichern soll. Denn wer nichts oder zuwenig verkauft, muss sich vorwerfen lassen, nicht gut genug zu sein, mit seinem Schaffen am falschen Platz, mit der falschen Strategie, mit idiotischen Vorstellungen oder es in welcher Art auch immer nicht drauf zu haben. Da gibt es die vielfältigsten Behelfsunterstellungen, die inhaltlich gar keinen Wert haben und meistens nicht einmal Sinn, weil die Kunst hier offenbar mit irgendeiner x-beliebigen Ware oder Dienstleistung verwechselt wird. Weil ignoriert wird, dass es in der Kunst vorrangig um eines geht: Um Qualität.
Das Thema Kunst & Geld ist ein weites Feld, und diese kleinen Anmerkungen sollen hier als Denkansätze genügen.
Iven Einszehn: „Einsamer Protest“
Treibholz, genäht, bestickt, lasiert
ca. H 80 x B 49 x T 6 cm
Die Weltkunstmesse documenta darf man getrost als Perversion des Kunstbetriebs bezeichnen. Hier werden alle vier Jahre die millionenschweren Eckpfosten ins Fundament der kapitalistischen Kunstverwertung gerammt. Ein guter Zeitpunkt, um mit kritischem und distanziertem Blick auf das Phänomen „Geldstrom – Kunstfluss“ zu blicken. Die kuratierte Aussstellung im Rahmen der documenta 14 wird vom und im Anthroposophischen Zentrum Kassel veranstaltet. Der Eintritt ist frei.

Teilnehmende Künstler:
Erika Bialowons, Hamburg
Iven Einszehn, Hamburg
Hans-Otto Fentrop, Loheland, Künzell
Melanie Giljum, Weimar
Sabine Harton, Gleichen (Göttingen)
Titus Grall, Borchen
Katharina Grote Lambers, Hofgeismar
GP Linientreu, Berlin
Susana Nevado, Madrid
Christa Niestrath, Detmold
Charly Rüther, Kassel
Birgit Schiemann, Berlin
Eva Vilemina Urbank, Eschwege
Michael Wagner, Heidelberg

 

 

Geldstrom - Kunstfluss
14.05.2017 - 26.06.2017

Anthroposophisches Zentrum Kassel
Wilhelmshöher Allee 261
34131 Kassel

Eröffnung: So, 14. Mai 2017, 11.30 Uhr 
Einführung: Dr. Ellen Markgraf
Zum Thema:
Di | 27.06.2017 | 20:00 Uhr
Vortrag: Wirtschaftliche und ideelle Betrachtungen
Dr. Gerhard Richter, Kassel
€ 8,- / € 5,-

Das Phänomen der Zeit

Ausstellung im Anthroposophischen Zentrum Kassel | 11. Mai – 04. Juli 2014

Das Phönomen der Zeit | Ausstellung | Anthroposophisches Zentrum Kassel
Das Phönomen der Zeit | Ausstellung | Anthroposophisches Zentrum Kassel

Einladung_Zeit

 

 

Malerei | Grafik | Fotografie | Objekte | Plastik

Marina Eimer | Ellen Volkhardt | Gabriele Arndt | Stéphanie Mohnhaupt | Ulrich Ahrend | Christa Niestraht | Matthias Langer | Christine Reinckens | Hubert Warter | Christine Steuernagel | Iven Einszehn | Steffi Dittrich | Dieter Haist | Hanne Spuck

Wie können Künstlerinnen und Künstler das Thema “Zeit” gestalten? Bedarf es einer fotografierten Uhr, eines Abreißkalenders oder geht es vielmehr darum, das Phänomen eher abstrakt oder in Assoziationen zu greifen? Bewegung, Vanitas Symbole, die in der traditionellen Kunst an die Vergänglichkeit und damit an das Vergehen der Zeit gemahnen? Stillleben mit Obst und Blumen, die teilweise schon verwelkt sind?
Im Rahmen dieses Ausstellungsprojekts zeigen 14 Künstlerinnen und Künstler ihre jeweils eigenen Zugangsweisen zum Thema “Zeit”.

Eröffnung der Ausstellung und Einführung durch Dr. Ellen Markgraf.

Vernissage am Sonntag, 11. Mai 2014, 11.30 Uhr

Ausstellung bis zum 4. Juli 2014

Öffnungszeiten:
Mo. -Fr. 9.00 – 13.00
Mo. -Do. 14.00 – 16.00

Anthroposophisches Zentrum Kassel | Wilhelmshöher Allee 261

Mit freundlicher Unterstützung des Kulturamts der Stadt Kassel.