Antifa Altona Ost: Wie militant ist das denn!

(aktualisiert 22.03.2019)

Wie aktuell auf mopo.de als Titelthema zu lesen ist, hat die AfD sich mal wieder erfolgreich (!) über rechtschaffenen Antifaschismus beschwert: Den Nazis ist nämlich die Ida-Ehre-Schule als Keimzelle des Antifaschismus aufgefallen.

Der eigentliche Skandal ist aber nicht das Verhalten der Nazis und dass prompt vor ihnen gebuckelt wird, indem die zahlreichen antifaschistischen Bekenntnisse an der Ida- Ehre-Schule entfernt werden.

snapshot mopo.de 19.03.2019

Der eigentliche Skandal ist die Einschätzung des Verfassungsschutzes, der die Antifa Altona Ost als militant bezeichnet.

Einige der militanten Aktionen (die mir aus dem Stegreif einfallen), welche die Antifa Altona Ost im letzten Jahr auf die Beine gestellt hat:

  • 20.12.2018: Eintrag ins Gästebuch der Hamburgischen Bürgerschaft anlässlich der Gegendemonstrationen zum Nazitreffen im Rathaus
  • Mitte Dez. 2018: Entfernung von Nazi-Propaganda in Altona
  • 31.10.2018:  Antifaschistisches Halloween | friedliche Demo mit ca. 1500 Teilnehmern
  • 25.10.2018: Neubau der abgefackelten Tauschkiste am Kemal-Altun-Platz
  • 23.10.2018: Spendenaufruf | Schlafsäcke, warme Pullover, Winterjacken für Obdachlose
  • Dazu kommen Kneipenabende, Informationsveranstaltungen, politische Diskurse und und und …

… und bei alledem sage ich ganz entschieden:

Wie militant ist das denn?

Antifa Altona Ost: Sticker Altona bleibt nazifrei

 

Liebe Mädels und Jungs an der Ida-Ehre-Schule.

Lasst euch nicht einschüchtern.

Beibt stabil.

Klebt der AfD und allen anderen Nazis bei jeder Gelegenheit eine.

Jeder Antifa-Sticker macht die Welt besser.


PARTY
Solidarität mit der Antifa Altona Ost

1 Jahr Antifa Altona Ost
Party in der Roten Flora
mit LiveRap/80er/90er/Techno
Freitag, 22. März | 20 Uhr 30

radikal Spaß haben, extrem Geld spenden, militant abtanzen

Wir sehen uns dort. Ich bring frische Sticker mit.

Antifa Altona Ost

Stellungnahme der Schulleitung der Ida-Ehre-Schule zur AfD-Hetze

und zur grunddummen Echofunktion der Presse

Demo 24. März 2019: Solidarität mit der Ida-Ehre-Schule
DEMO
Solidarität mit der Ida-Ehre-Schule

Antifaschismus ist kein Verbrechen
Sonntag, 24. März | 15 Uhr
Neuer Pferdemarkt

Demoaufruf

Inzwischen solidarisieren sich Schülerinnen und Schüler des Gymnasium Allee in Altona mit der Ida-Ehre-Schule. Die AfD hat sich mit der öffentlichen Entblödung, linke Ideale kriminalisieren zu wollen, ein fettes Eigentor geschossen:

Gymnasium Allee bekennt sich solidarisch mit der Ida-Ehre-Schule
(snapshot mopo.de 21.02.1019)

Kommt zur Demo am kommenden Sonntag!

Zeigen wir der AfD und allen anderen Nazis wieder einmal,

dass wir sie so richtig Scheiße finden!

Werbeanzeigen

Vom Bearbeiten der Bohlen

Morgen in der jungen Welt:

snapshot-junge-welt
snapshot-junge-welt

–> vgl.: Auferstanden aus Ruinen

Auferstanden aus Ruinen

Zurzeit herrscht in Mecklenburg-Vorpommern Wahlkampf, der Weg über die Dörfer beschert einem keinen entspannten Sonntagsausflug. NPD-Plakate prägen das Straßenbild, manches Örtchen ist derart dominant allein von der NPD zuplakatiert, man könnte meinen, die ersehnte Diktatur wäre dort längst eingeführt. In gewisser Weiser stimmt das sogar, denn manches Dorf hat als Nazidorf traurige Berühmtheit erlangt.

Während die Gemeinde Gägelow praktisch unbekannt ist, gilt der Ortsteil Jamel als das Nazidorf schlechthin, denn die Einwohner machen aus ihrer kruden Gesinnung keinen Hehl. Das Dorfbild ist geprägt von Bekenntnissen der besonderen Art, hier wird unverhohlen dem Nationalsozialismus gehuldigt. Eine völkische Wandmalerei verklärt Jamel zur „frei-sozial-nationalen Dorfgemeinschaft“, ein selbstgebasteltes Hinweisschild weist nach Braunau, den höchsten Punkt dieser „Dorfgemeinschaft“ markiert eine Reichsflagge.

In Jamel hängt nicht ein einziges NPD-Plakat. Hoffnung auf Sabotage besteht allerdings nicht. Auch andere Parteien haben es nicht nötig, in Jamel zu werben, weder für sich noch für antifaschistische Werte. Da stehen die einen wohl auf verlorenem Posten, während andere sich bequem auf der sicheren Seite wähnen.

Mittendrin behaupten sich seit 2004 die aus dem multikulturell geprägten Hamburg-St. Pauli stammenden Birgit und Horst Lohmeyer. Sie zählen nicht zur Dorfgemeinschaft Jamel und sind damit die einzig nennenswerte Gemeinschaft in Jamel schlechthin. Das Paar führt seit Jahr und Tag einen beständigen Kampf gegen die Neonazis in unmittelbarer Nachbarschaft, trotzt allen Anfeindungen und denkt nicht dran, den Ort zu verlassen oder sich der Nachbarschaft zu unterwerfen und den Verstand einzustellen. Die Lohmeyers ergreifen das Wort und suchen die Öffentlichkeit, für ihre Zivilcourage wurden sie unter anderem mit dem Paul-Spiegel-Preis und dem Georg-Leber-Preis geehrt. Seit 10 Jahren organisieren sie das Open-Air-Festival Jamel rockt den Förster und setzen damit und mit allen Teilnehmern, Besuchern und Gästen ein starkes Zeichen gegen Rechtsextremismus.

Vor einem Jahr brannte wahrscheinlich genau für dieses Engagement ihre Scheune. Zum Jahrestag der bis heute unaufgeklärten Brandstiftung wurde am 13.08. ein Mahnmal eingeweiht. Der Schweizer Künstler Harry Schaffer, eng befreundet mit den Lohmeyers, hat am Brandort eine Woche lang aus den verkohlten Eichenbohlen eine vier Meter hohe Pyramide aufgestapelt, die Pyromide, die trotzig ein Kreuz in den Himmel streckt, zum Zeichen des Zusammenhalts und der Widerauferstehung: Auferstanden aus Ruinen und der Zukunft zugewandt. Aus den Abschnitten, die beim Zurichten der Bohlen angefallen sind, hat Schaffer außerdem ein kleines Stelenfeld errichtet, welchem dem Ort eine zusätzliche Dimension verleiht. Denn die Stelen wirken wie eine der Pyromide gegenübergestellte Menschenmenge, die mahnend Wache hält.

01-Harry_Schaffer-Birgit_Horst_Lohmeyer-vor_Pyromide-jw
Harry Schaffer, Birgit & Horst Lohmeyer vor Pyromide
03-Pyromide_von_Harry_Schaffer-jw
Pyromide von Harry Schaffer
04-Pyromide_von_Harry_Schaffer-Detail-jw
Pyromide, Detail
05-Stelenfeld_von_Harry_Schaffer-2-jw
Stelenfeld von Harry Schaffer
06-Ueberrest_Grundmauer_Scheune-jw
Überrest: Grundmauer der abgebrannten Scheune

Zur Einweihung des Mahnmals hatten die Lohmeyers persönlich geladen, es haben sich gerade einmal knapp 25 Gäste eingefunden. Zwar waren meine Frau und ich nicht eingeladen, dennoch hatte ich unterstellt, im Vorfeld der Berichterstattung über den Bau der Pyromide würden auch andere dieses Ereignis wichtig nehmen und ungefragt anreisen. Denn ein Zeichen zu setzen, wie es die Lohmeyers tun, verdient Beachtung – da braucht man gar keine Einladung, ein solches Zeichen aufzunehmen und durch persönliche Anwesenheit zum eigenen Bekenntnis zu machen, was letztlich auch die Arbeit zweier einsamer Kämpfer stärkt …

… Immerhin folgt in 14 Tagen Jamel rockt den Förster, und dieses Festival-Wochenende bestärkt die Lohmeyers jedes Jahr.

 

Open-Air-Festival Jamel rockt den Förster
26./27. August
u.a. mit Bela B, Madsen und Turbostaat
Tageskarten € 15,- / Wochenendticket € 25,-
Jamel bei Gressow / Wismar
www.forstrock.de
Pyromide und Stelenfeld von Harry Schaffer
www.studioschaffer.ch



Artikel in der jungen Welt vom 23.08.2016

Wir sind schuldig

Zur AfD-Demo am 31.10.2015 in Hamburg

Gestern Mittag versammelte die AfD vor dem Museum für Kunst und Gewerbe auf dem Steintorplatz in Hamburg Parteianhänger und Nazischergen, um gegen die Asylpolitik Dreutschlands zu demonstrieren.

AfD-Anhaenger

AfD-Anhaenger-02
AfD-Anhänger

Die Versammlung wurde von Gegendemonstranten aus allen Richtungen lautstark begleitet und regelrecht eingekesselt. Die Kreuzung Steindamm/Steintordamm/Kirchenallee wurde von uns stundenlang blockiert.

Blockade-00

Blockade-03

Blockade-04

Polizei-01

Blockade-05

Blockade-06

Blockade-07

Demo-01


Demo-02

Demo-03

Polizei-02

Demo-04

Demo-05

Die zahlreichen Aufforderungen der Polizei, die Kreuzung zu räumen, wurden ignoriert. Drohungen, insbesondere an unbeteiligte Familien mit Kindern (!), es werde Gewalt eingesetzt, fruchteten nicht.

Auch nicht die Tatsache, dass die Polizei gegen 15 Uhr die zahlenmäßig weit überlegene Gegendemo für beendet erklärte und die Teilnehmer darüber belehrte, dass jeder Teilnehmer an der Blockade der Kreuzung sich einer Straftat schuldig mache, denn die Demoroute der AfD über die Mönckebergstraße zum Gänsemarkt sei versammlungsrechtlich genehmigt und würde von der Polizei durchgesetzt.

Zur Untermauerung dieser durch jeden Einzelnen verübten und damit mehr als tausendfachen Straftaten  wurden Wasserwerfer auf Tuchfühlung vorgefahren.

Blockade-01

Abermals wurde dazu aufgefordert, die Kreuzung zu räumen – und zwar in Richtung Mönckebergstraße. Das war mal eine herrlich kreative Idee der Polizei, denn die Vorstellung, von Wasserwerfern getrieben und von Hundertschaften der Polizei durch Hamburgs Einkaufsmeile geprügelt zu werden, empfanden wir fast als Einladung, nebenbei auch noch antikapitalistische Grundsatzarbeit zu leisten. Unsere antifaschistischen Ambitionen vernebeln uns ja manchmal den Blick für die wichtigen Nebenschauplätze …

Die unmittelbare Bedrohung durch die Wasserwerfer wärte etwa eine Stunde. Viel bedrohlicher wurde dann die Reiterstaffel. Die AfD hatte sich zwischenzeitlich auf der Straße positioniert, um loszumarschieren, kam aber keinen Meter weit. Schließlich gab sie ihr Ansinnen, durch die Innenstadt zu idiotisieren, auf. Unter dem Schutz der Reiterstaffel verschwanden AfD und Konsorten im Untergrund der U-Bahn. Dort könnten sie ruhig für immer bleiben.

Blockade-02      Blockade-08

Blockade-09

Fazit:

Wir sind schuldig.

Wir haben unsere Straftaten erhobenen Hauptes auf der Strasse ausgesessen und verhindert, dass ein Pulk Vollidioten ihren Hirndreck durch die Innenstadt skandiert. Wir haben die AfD in den Keller gezwungen.

Jeder von uns hat sich hier schuldig gemacht und ist sich keiner Schuld bewusst.

Wir sind Wiederholungstäter.

Wir kommen wieder.

Eigentlich sind wir schon da 🙂


Neu: Iven auf Twitter

Neues Buch: Es geht auch ohne Elke, Elke


Nazi in the box

Spätestens seit PEGIDA werden wir permament mit faschistischer Deutschtümelei aus der DDR versorgt. Das erweckt fast den Eindruck, als gäbe es in der BRD derartige Probleme nicht.

Völlig unterschlagen werden von den Medien allerdings die positiven und echt beispielhaften Widerstandsformen, die ich dringend zur Nachahmung in der BRD empfehle.

Die Magdeburger Nazibox etwa.

Magdeburger Nazibox
Magdeburger Nazibox

Zugegeben, als ich neulich in Magdeburg unterwegs war, konnte ich es zunächst auch nicht glauben: Klopfen und Klagen aus der Box, Hilferufe und Gejammer. Und außen drauf lackiert riesengroß: NAZIS RAUS. Keineswegs als antifaschistischer Protest, ganz im Gegenteil: Als Hilferuf Rechtsradikaler, die ihre Gesinnungsgenossen wiederhaben wollen!

Die Magedburger Nazibox ist nämlich so konstruiert, dass die (bis zu vier) darin entsorgten Nazis nicht mehr rauskönnen.

Feines Ding, das.