2 Tipps für Anarchisten

  • 1.Tipp: Telekom verarschen

Im Sommer hat die Telekom unter dem Motto „Aus Grau wird bunt“ die kotzhäßlichen Verteilerkästen, die jedes Stadtbild veröden (und oft voll bescheuert im Weg herumstehen), zur Gestaltung freigegeben. Feines Ding, sollte man denken. So offen ist die Telekom dann aber dann doch nicht, dieses Angebot ohne Pferdefuß zu unterbreiten. Immerhin hält die sich immer noch für die Post, im Geiste also für eine Behörde.

Wer einen grauen Kasten bemalen möchte, muss bei der Telekom einen Entwurf einreichen. Damit unterliegt jede Bemalung nicht nur den ästhetischen Launen der Telekom, die uns künftig vorschreibt, was wir im Straßenbild zu sehen bekommen, sondern zwangsläufig auch der Zensur. Es ist also absehbar, dass auf grauen Kästen künftig massenhaft hübsch gepinselte Belanglosigkeiten zu sehen sein werden.

„Die Gehäuse dürfen nur mit ethisch sowie politisch und religiös neutralen Darstellungen gestaltet werden“, wie es im Flyer heißt. Nichts Kritisches also, nichts, an dem der Geist entbrennt.

„… die bunten Kästen sehen eindeutig schöner aus! Und schrecken nebenbei den ein oder anderen Möchtegern-Graffiti-Künstler davon ab, seine Spuren auf den Gehäusen zu hinterlassen,“ heißt es im blog der Telekom. Das sagt eigentlich alles. Aber die Telekom legt noch eine putzige Entlarvung obendrauf: „Damit der Look der Kästen nicht „verschlimmbessert“ wird, haben die Kollegen schon noch ein Auge darauf, was die kleinen und großen Künstler da vorhaben.“

Außerdem dürfen keine Lacke verwendet werden, sondern nur Dispersionsfarben. Ich hab zwar noch keinen Kasten entdeckt, der von Lack in die Knie gezwungen wurde. Aber ich bin offen für Experimente  und habe versucht, das Phänomen zu ergründen: Allerdings ist es mir nicht gelungen, selbst unter 24 Lackschichten einen der grauen Kästen aufzulösen – oder auch nur anzulösen. 

Es dürfte also um die Haltbarkeit gehen: Lack kriegste nicht so ohne Weiteres wieder ab – Dispersionsfarben schon. Die Telekom hält sich also bloß ein Hintertürchen offen, falls es ihr eines Tages doch noch zu bunt wird mit ihrer fröhlichen Idee …

Und jetzt der Tipp, wie die Sache trotz der eingebauten Haken und Ösen richtig gut werden kann:

Machs wie ich. Reich einen total banalen Entwurf ein, den Du in jedes katholische Altenheim pinseln könntest, ohne dass Opa sich einnässt. Wenn Du deine Genehmigung hast, malst Du aber einfach das, was Du willst!

Und wenns (hinterher) Probleme gibt, zuckst Du locker mit den Schultern und sagst:

„Hm, ich hab noch gar nich angefangen.“

Verstehste? 😉

Auf eine heftige Unverschämtheit soll noch hingewiesen werden: Wenn wir der Telekom großzügig zugute halten, dass denen endlich mal aufgefallen ist, wie beschissen ihre sogenannten Multifunktionsgehäuse aussehen – warum lassen sie sich die Aufwertung ihrer Kästen, die sie absichtlich in voller Hässlichkeit in alle Städte stellen, schenken! Die Telekom ist ein Milliardenkonzern, der hier aufs Asozialste Künstler und die Kunst ausbeutet und sich darin noch einen jugendlichen, toleranten Anstrich verleiht!

 

  • 2. Tipp: Neues Alarmsystem verarschen

Um Graffitisprayern das Leben schwer zu machen, wurde ein Alarmsystem entwickelt, welches auf das Klackergeräusch der Dosen anspringt. Einmal geschüttelt, und alle Scheinwerfer gehen an und die Polizei wird direkt informiert.

Dieses Alarmsystem enttarnt selbstverständlich nur Anfänger oder ausgesprochene Vollidioten, an denen die Erfindung des Magneten vorübergegangen ist. Ein kleines Ding am Boden der Kanne lässt jeden Geräusch verstummen: System außer Kraft gesetzt und verarscht. 

Noch schöner ist es allerdings, das Alarmsystem ad absurdum zu führen, indem man ständig leere Dosen mit sich führt und fleißig schüttelt. Es gibt doch diese handlichen kleinen Hosentaschendosen, die sind eh schnell leer gemalt. Kanns kaum abwarten, bis so ein Alarmsystem in Hamburg eingeführt wird. Bin schon gespannt, wie viel Fehlalarme es braucht, um das Ding abzuschalten …

Nicht zu vergessen, die geräuschlosen Methoden der Streetart: Marker, Pasteups, Sticker usw. …

Pasteups
3 Pasteups an einer gammligen Tür in Kassel

 

 Neu: Iven auf Twitter

Neues Buch: Es geht auch ohne Elke, Elke

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Die Stadt, Dein Müll & Ich

Alle Welt regt sich darüber auf, dass und wenn sich der Müll in hässlichen Ecken auftürmt. Die Boulevardpresse nimmt sich solcher Angelegenheiten gerne an, ist halt nicht so anstrengend, sich über sowas den Kopf zu zerbrechen. Nennenswerte Berichte zu Politik, Rassismus, Ausbeutung, Flucht und Vertreibung, gar den Mangel an Humanismus sind deren Zeitungslesern kaum zuzumuten, schon gar nicht auf einer differenzierten, klugen, gar kritischen Ebene, die das Bewußtsein schärfen und damit eine Bewußtseinsschärfung fördern würde.
Die Mopo betreibt seit einiger Zeit unter dem Aufruf „Stoppt die Müllferkel“ eine interaktive Denunziationskampagne. Da kann der brave Bürger Hamburgs Schmuddelecken fotografieren und auf der Karte eintragen. Denn wenn es etwas zu kritisieren gibt, dann hier, am Fehlverhalten der Bevölkerung. Das sieht jeder ein, und keiner findet das gut, was da los ist in der Stadt, da besteht Handlungsbedarf und zwar unverzüglich.
Snapshot_Denunziation-Mopo-de
Beispielhafte Denunziation einer Schmuddelecke auf mopo.de
Kleiner Tipp: Wer sich die Kosten für die Sperrmüllabholung sparen möchte, klumpt seinen Kram hinters Haus, macht n Foto, läd das hoch und mit ein wenig Glück sorgt die Saubermopo dafür, dass da mal so richtig aufgeräumt wird. Keine Sorge, liebe Müllabfuhr, euer Geschäftsmodell ist nicht in Gefahr, niemals würde die niedere Presse der naheliegenden Idee verfallen, die Sperrmüllabholung sollte kostenlos sein, doch nicht um Lösungsansätze für Probleme auf einfachster Ebene zu entwickeln.
Und noch ein Tipp: Lässt sich die Kampagne nicht erweitern? Ich kenne so viele Leute, die die Treppe nicht regelmäßig putzen. Mich selbst z.B. Letzen Herbst hab ich das mal gemacht, das ist so schön geworden, da zehre ich heute noch von. Foto hochladen, Adresse bekanntgeben.
Wie man schon hier sieht, sehe ich die Sache natürlich ganz anders – das war ja wieder mal klar. Ich bin ja sowas von anti-gegen-un-dafür, im Mittelalter hätten sie mich sofort verbrannt, weil ich dauernd komische Vorstellungen habe.
Es ist nämlich so: Vermüllte Orte sind mir nicht nur Materialquellen, sondern auch Orte der Inspiration. Bei meinen regelmäßigen Erntetouren in und auf pleite gegangenen Bauvorhaben, in Industriegebieten und auf Ödflächen, die hier und da mitten in der Stadt rumlungern wie aus einem Paralleluniversum teleportiert und ganz besonders in den letzten Ecken im Hafen, befinde ich mich stets im Schlaraffenland. Es ist sensationell, was die Leute so alles in die Elbe schmeißen, herrliches Arbeitsmaterial, das sich von den Gezeiten in den Uberbefestigungen verfängt und nur auf mich wartet und von den Zeiten, die es auf mich wartet eine einzigartige Oberflächenmorphologie entwickelt hat.
Ich bin deswegen total dafür, dass die Idiotie niemals ausstirbt. Bleibt alle totale Vollpfosten und schmeißt euren Krempel in die Gegend. Wenn irgendwo was liegt, tut was dazu. Ihr habt ja nicht angefangen damit und seid höchstens halb Schuld. Bleibt so asozial, die paar Meter zur Mülltonne nicht mehr zu finden, nur weil vorm Haus ein Baugerüst steht.
Asozial ist es übrigens auch, wie häufig ich mich mit der Polizei plagen darf, weil ich es wage, im Müll zu wühlen! Dabei ist es mit mir ganz einfach: Wenn ich eine Ödfläche betrete, und das tue ich selbstverständlich auch angenagelten, voll vernagelten Verboten zum Trotz, ist es dort anschließend immer etwas sauberer. Fündig werde ich immer, und wenn es nur ein rostiger Nagel ist.

Zum Schluss mein Dank direkt an dich:

Als Hamburger Oberexperte was letzte Ecken angeht, hab ich neulich in der Hafencity deinen ziemlich verwitterten Haufen alter Zwischenwände entdeckt und einen Großteil der verwertbaren Pappfüllungen geborgen. Ich danke dir für das tolle Zeug. Ich hab schon was draus gemacht – und einige der Werke letztes Wochenende zurück an ihren Geburtsort getragen, um sie dort zu fotografieren:

Mail_Sitzend-001
Iven Einszehn: Hafencitiyviecher 1
Mail_Stehend-005
Iven Einszehn: Hafencityviecher 2
Mail_Stehend-und-Sitzend-001
Iven Einszehn: Hafencityviecher 1 + 2
Mail_Wachhund-Wurm-004
Iven Einszehn: Hafencityviecher 3,
in Wahrheit: „Wachhund“
(in Privatbesitz)