Das war Bucktopia

Kunstfestival Bucktopia – Endzeit.

27. – 29.09.2013

Bauprojekt Gucklochgalerie. Außenseiten: Eigene Arbeiten; Innenraum: Galerie Endzeit und Atelier. Die Installation titulierte schnell unter dem schlichten Begriff „Kubus“.

Ich brauchte für mein Bauprojekt einen regenfesten Ort, denn geplant war ein kubusartiger Bau von dreineinhalb Meter Höhe, aus praktischen Erwägungen ohne Dach, innen vollgestopft mit Werken anderer Künstler. Es fand sich eine atemberaubende, turmartige Halle  – in der auch noch genug Platz für die Skulpturen von Marthan und Thomas Andrée blieb, so dass aus „meinem“ Bauplatz am Ende eine schöne kleine Kunsthalle wurde …

Wie sich nach knapp einer Woche Bauzeit herausstellte, habe ich für meinen Bauplatz innerhalb dieser vermeintlich wetterfesten Halle allerdings den einzigen Fleck gewählt, auf dem es hineinregnet. Völlig ungeplant wurde ein Dach nötig. Zum Glück bot sich Konstantin Bensch hilfreich an, und in einer Nachtschicht haben wir zwischen Mitternacht und sechs Uhr morgens eine gut 4,50 m hohe Stahlstele geschweißt, über die ich eine Plane spannen konnte …

Stahlstele Gemeinschaftswerk mit Konstantin Bensch
Stahlstele
Gemeinschaftswerk mit Konstantin Bensch
Stahlstele Detail Schwuler Astronaut
Stahlstele Detail
Schwuler Astronaut

Außenansichten:

Iven Einszehn
Bucktopia Gucklochgalerie
ALL YOU CAN ART, unter diesem Motto fasse ich mein facettenreiches Schaffen zusammen …
Kubus-001
Iven Einszehn
Bucktopia Gucklochgalerie
Kubus-002
Iven Einszehn
Bucktopia Gucklochgalerie
Kubus-003
Iven Einszehn
Bucktopia Gucklochgalerie
Kubus-004-mit_Fadenmann
Iven Einszehn
Bucktopia Gucklochgalerie

Im Vordergrund: Der Fadenmann von Thomas Andrée.
Der Fadenmann verweist in Material (Treibholz und Ton von/aus der Elbe, Nadel und Faden), sowie Verarbeitung (genähtes Holz!) & Darstellung auf Iven Einszehn.
Danke, Thomas, für diese wunderbare Würdigung!

Kubus_Nachts_006
Iven Einszehn
Bucktopia Gucklochgalerie Nachts
Kubus_Nachts_007
Iven Einszehn
Bucktopia Gucklochgalerie Nachts

Innenansichten und Einblicke:

Dem Aufruf, in der Galerie Endzeit auszustellen, sind folgende Künstler gefolgt: Britta Scheibe, Kirsten, Alke, Sebastian Fricke, Sarah Bernau, Andreas Seidel, holle W., Sylvia Walther, Erika Hess, einige Schulkinder, Thomas Andrée, Stan, u.a. (die Namensliste ist verloren gegangen, hier nicht genannte Teilnehmer, bitte melden!)

Galerie Endzeit Ansicht 1
Galerie Endzeit
Ansicht 1
Galerie Endzeit Ansicht 2
Galerie Endzeit
Ansicht 2
Galerie Endzeit Ansicht 3
Galerie Endzeit
Ansicht 3
Galerie Endzeit Ansicht 4
Galerie Endzeit
Ansicht 4
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Das war MYSTIQUE

MYSTIQUE, Kurzfassung:

Schön wars.

Nicht.

Immer.

www.facebook.com/kulturanker
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Mystique war eine Hammerzeit. Ich habe mir gut drei drei Wochen lang ein Kabinett  zusammen gezimmert, in dem ich komprimiert auf nur etwa 25 qm fast 500 Holzwerke gezeigt habe. Heutzutage, wo Kunst am liebsten nach dem Motto EineWand-einBild-ichbinwichtig-basta präsentiert wird, habe ich durch diese Art, meine Kunst zu präsentieren, den Hauptgewinn gezogen.

Mancher Besucher hat in der offenen Tür meines Raumes keinen Schritt weiter gewagt, weil er sich mit dem Blick in einem privaten Wohnzimmer wähnte, wo er bestimmt nichts zu suchen hat. Andere durften nicht einmal diesen Blick wagen, denn mein Raum war die meiste Zeit hinter der geschlossenen Tür versteckt. Ich war großzügig in der Lastwagenladung voll Kunst, die ich nach Magdeburg geschafft habe; ich war geizig, mich in meinen Werken vorzuführen. Das lag nicht nur daran, daß ich es verstehe, mit billigen Effekten zu spielen (Verknappung weckt Begehrlichkeiten!) und daß ich in meinem Ausstellungsraum keinen Platz einrichten konnte, um dort „nebenbei“ zu arbeiten – so daß ich mich in meiner eigenen Präsentation schnell gelangweilt habe. Das lag auch daran, daß ich zu einem Highlight des Kunstfestivals avanciert bin und es mehr als ungerecht fand, daß viele gute andere Künstler kaum bis gar nicht wahrgenommen wurden. Während ich immer wieder zum Zuge kam, hatten andere keine Fotos in der Zeitung und wurden nicht einmal mit Namen erwähnt ..

Ein billiger Vorteil kam mir allerdings zugute: Gemeinsam mit Oliver Krewitt war ich einer von exakt zwei daueranwesenden Künstlern. Meistens habe ich mich bei Oliver in der Halle 3 aufgehalten, am chaotischen Arbeitstisch vor der Bar – mitten in einem über 1000 qm großen Raum, Deckenhöhe geschätzte 480 m. Soviel Luft zum Arbeiten muß man erst einmal einatmen, ohne ohnmächtig zu werden.

(snapshot facebook.com/kulturanker) Mit Sebastian, Olli , Markus und Alex am Arbeiten ...
(snapshot facebook.com/kulturanker)
Mit Sebastian, Olli , Markus und Alex am Arbeiten …
(snapshot facebook.com/kulturanker) Arbeit an "VATER"
(snapshot facebook.com/kulturanker)
Arbeit an „VATER“
"Vater" (schlechter Schnappschuss, aber zum Gucken reichts ...) Edding, Textmarker, Lackstift, Teppichbodenlack auf Aquarellpapier
„Vater“ (schlechter Schnappschuss, aber zum Gucken reichts …)
Buchseite, Edding, Textmarker, Lackstift, Teppichbodenlack auf Aquarellpapier

Irgendwann war ich es leid, zum Schlafen in meine Wohnung in den Breiten Weg zu radeln und habe zuletzt mehr oder weniger auf dem Fußboden der Halle 3 gewohnt. Hätte mir vierzehn Tage vorher jemand gesagt, daß ich unter solchen Bedingungen arbeiten kann, an einem zugemüllten Tisch, mit einem Brett auf dem Schoß oder auf dem Fußboden knieend, und daß ich mittags auf einem Fußboden schlafe, während Ausstellungsbesucher um meine Morgenlatte schleichen und überlegen „Ist-das-Kunst-oder-kann-das-weg?“ — ich hätte ihn für geisteskrank erkärt. Und ich hätte einen geisteskranken Vortrag gehalten, weshalb derart unkomfortable Bedingungen für mich bestimmt nicht in Frage kommen.

Mystique ist im Ergebnis damit nicht nur eine große Bestätigung für meine Arbeit, sondern für mich tatsächlich lebensverändernd. Ich bin von allerlei Bedenken befreit. Noch einen Tag vor der Abreise nach Magdeburg war ich drauf und dran, meine Teilnahme abzusagen, weil die Horrorvorstellung der totalen Überforderung und kräftezehrender Ohnmacht sich in mir breit gemacht hat. In Zukunft weiß ich: So schlechte Bedingungen kann ich mir gar nicht ausdenken, daß ich mich nicht arrangieren könnte und sie mich in meiner Kreativität behindern …

Das höchste Glück ist eine ganz andere Sache: In Hamburg habe ich in den letzten Jahren genau einen neuen Freund dazu gewonnen, in Magdeburg wurde ich gleich mit einem ganzen Haufen beschenkt. Daß so etwas möglich wäre, hatte ich mir für den Rest meines Lebens gar nicht mehr vorgenommen!

Seit zwei Tagen bin ich wieder in Hamburg. Ich finde mich nicht mehr zurecht. Ich kenne mich in meinen eigenen vier Wänden nicht mehr aus. Dabei ist hier alles durchsortiert, in Kästen und Kistchen, griffbereit, alles und jedes hat einen festen Ort. Denn seit ich vollständig gelähmt war und meinen eigenen Tod überlebt habe, will ich keine Lebenszeit damit verschwenden, nach Dingen zu suchen. Aber mein Gehirn wurde gelöscht. Ich konnte mich nicht einmal daran erinnern, wo die Achenbecher stehen, ich habe die halbe Küche durchwühlt …!

Ausdruck meines inneren Zustandes:

Wieder-in-Hamburg001_kleiner——————————————————————————————————————————

Presse:

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(Volksstimme, 01.06.13)

Ach ja, die Presse: Da unterhalte ich mich mit der Journalistin noch darüber, wie unerträglich ich es finde, wenn mein prima Vorname falsch geschrieben wird, und Birgit versichert mir, das würde ihr nicht passieren, weil sie das verstehen kann und immer peinlichst auf korrekte Schreibweise achte — und dann  d a s ! ! !  (Übrigens, Tilmann, ich habe meinen Besuch bei dir im Kunsthistorischen Museum nicht vergessengestrichenstorniert, ich habe acht Wochen durchgearbeitet, nicht nur in die Nacht hinein, sondern manche Nacht komplett durch und mich in viele Gemeinschaftsprojekte gestürzt. In wenigen Wochen bin ich ja schon wieder für einige Wochen in MD, und dann sehen auch wir uns wieder! In deinem Museum und in der Kneipe deines Freundes!)

hier noch ein Film von der Eröffnung

(Im Magazin vorspringen auf ca. 12 min 40, da kommt dann der Bericht…)

MD_Presse_Iven_02-kleiner

(Volksstimme, 06. 07.13)

MD_Presse_Iven_04-kleiner MD_Presse_Sebastian-Britta-kleiner

(Volksstimme, 23.07.13)

Extragruß an Sebastian und Britta: Ich freu mich auf unser Wiedersehen auf der Bucktopia!

(Zur Bucktopia gibts in den nächsten Tagen noch Infos…)

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