Witz der Woche

Werbeanzeigen

Ein Fall von Anständigkeit: La Grande Plakastrophe

Fälle von Anständigkeit findet man bei Hamburger Unternehmen in diesen turbulenten Tagen um G20 nur selten. Zu groß scheint die Angst vor Gesichtsverlust zu sein, zu groß die Angst, in einem Atemzug mit Vorkommnissen genannt zu werden, die zwar (noch) gar nicht eingetreten sind, von denen Boulevardpresse und Polizei in hellseherischer Fähigkeit aber bereits seit Wochen berichten. Und es gar nicht abwarten können, dass es ordentlich knallt. Denn diese Gipfel sind eine immer wiederkehrende Zumutung, an denen sich die Ohnmacht der Bevölkerung in regelrechten Straßenschlachten Bahn bricht.

Zu groß scheint die Angst zu sein, Geschäftspartner zu verprellen, sich gar Auslandsgeschäfte zu versauen: Das ist nichts anderes als der Kapitalismus von einer seiner unzähligen hässlichen Seiten.

Kaum eine Firma, kaum ein Unternehmen in Hamburg positioniert sich klar gegen G20, für eine bessere Welt, in der alle Völker und Staaten und somit alle Menschen gleichberechtigt behandelt werden — oder die Kleingehaltenen, die Ausgebeuteten, die von Hunger, Krieg, mangelnder Gesundheitsversorgung, Bildungsmangel oder sonstigem Leid Betroffenen sogar etwas besser. Allein dieser einfache humanistische Ansatz scheint vielen schon viel zu links zu sein …

Ein Ausnahmefall von ausgesprochener Anständigkeit ist die giraffentoast gmbh. giraffentoast hat unter dem wunderbaren Titel LA GRANDE PLAKASTROPHE einen Wettbewerb ausgeschrieben, um Hamburg zum Gipfelwochenende mit Protestplakaten vollzuballern.

Ausstellung La grande Plakastrope

Die 20 Gewinnermotive werden seit Tagen fleißig im Schanzenviertel und auf St. Pauli verklebt. Vielleicht ist euch das eine oder andere Plakat bereits über den Weg gelaufen (siehe Bildstrecke: Hamburger Aufstand 2017: G20 in Plakaten und Protesten). Nicht immer sind die Motive auf ersten Blick zu entschlüsseln — aber ohne Verstand lässt sich die Welt eben auch nicht verbessern.

Heute gibts zur LA GRANDE PLAKASTROPE in den Räumen von giraffentoast ab 18:00 die Ausstellung aller rund 100 eingereichter Plakatvorschläge. Der Termin kollidiert zwar unglücklich mit der Großdemo G20TOHELL, aber vielleicht gönnt sich oder braucht jemand eine kleine Auszeit und nutzt die Gelegenheit bei einem kalten Getränk die Ausstellung zu besuchen.

Ich möchte anregen, die Ausstellung anschließend an das Archiv der Sozialen Bewegungen (ASB) in der Roten Flora zu übergeben. Dort ist sie als Zeitzeugnis für die Ewigkeit bestens aufgehoben.

Plakastrophe-William-Takashi-Ahrend
Plakastrophe-Sam-Janzen
Plakastrophe-Phillip-Jones
Plakastrophe-Paula-Partzsch
Plakastrophe-Holger-Markewitz-Peters
Ausstellung
La grande Plakastrophe
06. Juli | 18:00 — 23:00
Uhrgiraffentoast gmbh|Kleiner Schäferkamp 28|Schanzenviertel
giraffentoast
instagram
facebook
Archiv der Sozialen Bewegungen
G20: Unhappy meeting

Lieber tanz ich als G20: 30000 auf Demorave

 

Wir lassen uns das Dagegensein nicht verbieten!
Erdogan’i katledin / Tötet Erdogan

 

Kulturtipp für G20-Flüchtlinge: KUNST_AN_BAU

Angeblich wollen fast ein Drittel der Hamburger zu G20 aus Hamburg flüchten. Gerade G20-Flüchtlinge, bzw. die Fluchtwilligen sollten aber genau deshalb in Hamburg bleiben. Denn gerade sie spüren doch in der eigenen Haut, was das für ein beknackter Politzirkus ist, der hier mitten im Herzen der Stadt verunstaltet (!) wird. Gerade die Fluchtwilligen haben also allen Grund, sich aufzuregen, sich querzustellen, ihren Unmut auf die Straßen zu tragen und der Welt zu zeigen, was faul ist im Polizeistaat Hamburg.
Zur Förderung der Proteste auf Hamburgs Bannmeilen fordere ich deshalb alle Nachbargemeinden Hamburgs und alle sonstigen Außerhamburgischen Ländereien dazu auf, sämtliche G20-Flüchtlinge aus Hamburg unverzüglich in ihr Heimatland abzuschieben respektive die Aufnahme politischer Flüchtlinge aus Hamburg zu verweigern. Die körperliche Gewalt, die Asylsuchenden in Hamburg droht, ist kein Asylgrund; sie wird aus Hamburger Gewohnheitsrecht vonseiten der Polizei ausgeübt und praktisch nie von Richtern auf rechtsstaatlicher Ebene gewürdigt – falls die überhaupt mal in Laune sind, sich mit so was zu beschäftigen. Im Prinzip ist sie also vollkommen bedeutungslos und wird in diesem Sinne von der Boulevardpresse auch mit der Gegengewalt, die ihnen doppelt und dreifach wiegt, aus dem öffentlichen Bewusstsein getilgt.
Es ist unverkennbar, dass ich so ziemlich gar kein Verständnis für diejenigen aufbringe, die jetzt weglaufen, denn sie verraten die Kritiker und Gegner des Gipfels, die undemokratischen Zustände in der Stadt, die vielfältigen Rechts- und Verfassungsverstöße der Verfolgungsbehörden, den Generalverdacht gegen jeden und alles und den offiziellen Empfang von gleich drei Diktatoren im in der jüngeren Geschichte doppelt diktaturbelasteten Deutschland auf ganz perfide Weise.
Zur Pflege und Förderung meiner ganz persönlichen Toleranzgrenzen warte ich deshalb mit einem Kulturtipp auf – zumindest für all jene G20-Flüchtlinge, denen es gelingen wird, sich bis nach Pinneberg durchzuschlagen. Pinneberg ist eine geradezu G20-aseptische Dorfgemeinschaft, mir jedenfalls ist am vergangenen Wochenende auf meinem Spaziergang durch die Stadt nicht ein einziger Aufruf aufgefallen, der kritische Geister wecken und nach Hamburg locken sollte. Aber ich will den Mund mal nicht zu voll nehmen, vielleicht gibt es doch ein Plakat.
In Pinneberg betreibt MIOQ (dahinter verbirgt sich keine japanische Spanschachtelmanufaktur, sondern Marion Inge Otto-Quoos) die Kunstremise. Ein altes Gemäuer mit großzügigem Garten samt altem Pavillon und fast konstruktivistischem Baumhaus mitten in der Innenstadt. Zu Fuß in höchstens drei Minuten von überall aus zu erreichen. Dort arbeitet MIOQ an eigener Kunst und veranstaltet Projekte, für die sie Tür und Tor ihrer Kunstremise öffnet, die sie deshalb konsequent auch als Kunstpension bezeichnet bzw. führt und zur Verfügung stellt.

Seit letztem Wochenende hat sich in der Kunstremise, in der Kunstpension, in Haus und Garten der KUNST_AN_BAU breitgemacht, eine wunderbare kleine Schau mit zumeist minimalistischen auf die Gegebenheiten zugeschnittenen Werken. Für mich war der Zufallsfund des Kunst_AN_BAUs am letzten Samstag eine herausragende Entschädigung nach dem Besuch der Eröffnung der Regionalschau, bei der aufgrund der ungefähr fünfhundert Besucher mein Durchschnittsalter übrigens um mindestens 30 Jahre nach oben geschnellt ist.*

 

 

Karin Hilbers: „Postfaktisch – der Glanz ist ab“. Die Künstlerin präsentiert und erläutert den chemischen Vorgang, der den zunächst glanzpolierten Begriff Wahrheit in Rot- und Brauntönen vergehen lässt (bzw. aufgehen, wenn man so möchte) …

Nico Wolf: ohne Titel. Die Videoinstallation, die eine halbe Stunde lang einen sich auftürmenden Maulwürfshügel zeigt, geht der Frage nach, ob man einen Maulwurshügel als Skulptur betrachten kann. Nico Wolf konterkariert damit die allgemeine Ansicht von Gartenbesitzern, Maulwürfe wären so etwas wie Ungeziefer, weil sie die Ordnung stören. Die Projektion des Films auf den unebenen Feldsteinboden verleiht der Installation eine zusätzlich irreale Note.

 

Arne Lösekann: ohne Titel: „Das Baufeld ist eng gesteckt, Abstandsflächen (sind) nicht einzuhalten und Baulasten zu vermeiden. 1 qm vermaßter Raum ist ein Anfang, aber schon geht der Streit los. Wo soll weiter gemessen werden und in welchen Dimensionen? Ein Objekt setzt sich mit der Ungewissheit des rechten Winkels auseinander und fragt sich, ob wir am Ende nicht doch mit 2 Dimensionen auskommen.“ Ich hatte spontan ganz andere Gedanken, als ich diesem beinahe monumental abgezirkelten Quadratmeter begegnete: Ich dachte auch sofort an Streit, allerdings eher an Grenzstreitigkeiten, an kleinbürgerlichen Quatsch um ein paar Grundstückszentimeter, Nachbarn, die sich in die Haare kriegen und verachten, als hätte es die Jahrzehnte, die sie von einem kleinen Irrtum in der Vermessung oder Nutzung nicht wussten, nie gegeben …

 

Feine Menschen: „Kunstsamen“. Die Feinen Menschen fordern dazu auf, die Kunstsamen in die weite Welt hinaus zu tragen. Aus dem KunstkurOrt Pinneberg. Das nenn ich mal herrlich selbstbewusst und witzig. Die Kunstsamen bestehen übrigens aus Konfetti, und in einem einzelnen Konfetti kann man durchaus ein minimalistisches Kunstwerk sehen. Also: Schüttet mal Pinneberger Kunstsamen in Nachbars Garten, ihr werdet überrascht sein, wie blitzartig diese Saat aufgeht!

 

Für die teilnehmenden Künstler wurden im Garten Ausstellungsflächen abgesteckt. Dies ist die Fläche von Kirstin Petersen für ihr Werk „Spontan“. Ihre knappe Einlassung dazu lautet: „Wie es die Zeit erlaubt.“ Es steht nun völlig im Raum, ob Petersen keine Zeit hatte, spontan einen Beitrag zu leisten. Oder ob es die Ironie der Sache ist, dass sie eine ungenutze Fläche eben durch Nichtnutzung nutzt! (Hoffentlich kommt sie nicht auf Idee, doch noch einen Beitrag auf die Wiese zu stellen, denn das würde die geistreiche Installation aus Nichts – unabhängig davon, ob das überhaupt ihre Absicht war – zunichte machen).

 

Das Baumhaus im Garten der Kunstremise ist nicht Teil des KUNST_AN_BAUs. Man sollte trotzdem nicht achtlos daran vorbei gehen, denn es birgt eine feine Überraschung für Kunstfreunde …

 

Gagal: „Zu schön, um wahr zu sein: Taraxacum in neuem Kleid. Gagel staunt“ Der bunt bemalte und mit Glitter bestreute Löwenzahn, der sich im Eingangsbereich ausbreitet, lässt sich irgendwo zwischen Kitsch und streetart verorten. Mir gefällt an der Installation, dass durch diesen Eingriff die Sicht auf etwas so Unbedeutendes wie Löwenzahn, den die meisten Menschen für Unkraut halten und bei der Gelegenheit persönlichen Landbesitzes überall (insbesondere in direkter Nähe des Wohnhauses) ausreißen, völlig verändert wird.

Teilnehmende Künstler (und Autoren):

  • Karin Hilbers
  • Inken N. Woldsen
  • Brigitta Höppner
  • Hannah Rau
  • Birgit Bornemann
  • Anke Bromberg
  • Thomas Piesbergen
  • Arne Lösekann
  • Stilla Seis
  • Gagel
  • Niko Wolf
  • Adriana Steckhan
  • MIOQ
  • Kirsten Petersen
  • Karl Boyke
  • Feinen Menschen
  • Florian Huber
  • Rosa Tress

 

 

KUNST_AN_BAU
Atelier Kunstremise MIOQ | Fahltskamp 30 | 25421 Pinneberg
Sa 08.07. | So 09.07.
14:00 — 18:00 Uhr

 

MIOQ
Feine Menschen

 

*Um nicht falsch verstanden zu werden: Ich habe nichts gegen alte Leute, die Kunst besuchen. Das ist allemal besser, als einäugig in der ersten Reihe vorm Fernseher zu hocken und sich von Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen vollschleimen zu lassen. Wenn ich allerdings mehr alten Menschen begegne als auf dem Sommerfest in der Seniorenresidenz bei Heinz, dann fällt mir das Dilemma ein, dass ich nicht einen einzigen 90jährigen kenne, der sich auf die letzten Tage noch n Bild (im besten Fall sogar: junge Kunst) für ein paar tausend Euro neben den Notrufknopf nagelt. Die halten ihr Erspartes zusammen, damit es fürs Alter reicht, zum Vererben also. Dabei muss man Kunst gar nicht kaufen, um den persönlichen Besitz zu mehren, man kann sie auch verschenken und notfalls sogar direkten Verwandten einen Gefallen tun, die sich das nicht leisten können oder zu geizig sind …

Hamburger Aufstand 2017: G20 in Plakaten und Protesten

Eröffnung Regionalschau / Drostei Pinneberg

Für gewöhnlich besuche ich keine Gruppenausstellungen, wenn ich selbst mit von der Partie bin. Mir geht die Eitelkeit der Kollegen nämlich auf den Sack, die sich nur für sich selbst interessieren und es auch nie müde werden, bei unpassendsten Gelegenheiten auf ihre Urheberschaft hinzuweisen, indem sie gleich ihr ganzes erbärmliches Leben referieren. Dazu verharren sie oft stundenlang am eigenen Werk und erschrecken jeden, der aus Versehen einen Blick darauf wirft, mit ihrer pathologischen Problemen: der Kunst. Meistens vielmehr dem, was sie dafür halten.

Besonders nervig bei solchen Eröffnungen sind die Reden. Viel zu viele davon von viel zu vielen Leuten, die ihre politische Dorfprominenz, ihre Vereins- oder Amtstätigkeit oder ihre großzügige Geldspende mit der Tatsache verwechseln Ahnung zu haben von dem, zu dem sie gebeten wurden, ihren Senf dazuzugeben. Ich war also schlau genug, mir die zumeist langatmigen, inhaltsleeren Worthülsen, in denen jeder und alles kontrastfrei hervorgehoben und gelobt wird, gar nicht erst anzutun.

Diese Beschwerden sind nun keine spezielle Kritik an der Regionalschau, es sind generelle Betrachtungen, anwendbar auf alle jemals abgehaltenen und in der Zukunft stattfindenden unspezifischen Gruppenausstellungen, die vom Charakter her eher an einen Flohmarkt erinnern als an eine Kunstschau.

Das Problem solcher GroßKunstschauen lässt sich nämlich ganz einfach auf den Punkt bringen: Ganz schön viel Buntmalscheisse, noch viel mehr Kunstartiges ohne jeden eigenständigen Wert, Zeugs das man bei einiger Kenntnis der modernen Kunstgeschichte entweder als reine Affinität zu irgendwem und irgendwas entlarvt oder längst von anderen Künstlern kennt. Nur besser und sogar mit Sinn und Verstand. Manchmal frage ich mich, weshalb da überhaupt kuratiert wurde oder ob das Kuratorium wieder total besoffen war, weil das Koks nicht für alle gereicht hat.

Schwamm drüber. In der Kunst hat es grundsätzlich gar keinen Sinn, sich ins weniger Gelungene zu versteigen. Man darf getrost darauf bauen, dass mittelmäßige Kunst ohnehin scheitert, es ist also unnötig sich konkret an einzelnem Mist hochzuziehen, um der Selbstüberschätzung ganz gezielt vor’s Schienbein zu treten. Nur das Gegenteil macht echt Sinn: Man muss sich auf das Herausragende konzentrieren, denn nur dies bereichert uns, unseren Geist und letztlich die Welt. Zum Glück gibt es bei aller berechtigter Kritik in jedem noch so fragwürdigen Sammelsurium von Exponaten immer auch Großartiges zu entdecken, und so hat auch die Regionalschau einiges Sehenswerte zu bieten.

Etwa die Mariage von Ursula Dietze: Ein Kleid aus Stacheldraht. (Mariage lässt sich zwar mit Hochzeit übersetzen, gemeint ist aber keine Heirat im eigentlichen Sinne, sondern eine Zusammenfügung. So verwendet man z.B. auch in der Antiquitätenrestauration den Begriff verheiratet, wenn etwa der Fuß des einen mit der Tischplatte eines ganz anderen Tischs zu einem hübsch verkäuflichen Möbel zusammengefügt wird.)

Dieses Kleid aus Stacheldraht möchte ich dieser Tage der Polizei in Hamburg als Uniform empfehlen, denn die Polizeiwannen auf den Straßen, die bewaffneten Polizisten, denen man unvermutet sonstwo begegnet, die nervigen Hubschrauberflüge vor allem des nachts und die unendlichen Kilometer an rasiermesserscharfem Natodraht, die in der Stadt an allen Ecken und Enden verbaut wurden, verdeutlichen gar nicht genug die Behauptung von Olaf Scholz (1. Bürgermeister im Polizeistaat HH), die meisten Hamburger würden von G20 praktisch nichts mitbekommen …
(Die Mariage ist übrigens mit 800 Euro recht günstig zu haben …)

Sehenswert ist übrigens auch der Ausstellungsort selbst: Die Drostei, ein freistehender beeindruckender Barockklotz aus rotem Backstein, zur Vorderseite öffnet sich die Innenstadt, an der Rückseite ein Park. Nur selten hat man die Gelegenheit, mitten in einer Stadt so ein Gebäude zu umrunden. Denn über die Jahrhunderte wurden auch Prachtbauten gerne architektonisch eingezwängt, wahrscheinlich, um durch direkte Nähe etwas von der Strahlkraft der Nachbarschaft zu stehlen. Die Drostei ist außerdem nicht kaputtsaniert, davon zeugen die herrlich knarrenden Stufen im hölzernen Treppenhaus. Allein das ist einen Besuch wert.

 

6. Regionalschau
Aktuelle Kunst norddeutscher und dänischer Künstler
01. Juli —06. August 2017

Vernissage: Samstag | 01. Juli 2017 | 16.30 Uhr
Eintritt frei

Mittwoch — Sonntag, 11 — 17 Uhr
Eintritt: € 3,- / € 1,50 Euro
Schüler zahlen nix

Die Drostei | Dingstätte 23 | 25421 Pinneberg
 
(Die Regionalschau wandert vom 19. August —  17. September
ins dänische Haderslev und wird dort aufgeteilt auf zwei Ausstellungen
im Kunstverein und im Rathaus gezeigt.)

Ausstellung La Grande Plakastrophe

Ausstellung

am 06. Juli ab 18 Uhr

„Da haben wir den Salat: Am 7. und 8. Juli kommt die bucklige Verwandtschaft zu Besuch nach Hamburg, inkl. einer erklecklichen Menge despotischer Onkels, um an sich zu raffen, was wir laut Volksmund nur von unseren Kindern geliehen haben: Die Erde.

Da wir von Natur aus zu blass und schmächtig sind, um Sachen ins Büffet zu schmeißen, greifen wir gemeinsam zu den Waffen, die wir am besten beherrschen: Unsere Ideen. Und Photoshop. Oder Pinsel. Egal wie.

Wir riefen Designer, Illustratoren und Texter auf: „Gestaltet eure Forderung an die Mächtigen, euer trotziges Aufstampfen oder euer empörtes Jetztaber – als Plakat!“

Rund 100 Plakate zum G20-Gipfel in Hamburg sind in unserer Propaganda-Zentrale eingegangen. Die gibt es am 6. Juli bei uns zu sehen.

Schaut euch die eingereichten Plakate in all ihrer Pracht an und lobt sie tüchtig! Kommt auf die Ausstellung „La Grande Plakastrophe“ bei uns in den Räumen im Schanzenviertel, nur wenige hundert Meter Luftlinie vom G20-Veranstaltungsort entfernt.“ (giraffentoast)


Eingereichte Plakate unter anderem von:

  • Tommy Jürgens
  • Hannes Mussbach
  • Bastian Seever
  • Ole Taschenbier
  • SPÄM
  • Carsten Schmidt
  • Moki
  • Remo Pohl
  • Marc Lehmann
  • Andreas Müller
  • Heiko Krützmann
  • Mathias Weinert
  • Luca Hinrichs
  • Peter Kraus
  • Philip Jones
  • Anna Ziegler
  • Anna Belle Jöns
  • Carsten Hardt
  • Christopher Glass
  • israelsabine
  • Till Kraschutzki
  • Andreas Hain
  • Elisabeth Maria Erdel
  • Iven Einszehn
  • Jens Uwe Meyer
  • Paula Partzsch

 

 

Ausstellung
„La Grande Plakastrophe“
Donnerstag | 6. Juli 2017
18:00 — 23:00 Uhr

giraffentoast design gmbh
Kleiner Schäferkamp 28
20357 Hamburg

Der Eintritt ist frei. Die Getränke sind kalt.
Die Begleitung ist willkommen.

giraffentoast
La Grande Plakastrophe auf facebook
instagram

G20: Unhappy Meeting

Der G20-Witz

Es ist ja in den letzten Tagen kreuz und quer durch die Presse gegangen: Zu G20 soll Diktator Erdogan seine Prügel-Leibwächter zu Hause lassen. Wohlgemerkt: nicht alle, nur jene, die bereits per Haftbefehl gesucht werden.

(snapshot: stern.de)

Mancher denkt vielleicht, indem so eine öffentliche Note in Richtung Ankara Mittelalter gesendet wird, wäre das ein sehr deutliches Signal, da beweise der Staat endlich mal Haltung, gar Courage. Großartig. Klasse. Solche Gewalttäter wollen wir hier nicht, und das machen wir mal unmissverständlich klar. Endlich mal klare Kante gegen die Türkei.

In Wahrheit ist das bloß ein schlechter Witz.

Denn es besteht ein Auslieferungsabkommen mit den USA. Spätestens wenn die USA darauf drängen, müssten die türkischen Schläger, gegen die in den USA Haftbefehle bestehen, in Deutschland festgenommen und an die USA ausgeliefert werden. In Wahrheit knickt Deutschland hier also einmal mehr gegen das Unterdrücker-Regime Erdogans ein, indem diplomatisch der Platz zwischen den Stühlen breitgesessen wird.

So hat man nicht wirklich was falsch gemacht — bloß das Richtige mal wieder unterlassen.

Sportlich könnte man auch sagen: Deutschland hat keine Lust auf erneute Nazi-Ausraster und Hass-Tiraden des Diktators, in denen er sich an Dummheit stets selbst überbietet, das will man sich nicht schon wieder antun und offiziell unkommentiert kommentieren, da gibts schon viel zuviel zu ignorieren in den deutsch-türkischen Beziehungen, die krampfhaft aufrecht erhalten werden, wie der imitierte Kopfschmerz, um sich den schlechten Sex in einer routinierten Ehe zu ersparen …

 

"Alexa, was heisst verdorrter Hoden auf türkisch?"

"Verdorrter Hoden auf türkisch heisst fünf Jahre Straflager."

 

G20: Unhappy Meeting

Die Vorbereitung auf den G20-Gipfel in Hamburg ist vor allem eine Liste von Horrormeldungen. Deshalb planen angeblich bereits 30% der Hamburger Anfang Juli ein langes Wochenende in öden Gegenden.

Iven Einszehn: „Unhappy Meeting“ Plakatentwurf für La Grande Plakastrophe /
Aktion der Agentur giraffentoast, um Hamburg zu G20 mit Protesten vollzubomben

 

Der G20-Knast auf dem Gelände eines ehemaligen Baumarktes in Harburg ist längst vorbereitet, um dort anlässlich des Großereignisses 500 Gefangene unterzubringen. Die erschreckende Kapazität von 500 Menschen dürfte nur die halbe Wahrheit verraten. Denn die von Schnellgerichten direkt vor Ort Abgeurteilten werden unverzüglich auf andere Gefängnisse verteilt werden, um Platz zu schaffen, um frisch von den Plätzen gesammelte Demonstranten einzusperren und abzuurteilen. Damit das wunschgemäß klappt, soll für die bis zu 150000 in Hamburg erwarteten Demonstranten eine Demoverbotszone eingerichtet werden, die den gesamten Kernbereich der Stadt umfasst – fast 40 Quadratkilometer groß, vom Flughafen im Norden, bis zur Elbe im Süden, von Osdorf im Westen bis St. Georg im Osten! In dieser riesigen Verbotszone muss man nicht wirklich was falsch machen, um verhaftet zu werden. Es reicht das falsche Aussehen, es reicht eine Fresse, die einem Polizisten nicht gefällt: Insbesondere Polizisten besitzen nämlich die hellseherische Fähigkeit, Gesinnung von außen zu erkennen. (Diese herausragende Eigenschaft wird zur Entlarvung von Nazis und Pädophilen übrigens niemals angewendet!)

Souvenir, geklaut am G20-Knast in Harburg
Absurderweise wurde dort der mit Natodraht gesichterte Massivzaun mit läppischen Absperrbändern gesichert, sichere Sache, das …

 

Und machen wir uns bloß nichts vor: Selbst wenn Gerichte zur Wahrung der Grundrechte diese Verbotszone einkassieren, sind Polizeiaufgebote in Hamburg in den vergangenen zwanzig Jahren nicht durch eklatante Rechtstreue aufgefallen.

Das eigentliche Problem sind aber gar nicht die Demonstranten, es sind die Staatschefs. So konnten wir bereits in der Zeitung lesen, dass die Personenschützer von Trump Demonstranten erschießen werden, sobald der Konvoi des Präsidenten durch eine Sitzblockade zum Stehen gebracht wird. Denn ein Stillstand der Präsidentenlimousine wird als Angriff gewertet und zur Verteidigung des trumpen Trottels wird nicht lang gefackelt, da sind alle Mittel Recht. Ok, den Amis wurde der Wermutstropfen nachgeschenkt, dass amerikanische Verhältnisse so in Deutschland noch nicht erlaubt sind, mit ’ner Kugel im Kopf (Verzeihung: im Rücken, amerikanische Verhältnisse) hat man davon allerdings wenig …

Nachdem Nobelhotels Charakter gezeigt und eine Unterbringung Trumps abgelehnt haben, kommt er nun im Gästehaus des Senats unter. Zu diesem Zweck werden eigens mitgebrachte Kriegsdrohnen über Hamburg kreisen, die aus fünf Kilometern Höhe jedes Gesicht identifizieren können, wie es heißt. Wozu das nötig ist, wird uns nicht verraten. Was diese Drohnen sonst noch leisten können, auch nicht.

Um andere Vollverrückte aus Unterdrückerstaaten und Diktaturen, wie etwa China, Russland und der Türkei, ist es im Vorfeld des Weltgipfels der Größenwahnsinnigen 20 erstaunlich still. Dabei müssen wir uns wegen denen ganz besonders Sorgen machen. Denn eine besondere Gefahr für unsere demokratischen Grundrechte geht vom Tross der jeweils bis zu 600 Mitarbeiter aus, die etwa Putin und Erdogan begleiten. In der Hauptsache handverlesene, linientreue Idioten, die immer wieder auffallen, weil sie gewalttätige Arschlöcher sind, die Demonstranten verprügeln oder Journalisten auf’s Maul hauen, wenn die eine unbequeme Frage stellen.

Hamburger Innenbehörde und Polizeiapparat versorgen uns zwar fast täglich mit gewaltbereiten Extremisten, die zu tausenden nach Hamburg kommen werden, um hier Anschläge zu verüben. Von der Kehrseite erfahren wir nichts: Neben dem Tross gehirngewaschener Schafe, die jeden Staatschef begleiten, wäre es mal interessant zu erfahren, wie viele Sicherheitsleute, Spitzel und Kollaborateure bereits seit Wochen nach Hamburg eingeschleust wurden, um Dissidenten einzuschüchtern, um Kritiker mundtot zu machen, um Presse und öffentliche Meinung zu manipulieren. Kurzgesagt, um die Lage zu sondieren.

Und die Lage meint: Uns.

Uns, die wir nicht einverstanden sind mit dem politischen Affenzirkus, bei dem die eigentlichen Feinde stets die eigenen Völker sind. Diesen Gipfel mitten in einer Millionenstadt abzuziehen, ist nicht nur der Gipfel, bei dem hunderte von Millionen Euro verbrannt werden. Das hat vor allem den einen Sinn, dem Volk durch Unterdrückung klarzumachen, wer die Macht im Staat hat. Auf einem Flugzeugträger könnte man so einen Gipfel elegant ohne großartige Sicherheitsprobleme über die Bühne bringen – man würde aber nie herausfinden, wer auf welcher Seite steht. Denn letztlich kann man die Gesinnung eines Menschen eben doch nicht von außen erkennen. Hier soll mitten in Hamburg die Niederschlagung sozialer Kämpfe der Zukunft geübt werden!

Lasst euch nicht einschüchtern!

Geht am 06., am 07. und am 08. Juli auf die Straße!

Tut euch mit anderen zusammen. Bildet Banden. Blockiert jede Kreuzung der Innenstadt.

Wir sehen uns!

 

Die Aktionen und Kampagnen zu den vielfältigen Protesten gegen G20
sind seit Wochen sehr unübersichtlich,
einen ganz guten Überblick verschaffen die Seiten

No G20 2017

G20 Demo

G20 Protest

 

Die Plakataktion La Grande Plakastrope von giraffentoast
läuft noch bis zum 19. Juni. Noch ein paar Tage Zeit also,
ein Plakat zurechzufummeln und einzureichen.
Die 20 stärksten Motive werden gedruckt
und in Hamburg an die Wände geballert.

 

(Du hast es bemerkt: Bei meinem Entwurf „Unhappy Meeting“ handelt es sich um ein Zitat nach dem Song „Unhappy Birthday“ von The Smiths.)