Triptychon soll heißen: Der Titel für Montag

Triptychon mit Montags- bis Sonntagstitel

der Montagstitel lautet:

„Dreierkette“

Iven Einszehn: „Dreierkette“

Acryllack, Ausziehtusche, Collé von Faltung und Falten und Ritzungen auf Leinwand / auf Papape auf lackiertem, mit Graphit poliertem Sperrholz

H 54 x B 120 cm


linke Tafel: „Linksaußen“

mittlere Tafel: „Sturm“

 

rechte Tafel: „Rechtsaußen“


(vergleiche zur Einführung und zum Hirnabgleich das: Triptychon soll heißen)


Die Titel hat Kerstin nach Hamburg gekickt:

 

Kerstin. Kerstin lebt. Seit sie neulich Mutter geworden ist, ist das aber vorbei.

Am 11. Mai ist sie von Magdeburg nach Buckau umgezogen. Diese Information mag redundant erscheinen, sie macht aber deutlich, dass es in Ostdeutschland nicht nur gescheiterte Existenzen gibt, sondern in begründeten Einzelfällen biografische Weiterentwicklungen durchaus möglich sind. Kinder machen ist hierfür nicht unbedingt das Werkzeug erster Wahl, es ginge auch mit Bildung. Diese Idee hat sich insbesondere bei der ostdeutschen Jugend noch nicht so gut durchgesetzt, wie man im Straßenbild selbst in Buckau an den Proletengrundausstattungen gut erkennen kann. Proletengrundausstattung? Jogginganzug!

Besser bekannt ist Kerstin als Kerstin Rotkleid, denn Signalfarben stehen ihr gut. Manchmal zu gut, so dass es in der benachbarten Karl-Schmidt-Straße zu unkontrollierten Penetrationswünschen kommt. (Du weißt schon, wen ich meine, holle.)

Zum Glück weiß Kerstin sich zu wehren, denn sie macht Seife. Nicht nur Nein heißt Nein, auch Seife heißt Nein. Denn Seife ist nicht bloß zum Waschen da, Seife kann Höheres. Für die Kunst macht Kerstin kubikmetergroße Seifenklötze hinter Stacheldraht* oder ganze Badewannen aus purer Seife.

Besonders gelungen ist ihre Männerseife, schwarze Klötze, die voll dreckig daherkommen, sodass die Waschkraft zunächst unter Beweis gestellt werden muss, ehe jemand so ein Stück purer Männlichkeit kauft. Dabei weiß doch jedes Kind: Seife wird aus Dreck gemacht.

Prompt hab ich Kerstin eine Idee aufgedrängt. Das Drecksstück nämlich. Die Männerseife ist ein schwarzes Drecksstück, und Männer sind Drecksstücke, das merken viele Frauen spätestens, sobald sie Mutter werden – also leider oft zu spät.

Eine Männerseife soll Drecksstück heißen. Schreib Drecksstück auf die Seife. Mit so einem Drecksstück müsste man sich nicht auf Märkten plagen, um zwölfeurofünfzig einzunehmen, das könnte man in jeder Drogerie, Parfümerie, Tankstelle, Boutique, Sexshop verkaufen! Ein Kassenschlager kann das sein, soll das sein, ist von mir. Dafür danke ich mir. Ich bin Iven. Ich hab ja Zeit. Für sowas.

* Ok, ich gebs zu, es war bloß Kaninchendraht. Wenn man den aber korrigiert und das Werk vollendet und Stacheldraht nimmt, so richtig fiesen Natodraht mit rasiermesserscharfen Klingen, dann wird der Seifenklotz von drecksvervotzten Ausstellungsbesuchern eben nicht zerpflückt und geplündert.


Liste unterschlagener Sachverhalte:

Im Internet kommt Kerstin praktisch nicht vor. Ihre Existenz lässt sich somit kaum beweisen. Zum Beweis habe ich soeben versucht, sie anzurufen. Sie geht nicht ran. Womit bewiesen wäre, was zu beweisen ist, bzw. bewiesen ist, dass ihr Leben vorbei ist, seit das so is. Aber daran konnte nie ein Zweifel bestehen. Ich schreib doch keinen Quatsch!

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Morphologische Platte

In Bezug auf die Kunst fehlen manchem manchmal nicht bloß die Worte – es fehlen sogar welche, auch wenn sie manchmal sehr naheliegend sind und hilfreich wären, eine Technik (bzw. einen kunsttechnischen Sachverhalt) exakt zu benennen.

So gibt es für ein zweiteiliges Werk zwar den Begriff Diptychon und für ein dreiteiliges Triptychon, zu einem vierteiligen Werk hingegen hat die Kunstgeschichte nichts Fachliches zu sagen: Obwohl seit Jahrhunderten so gern die vier Jahreszeiten gemalt werden, ist das Quadrichon unbekannt.

Das Gegenstück zur Collage ist die Decollage. Hier wird also nicht aufeinander geklebt, sondern aufeinander Geklebtes abgetragen.

Für die dreidimensionale Collage, die Materialcollage, benutzen wir den Begriff Assemblage. Trägt ein Künstler im Dreidimensionalen aber Material ab, steht ihm die Deassemblage als Einordnung nicht zur Verfügung.

Er hat dann bloß ein Relief – obwohl das falsch ist.

Aber sowas von.

Ein Relief wird nämlich aufgebaut, selbst dann, wenn der Aufbau im Abtragen von Material besteht. Ein Relief ist eine grundsätzlich konstruktive Sache, die „Morphologische Platte“ ist das Gegenteil, sie ist dekonstruktiv, höchstens ein Antirelief (eigentlich auch ein hübsches Wort*):

Iven Einszehn: "Morphologische Platte"
Deassemblage
Acryllack und Graphitpolitur auf Sperrholz
H 49,5 x B 38,5 cm

 

(*Leider könnte das Antirelief genauso gut für eine negativ geschnittene Form stehen, weshalb ich dieses Wort sofort nach seiner Erfindung wegen Missverständlichkeit wieder abschaffe.)

 

& noch mehr Faltungen …

Iven Einszehn: „ohne Titel“
Ausziehtusche, Collé von Faltung und Falten und Ritzungen
auf Leinwand (Malpappe)
auf lackiertem, mit Graphit poliertem Sperrholz

H 43 x B 37 cm

 

Iven Einszehn: „ohne Titel“
Ausziehtusche, Collé von Faltung und Falten und Ritzungen
auf Leinwand (Malpappe)
auf lackiertem, mit Graphit poliertem Sperrholz

H 43 x B 37 cm

 

Iven Einszehn: „ohne Titel“
Ausziehtusche, Collé von Faltung und Falten und Ritzungen
auf Leinwand (Malpappe)
auf lackiertem, mit Graphit poliertem Sperrholz

H 43 x B 37 cm