Ziegenficken

In der Kunstbetrachtung wird immer wieder derselbe Fehler begangen: Einzelteile werden aus dem Zusammenhang gerissen und deshalb wenig bis gar nicht verstanden. Das ist dumm. Entscheidend ist immer der Kontext – ihn wegzulassen führt grundsätzlich zu Fehlschlüssen.

Besonders dumme Fehlschlüsse hat sich das Landgericht Hamburg geleistet, indem es das Schmähgedicht von Böhmermann einerseits als Satire anerkennt, andererseits und gleichzeitig die Wiederholung bestimmter Textpassagen aus genau dieser Satire durch Böhmermann verbietet. Das ist in etwa so, als würde geurteilt: Eigentlich sind Sie ja unschuldig, aber wir hängen Sie mal lieber auf.

Böhmermann darf nicht mehr verbreiten, Erdogan sei ein Ziegenficker. Wenn Böhmermann behauptet, Erdogan sei ein Ziegenficker, kostet ihn das bis zu 250000 Euro. Kann sein, das Zitatrecht wird demnächst auch noch ausgehebelt, weil es Typen wie mich gibt, die sich das Denken nicht verbieten lassen.

Es sei dahingestellt, ob das Landgericht in der Behauptung, Erdogan sei ein Ziegenficker, lediglich eine anatolische Sexualpraktik gesehen oder darin eine überzogene Metapher an Kulturlosigkeit erkannt hat. Im ersten Fall hätte das Gericht den Wahrheitsgehalt der Aussage prüfen müssen (was garantiert nicht geschehen ist), um die Ziegenfickerei als Lüge, als ehrverletzend und Beleidigung zu enttarnen. Im anderen Fall hätte dieses Gericht schlicht und ergreifend nichts begriffen und ein Urteil auf Geschmack gefällt, ein Geschmacksurteil, weil eine Formulierung nicht gefällt.

Über Geschmack soll hier nicht debattiert werden; ich selbst werde auch nicht verraten, wie geistreich oder gelungen ich das Schmähgedicht von Böhmermann finde. Ich gehöre übrigens zu den wenigen Glückspilzen, die die Ausstrahlung im Neo-Magazin Royale miterleben durften, direkt und unzensiert, ehe dem ZDF aufgefallen ist, dass es unter ganz besonders tollen Qualitätsansprüchen leidet (Rosamunde Pilcher, Helene Fischer), die eine unverzügliche Zensur des Schmähgedichts in der Mediathek erforderlich machten.

Soviel will ich dennoch zu meiner Haltung verraten: Wäre ich Richter, hätte ich Böhmermann höchstens wegen Beleidigung der Ziegen verurteilt.

Ich wäre aber nicht ich, würde ich der unsinnigen Detailfickerei nicht eins draufsetzen. Ich wünsche alle einen geistreichen Orgasmus:

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Iven Einszehn: „Arbeitsaufgabe“

Kleine Überforderung zur Lage der Nation

Letztes Jahr im Dezember habe ich die nachfolgende Stegreifsatire unter einen Schnippsel geschrieben.

Als ich mich eben daran erinnert habe, fiel mir auf, wie variantenreich, perfide und hintervotzig Argumente zu vermeintlichen Ausländerproblematiken an den Haaren herbei gezogen und ausgetauscht werden. Mal abgesehen davon, wie hochnotdumm die in der Regel sind.

Wenn euch im Fernsehen mal wieder Pegida-Anhänger, AfD-Konsorten, Neonazis oder sonstige Idioten irgendeiner Volksverwirrung im O-Ton vorgeführt werden, achtet mal bei deren Gestammel ihrer eigenen Meinung darauf, dass sie so gut wie niemals eine haben. Die plärren nur hirnlosen Krempel anderer nach, den sie kaum in vollständigen Sätzen aufzusagen wissen …

Und die haben alle Wahlrecht!

Das #Nazifizierungseinführungsgesetz (euphemistisch als Asylbeschleunigungsgesetz propagiert) wurde im Hauruckverfahren durchgezogen und eingeführt. Damit landen die humanistischen Grundwerte unseres Staates auf dem Müllhaufen der Geschichte.

Was wir stattdessen dringend bräuchten wäre ein Volksbildungszwangsgesetz!

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