Großdemo Seebrücke in Hamburg am 02. September 2018

Zur gestrigen Demo Seebrücke in Hamburg waren über 16000 Menschen auf den Straßen. Einen Teil der vielfältigen Forderungen und Statements an Politik und Gesellschaft dokumentiere ich hier …

… schade, übrigens, dass Du nicht dabei warst, Du Arschloch.

Damit meine ich im Speziellen jeden Schwulen, den ich persönlich kenne.

Seit Jahr und Tag frage ich mich, weshalb euch die Welt sowas von scheißegal ist, daß ich niemals auch nur einem von euch auf einer antirassistischen oder antifaschistischen Demo begegne …?!

 


Info Seebrücke:

Wir bauen eine Brücke zu sicheren Häfen.

Menschen auf dem Mittelmeer sterben zu lassen, um die Abschottung Europas weiter voranzubringen und politische Machtkämpfe auszutragen, ist unerträglich und spricht gegen jegliche Humanität. Migration ist und war schon immer Teil unserer Gesellschaft! Statt dass die Grenzen dicht gemacht werden, brauchen wir ein offenes Europa, solidarische Städte und sichere Häfen.

Die SEEBRÜCKE ist eine internationale Bewegung, getragen von verschiedenen Bündnissen und Akteur*innen der Zivilgesellschaft. Wir solidarisieren uns mit allen Menschen auf der Flucht und erwarten von der deutschen und europäischen Politik sofort sichere Fluchtwege, eine Entkriminalisierung der Seenotrettung und eine menschenwürdige Aufnahme der Menschen, die fliehen mussten oder noch auf der Flucht sind – kurz: Weg von Abschiebung und Abschottung und hin zu Bewegungsfreiheit für alle Menschen.

Seebrücke läd ausdrücklich jeden dazu ein, eine eigene Aktion zu starten! (s. homepage)

Seebrücke e.V.
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Kleine Überforderung zur Lage der Nation

Letztes Jahr im Dezember habe ich die nachfolgende Stegreifsatire unter einen Schnippsel geschrieben.

Als ich mich eben daran erinnert habe, fiel mir auf, wie variantenreich, perfide und hintervotzig Argumente zu vermeintlichen Ausländerproblematiken an den Haaren herbei gezogen und ausgetauscht werden. Mal abgesehen davon, wie hochnotdumm die in der Regel sind.

Wenn euch im Fernsehen mal wieder Pegida-Anhänger, AfD-Konsorten, Neonazis oder sonstige Idioten irgendeiner Volksverwirrung im O-Ton vorgeführt werden, achtet mal bei deren Gestammel ihrer eigenen Meinung darauf, dass sie so gut wie niemals eine haben. Die plärren nur hirnlosen Krempel anderer nach, den sie kaum in vollständigen Sätzen aufzusagen wissen …

Und die haben alle Wahlrecht!

Das #Nazifizierungseinführungsgesetz (euphemistisch als Asylbeschleunigungsgesetz propagiert) wurde im Hauruckverfahren durchgezogen und eingeführt. Damit landen die humanistischen Grundwerte unseres Staates auf dem Müllhaufen der Geschichte.

Was wir stattdessen dringend bräuchten wäre ein Volksbildungszwangsgesetz!

Der_Schallplatte-01-webDer_Schallplatte-02-web

 

Die Stadt, Dein Müll & Ich

Alle Welt regt sich darüber auf, dass und wenn sich der Müll in hässlichen Ecken auftürmt. Die Boulevardpresse nimmt sich solcher Angelegenheiten gerne an, ist halt nicht so anstrengend, sich über sowas den Kopf zu zerbrechen. Nennenswerte Berichte zu Politik, Rassismus, Ausbeutung, Flucht und Vertreibung, gar den Mangel an Humanismus sind deren Zeitungslesern kaum zuzumuten, schon gar nicht auf einer differenzierten, klugen, gar kritischen Ebene, die das Bewußtsein schärfen und damit eine Bewußtseinsschärfung fördern würde.
Die Mopo betreibt seit einiger Zeit unter dem Aufruf „Stoppt die Müllferkel“ eine interaktive Denunziationskampagne. Da kann der brave Bürger Hamburgs Schmuddelecken fotografieren und auf der Karte eintragen. Denn wenn es etwas zu kritisieren gibt, dann hier, am Fehlverhalten der Bevölkerung. Das sieht jeder ein, und keiner findet das gut, was da los ist in der Stadt, da besteht Handlungsbedarf und zwar unverzüglich.
Snapshot_Denunziation-Mopo-de
Beispielhafte Denunziation einer Schmuddelecke auf mopo.de
Kleiner Tipp: Wer sich die Kosten für die Sperrmüllabholung sparen möchte, klumpt seinen Kram hinters Haus, macht n Foto, läd das hoch und mit ein wenig Glück sorgt die Saubermopo dafür, dass da mal so richtig aufgeräumt wird. Keine Sorge, liebe Müllabfuhr, euer Geschäftsmodell ist nicht in Gefahr, niemals würde die niedere Presse der naheliegenden Idee verfallen, die Sperrmüllabholung sollte kostenlos sein, doch nicht um Lösungsansätze für Probleme auf einfachster Ebene zu entwickeln.
Und noch ein Tipp: Lässt sich die Kampagne nicht erweitern? Ich kenne so viele Leute, die die Treppe nicht regelmäßig putzen. Mich selbst z.B. Letzen Herbst hab ich das mal gemacht, das ist so schön geworden, da zehre ich heute noch von. Foto hochladen, Adresse bekanntgeben.
Wie man schon hier sieht, sehe ich die Sache natürlich ganz anders – das war ja wieder mal klar. Ich bin ja sowas von anti-gegen-un-dafür, im Mittelalter hätten sie mich sofort verbrannt, weil ich dauernd komische Vorstellungen habe.
Es ist nämlich so: Vermüllte Orte sind mir nicht nur Materialquellen, sondern auch Orte der Inspiration. Bei meinen regelmäßigen Erntetouren in und auf pleite gegangenen Bauvorhaben, in Industriegebieten und auf Ödflächen, die hier und da mitten in der Stadt rumlungern wie aus einem Paralleluniversum teleportiert und ganz besonders in den letzten Ecken im Hafen, befinde ich mich stets im Schlaraffenland. Es ist sensationell, was die Leute so alles in die Elbe schmeißen, herrliches Arbeitsmaterial, das sich von den Gezeiten in den Uberbefestigungen verfängt und nur auf mich wartet und von den Zeiten, die es auf mich wartet eine einzigartige Oberflächenmorphologie entwickelt hat.
Ich bin deswegen total dafür, dass die Idiotie niemals ausstirbt. Bleibt alle totale Vollpfosten und schmeißt euren Krempel in die Gegend. Wenn irgendwo was liegt, tut was dazu. Ihr habt ja nicht angefangen damit und seid höchstens halb Schuld. Bleibt so asozial, die paar Meter zur Mülltonne nicht mehr zu finden, nur weil vorm Haus ein Baugerüst steht.
Asozial ist es übrigens auch, wie häufig ich mich mit der Polizei plagen darf, weil ich es wage, im Müll zu wühlen! Dabei ist es mit mir ganz einfach: Wenn ich eine Ödfläche betrete, und das tue ich selbstverständlich auch angenagelten, voll vernagelten Verboten zum Trotz, ist es dort anschließend immer etwas sauberer. Fündig werde ich immer, und wenn es nur ein rostiger Nagel ist.

Zum Schluss mein Dank direkt an dich:

Als Hamburger Oberexperte was letzte Ecken angeht, hab ich neulich in der Hafencity deinen ziemlich verwitterten Haufen alter Zwischenwände entdeckt und einen Großteil der verwertbaren Pappfüllungen geborgen. Ich danke dir für das tolle Zeug. Ich hab schon was draus gemacht – und einige der Werke letztes Wochenende zurück an ihren Geburtsort getragen, um sie dort zu fotografieren:

Mail_Sitzend-001
Iven Einszehn: Hafencitiyviecher 1
Mail_Stehend-005
Iven Einszehn: Hafencityviecher 2
Mail_Stehend-und-Sitzend-001
Iven Einszehn: Hafencityviecher 1 + 2
Mail_Wachhund-Wurm-004
Iven Einszehn: Hafencityviecher 3,
in Wahrheit: „Wachhund“
(in Privatbesitz)