Ozean

Scheuermilch.

Bereits der vierte oder fünfte Einkauf und es gibt keine Scheuermilch. Ist die denn immer ausverkauft? Ist Scheuermilch plötzlich hoch begehrt? Oder bestellen die alles immer fix nach, Scheuermilch aber nicht? Schon frag ich mich, ob ich ein EU-Verbot nicht mitbekommen habe.

Die EU hat Plastikstrohhalme verboten und Plastikgeschirr, um die Müllflut einzudämmen. In Hamburg an der Elbe liegen tonnenweise angeschwemmte Plastikflaschen, da hilft ein radikales Verbot von Strohhalmen ungemein, das leuchtet jedem ein!

Keine Scheuermilch.

Ich benutze keine unnötigen Chemieklopper. Allzweckreiniger, Essig, Scheuermilch, mehr braucht es nicht. Scheuermilch gibt es nicht. Schon fühle ich Mangel, wie er in der DDR an der Tagesordnung war, in Bezug auf irgendwas. Sollte es eines Tages wieder Scheuermilch geben, werde ich eine ganze Kiste kaufen. Ich werde mich reich und beliebt fühlen, denn ich habe dann Scheuermilch für die nächsten zehn Jahre.

Notweise kaufe ich eine Flasche WC-Reiniger. Duftnote: Ozean. Diesen Duft würde ich gerne beschreiben. Ich habe zwar an den Ozeanen nie gerochen, eins weiß ich aber definitiv: Ein Ozean riecht so nicht. Würde ich am Rande eines Ozeans diesen Duft vernehmen, ich würde das nicht genießen, gar Erholung verspüren, ich würde eine Katastrophe wittern. Ich würde Ausschau halten nach einem in der Nähe havarierten Tanker, der eine komplette Ladung WC-Reiniger ins Meer gekotzt hat. Ozeane riechen nämlich nicht weiter, jedenfalls nicht besonders, schon gar nicht penetrant. Außer, die Fische sind tot. Diese sachlich korrekte Note ist im Ozeanduft des WC-Reinigers aber nicht enthalten. (Beim Begriff Ozean habe ich bislang ja zuerst an Plastikabfälle gedacht. Jetzt mischt sich der Gedanke mit dem Gestank des WC-Reinigers. Als artverwandte Komponente passt das allerdings!)

Der Beklopptenkapitalismus funktioniert auch hier ganz prima. Mit der Erfindung von Düften, die es überhaupt nicht gibt, haben wir uns abzufinden, um nicht zu sagen: abgefunden. Jedenfalls wehrt sich niemand, obwohl es nicht bloß kleine Verbrauchertäuschungen sind – es sind glatte Lügen.

Was unsere Sinne angeht, lassen wir uns wohl gern belügen. Vor längerer Zeit ist mir in einer Fernsehwerbung eine neuartige Geschmacksrichtung aufgestoßen. Irgendwas schmeckte da ernsthaft knisprig. Hä? Das ist dann ein Geschmack von faserplattenartiger Konsistenz mit Glassplittern drin, oder wie? Ganz toll.

 

Wie schmecken eigentlich Glassplitter?

Welchen Geruch hat Glas?

Duftnote: Glas? Wär das was?

Ist Glas nicht in Wahrheit ein Gefühl, das man ins Gespül fürs Geschirr mixen sollte? Also, ich spürs ganz deutlich.

 

Duftnote: WhattsApp. Duftnote: Internet.

Duftnote: Liebe – gegen Duftnote: Triebe.

 

Duftnote: Freiheit.

Duftnote: Sicherheit.

 

Duftnote: Universal.

Duftnote: Total.

Duftnote: Egal.

 

Zu befürchten ist allerdings die Duftnote vegan. Ich kenne persönlich bis zu fünf Menschen, die das sofort kaufen würden und keine Zweifel hätten, deswegen bessere Menschen zu sein …

eine gekürzte Fassung ist in der jungen Welt vom 26.02.19 erschienen

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Triptychon soll heißen: Der Titel für Dienstag

Triptychon mit Montags- bis Sonntagstitel

der Dienstagstitel lautet:

„Kundenzufriedenheitstraining“

Iven Einszehn: „Kundenzufriedenheitstraining“

Acryllack, Ausziehtusche, Collé von Faltung und Falten und Ritzungen auf Leinwand / auf Pappe / auf lackiertem, mit Graphit poliertem Sperrholz

H 54 x B 120 cm


linke Tafel: „Kunde“

mittlere Tafel: „Trainiert“

rechte Tafel: „Zufriedenheit“


(vergleiche zur Einführung und zum Hirnabgleich das: Triptychon soll heißen

und hier: Der Montagstitel)


Die Titel hat Daniel Ableev erfunden:

Daniel Ableev hat verschiedene Stiken studiert. U.a. Anglistik, die japanische Heilkunst, Fische zu töten und Jurakomparatistik, die Kunde jeden und alles vollkommen sinnfrei in Grund und Boden zu paraphrasieren.

Ableev lebt als Seltsamkeitsforscher in Bonn.

Bonn ist eine Stadt im Nirgendwo der deutschen Geschichte, in der nur Zurückgebliebene wohnen, seit die Hauptstadt in Richtung DDR verschoben, aber rechtzeitig in Berlin angehalten wurde, um dort bis zum nächsten Weltkrieg zu verharren. Ein Stückchen weiter rechts und es wäre mit Deutschland ganz schlimm gekommen. Dort befindet sich Polen, eine Gegend, die ganz krass unter Günter Grass zu leiden hat und die Ableev im Blute trägt, denn seine Erstgeburt wurde in Nowosibirsk vollzogen. Das ist ja dasselbe, nur auf Russisch. Zum Beweis vergleichen wir Polen und Nowosibirsk, und wir kennen keine Unterschiede. Zum Beweis könnte ich selbstverständlich russische Grassübersetzungen anführen, ich denke aber nicht dran, denn den verschissenen Nobelpreisträger lese ich höchstens auf dem Klo, und Toiletten gibt’s da gar nicht. Das lässt sich mit jedem beliebigen Nachschlagewerk überprüfen: In keinem steht nix, aber ganix über russische Toiletten. In täglichen Nachschlagewerken (früher Zeitung, heute Internet, also facebook) hingegen, lesen wir dauernd über Putin, genauer gesagt: darüber, wie er den Westen bescheißt. Täglich also der volle Griff ins Klo. Womit der Beweis steht.

Als Meister der Entgleisung ist Ableev Mitherausgeber des Literatur- und Kunstkompendiums Experimentelle Texte, im Volksmund  Die Nowelle – Zeitschrift für Experimentelles  genannt, dem die CD für Extrapremenstruelles folgen wird und jüngst die Novelle – Library of Excrementalism gefolgt ist. Als erster Titel ist hier „The King in Yellow“ von Robert W. Chambers erschienen.

Neben zahnlosen Veröffentlichungen, die nicht mehr lieferbar sind oder nie ausgeliefert wurden, weil kein Mensch sie lesen wollte, was Ableev durch Honorarabrechnungen belegen kann, legte Ableev zuletzt nach fünfzehnjähriger Arbeit seine extrem schlechte Mammutdichtung Las Dabs vor, von der er dringend abrät und zwar in folgenden Sprachen:

Las Dabs Schlimme Prosa Gedichte

Las Dabs dårlig prosadigte (Danish Edition)

Las dabs rimi goffe prosa (Corsican Edition)

Las Dabs poemes en prosa dolenta (Catalan Edition)

Las Dabs slechte proza gedichten (Nederlands Edition)

Las Dabs bad proaza gedichten (Eastern_frisian Edition)

Las Dabs txarra prosa poemak (Basque Edition)

Las dabs dårlig prosa dikt (Norwegian_bokmal Edition)

 Las Dabs droch rosg bàrdachd (Scots_gaelic Edition)

 Las dabs slæmt prósaljóð (Icelandic Edition)

 Las Dabs Obnoxious Prose Poems (English Edition)

 Las Dabs slegte prosa gedigte (Afrikaans Edition)

Restliche Weltsprachen, ausgestorbene Sprachen, Kunstsprachen und Dialekte sind in Vorbereitung. Das Altdeutsche Hörbuch, gesprochen in feinstem Sütterlin (faschistische Bertelsmannprachtausgabe für Frauke Petry und ihre blutsverwandten Altnazis) folgt in Bälde. Das Hörbuch in ägyptischer Sprachanamnese in Hyroglyph darf als ein Meisterwerk der Meißelkunst mit Spannung erwartet werden, das nicht nur Steinmetzen die wohlverdiente Feierabendruhe versauen wird. Nicht zuletzt sei auf die Erdogan-Edition in Mimimi hingewiesen. Man darf schon jetzt neidisch auf Ableev sein, vom Türkischen Präsidenten verklagt zu werden (wegen dies, das, irgendwas und alles, sabber, maul, beschwer) – andere Künstler und Autoren beleidigen den Polittrottel nämlich ständig und kommen trotzdem zu nix. Hashtag: #HomorloseKackbratze ©Dies Area

Hätte ich das Manuskript, würde ich eine Übersetzung in Król beisteuern.

Sucht man bei Amazon nach Daniel Ableev, findet man in der Trefferliste auch die

Ergobaby Babytrage Kollektion Original (5,5 – 20 kg), Galaxy Grey

In der Sprachverwirrung der vielfältigen Ausgaben seiner Mammutdichtung wirkt die Ergobaby Babytrage wie Bonner Sprachgeflunker, sodass man annehmen könnte, alles habe seine Richtigkeit, auch dieses Ding wäre also von Ableev –  wenn man es nicht besser wüßte, und das weiß ich auf gar keinen Fall.

Illustrativ mischt Sarah Kassem (ca. 60 facebook-Treffer, etliche davon vollverschleiert) nämlich in Ableevs Werk, Wirken und Schaffen gehörig mit, sodass hier womöglich sogar Kinder mit im Spiel sind. Dazu passend gibt es von den beiden auch noch ein Malbuch.

Malbuch ist ruhig

Das ist ein Malbuch für Erwachsene, denn Erwachsenenmalen ist gerade nicht nur ne vollbekloppte Volkstherapie, sondern: Die Kinder gibt man Oma, wenn man seine Ruhe haben möchte, wenn man in sich gehen möchte – der Fernseher also kaputt ist, sodass man mit den Kindern gar nichts anzufangen weiß. Folgerichtig gibt es keinen Grund zuhause Malbücher für Kinder vorrätig zu halten. Am gesparten Platz stellt man eine Platte ab, z.B. das Mammutalbum

Wurst of

von – natürlich Daniel Ableev: „Leider ist das Album monumental beschissen geworden, möglicherweise ist es gar der unhörbarste Mist, der je (leider) veröffentlicht wurde, weshalb ich es gern jedem und allen vorenthalten möchte.“ Die Platte ist nur als Download erhältlich, aber ich glaube, man kann dem Mann keinen schöneren Gefallen tun, als einen Download exakt dort ins Regal zu quetschen, wo die Kinder den Eltern ins Malbuch pissen.

Über Ableev existieren mindestens neunzig Wikipediartikel, ich habe aber erst elf davon geschrieben. Die meisten werden jeden Tag gelöscht. Dafür danke ich mir. Ich bin Iven. Ich hab ja Zeit. Für sowas.


Liste unterschlagener Sachverhalte:

Alu

Wahnsinniggi: Ein wahnsinniger Krimi

D’Arquette – Bissige Sati(e)re in einem Akt

Klischeeanstalt / Maschine will heißen

Liste (leider 2014 stecken geblieben)

(sollte was fehlen, schicke ich euch selbstverständlich ein Fax)