Triptychon soll heißen: Der Titel für Sonntag

Triptychon mit Montags- bis Sonntagstitel

der Sonntagstitel lautet:

„Warten“

Iven Einszehn: „Warten“

Acryllack, Ausziehtusche, Collé von Faltung und Falten und Ritzungen auf Leinwand / auf Pappe / auf lackiertem, mit Graphit poliertem Sperrholz

H 54 x B 120 cm


linke Tafel: „Eine Stunde“

mittlere Tafel: „Elf Stunden“

rechte Tafel: „Zwei Stunden“


(vergleiche zur Einführung und zum Hirnabgleich das: Triptychon soll heißen

und hier: Der Montagstitel

und hier: Der Dienstagstitel

und hier: Der Mittwochstitel

und hier: Der Donnerstagstitel

und hier: Der Freitagstitel

und hier: Der Samstagstitel)

 


Die Titel hat Julius ganz friedfertig beigesteuert:

Julius ist veganer Gelegenheits-Jongleur in Magdeburg. Wie man weiter unten feststellen wird, fehlt ihm zum Üben etwas die Zeit. Bei seinen Feuerjonglagen brennen deshalb regelmäßig die Absperrbänder. Im Altenheim auch mal ein Unterrock. Seinen nächsten Auftritt sollte man sich nicht entgehen lassen, das geht ganz einfach, indem man ihn für fünfhundert Euro bucht. Anfragen leite ich gern weiter. Julius wirft dann stundenlang Sachen durch die Gegend, und die meisten davon fängt er wieder auf. Um sie sofort wieder wegzuwerfen – Jonglieren ist aber auch eine ganz und gar komische Sache, ungefähr so schlecht zu verstehen wie Puzzeln. Bilder kaputtmachen und zusammensetzen, Dinge wegwerfen und auffangen. Vollkommen sinnfrei alles. Da könnte man glatt Dinge kochen, um sie einfach zu essen.

Seit seiner Grundausbildung an der Waldorfschule isst Julius übrigens nicht einmal Fisch, obwohl die Wassermäuse nun wirklich nichts für seine Probleme können. Ich würde gerne mehr Nennenswertes über Julius berichten, aber das ist halt alles. Eine typische Waldorfbiografie eben, ausgefüllt von unaufdringlicher Bescheidenheit. Immerhin ist nicht bekannt, dass Waldorfschüler jemals Attentate verübt hätten oder als Politiker Schindluder treiben. Vielleicht wird Julius eines Tages Bundespräsident oder sogar Kassenwart in einem Kleingartenverein.

Bis es soweit ist, mache ich mit Lena weiter. Lena ist Madame Lulu. Und Julius auch. Nach Jahren des Vagabundierens über Festivals und Dorfplätze, hat das vegane Cateringunternehmen Madame Lulu seinen Altersruhesitz im Café Central am Hasselbachplatz (Magdeburg/Mitteldeutschland, Mitte rechts neben Westdeutschland) gefunden. Dort trägt Julius immer die schweren Sachen, fischt die Kartoffelecken mit bloßen Fingern aus dem Frittierfett (Jongliersyndrom / Hang zur Effekthascherei  –> vgl. Eurythmie) und pflückt im Park waschkörbeweise Bärlauch. Der Park am Hasselbachplatz ich längst abgeerntet, aufgetischt und aufgegessen, weshalb dort seit letzter Woche Autos und Straßenbahnen fahren, was für irgendwen auch ganz praktisch ist.

Bärlauch ist strenggenommen ein Produkt, das nicht in die vegane Küche gehört, aber wenn man den Bär abschneidet, also die Tatzen vom Lauch trennt und getrennt vom Lauch kleingeschnitten als Sojaschnetzel serviert, merkt das keiner. Gebratene Medaillons vom Bärlauchfell gehen auch immer als Tofu-Patty durch. Ich wünsche einen guten Appetit:

Mittagstisch (hat grad Sommerpause, ansonsten aber nicht, deshalb geht’s hier zum Café Central, wo die Tische nicht nur mittags serviert werden)

Tageskarte

Burgertag

Buckauer Bordsteingold


Liste unterschlagener Sachverhalte:

Julius hat einen großen Schwanz. (Ja, es entsetzt mich doch auch, welche Info manchmal für wochenlange Vorbestellungen sorgt …)

Lena ist wahrscheinlich verwandt mit Daniel Ableev (vgl.: Freitagstitel), denn sie wurde ebenfalls in Nowosibirsk geboren, genauer gesagt: Im Stadtteil Kaliningrad.

Falls ihr auf der hp von Madame Lulu schicke Texte findet, hab ich die den Lulus geschenkt. Dafür danke ich mir. Ich bin Iven. Ich hab ja Zeit. Für sowas.

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Triptychon soll heißen: Der Titel für Samstag

Triptychon mit Montags- bis Sonntagstitel

der Samstagstitel lautet:

„Femme Krawall (Perlen & Säue)“

Iven Einszehn: „Femme Krawall (Perlen & Säue““

Acryllack, Ausziehtusche, Collé von Faltung und Falten und Ritzungen auf Leinwand / auf Pappe / auf lackiertem, mit Graphit poliertem Sperrholz

H 54 x B 120 cm


linke Tafel: „Miss Jolie“

mittlere Tafel: „Miss Piggy“

rechte Tafel: „Miss Elsner“


(vergleiche zur Einführung und zum Hirnabgleich das: Triptychon soll heißen

und hier: Der Montagstitel

und hier: Der Dienstagstitel

und hier: Der Mittwochstitel

und hier: Der Donnerstagstitel

und hier: Der Freitagstitel)

 


Die Titel hat Kerstin ganz friedfertig beigesteuert:

Kerstin züchtet Babelfische und spendet sie syrischen Flüchtlingen. Die von den Fischen hergestellte Übertragung ihrer Biografie ins Bulgarische, vom Bulgarischen ins Dänische und dann zurück ins Deutsche, ist eine beispiellos hafte Privatinitiative vorurteilsfreier Willkommenskultur, die sämtliche Sprachbarrieren mit Leichtigkeit überbrückt:

Kerstin ist Groschen römische Schriftsteller für Stunden- und kennen den Beruf: 8 Stunden und 16 Stunden lang mit nichts. Mit Ausnahme von Sonntag. Es macht diese Arbeit für Jahrhunderte, fast ein Jahr, so in der Lage zu sein nur in den Bürotoiletten in den Pausen ein Liebesleben zu haben. Das ist natürlich weniger schön -. Außer in Momenten, in denen Ihr Kind wohnt im Haus. Sie besuchten täglich. Mit Ausnahme von Sonntag. Und schließen. Und im Falle eines Angriffs.

Kerstin lebte ruhig in einem versteckten Ort. Kerstin würde nicht verraten, wie er es getan hat das ganze Dorf zu verstecken, und was hält andere weg. Es tritt nicht wieder als der Geburtstag ihrer Lieben! Es gibt auch Probleme mit Müllabfuhr, Postversand, Abwasser und alle anderen Aspekte, vor allem bei Zalando. Von Indiskretion kann am Ende erreicht werden: Dies ist vielleicht ein wenig blass Dorf, Dorf außerhalb von Eigenschaften wie Salzgitter vielleicht nur ein wenig schöner und weniger hässlich. Aber im Grunde ausgeglichen, entweder schön oder hässlich, nur so sie beide wissen, dass dieses Dorf nie auf Postkarten verewigt hat, aber in einem Licht kann erwartungs beliebt Kern Sensation Touristen scheinen als Postkarten von ihnen sogar an ganz unterschiedlichen Orten zu verkaufen. National.

Es überrascht nicht, Kerstin praktisch Vorsprünge wird auch von der Öffentlichkeit unterstützt. so veröffentlicht sie unter dem Namen ihrer Urgroßmutter Elfriede Jelinek, was sie nicht den Nobelpreis für Literatur zu stoppen für die Erlangung und Aufrechterhaltung Dankesreden, für die sie von Doris Lessing verwirrt sind. Erste Gregor Gysi war nicht so schlimm, und der andere brachte Jelink ihre dummen Plappermäulchen ein weiterer Nobelpreis.

Als Gerüchte in der Nachbarschaft, hat Kerstin das ganze Geld auf den Nobelpreis und den Nobelpreis Geld ausgegeben hinter Wohnsdorf ein Atomkraftwerk zu verstecken. Malerei der Kernenergie ist nicht mehr genug. Seit gestern habe ich einen Platz und Fürsorge für ihn. Ich möchte mich bedanken. In Iven. Ich habe eine Menge Zeit. Etwas.

 


Liste unterschlagener Sachverhalte

Zur Zeit töpfert Kerstin Fernsehapparate, Bügeleisen und Rollschuhe vom Serbokroatischen in Sanskrit, von Sanskrit in Belgisch, um anschließend alles dinglisch zu übermalen und in Serviettentechnik zu bekleben. Dafür richtet sie einen Da-Wanda-Shop ein, aber ohne Internet, denn das spart Strom.

Ansonsten ist Kerstin staatlich verkannte, plombierte Sozialsprotzologin.

Sie arbeitet in Magdeburg an einer Förderschule mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung. Wenn die erfahren, was die Frau in ihrer Freizeit treibt, nur weil sie einen bedeutenden Künstler kennt, fliegt sie raus. Echt jetzt.

Triptychon soll heißen: Der Titel für Montag

Triptychon mit Montags- bis Sonntagstitel

der Montagstitel lautet:

„Dreierkette“

Iven Einszehn: „Dreierkette“

Acryllack, Ausziehtusche, Collé von Faltung und Falten und Ritzungen auf Leinwand / auf Papape auf lackiertem, mit Graphit poliertem Sperrholz

H 54 x B 120 cm


linke Tafel: „Linksaußen“

mittlere Tafel: „Sturm“

 

rechte Tafel: „Rechtsaußen“


(vergleiche zur Einführung und zum Hirnabgleich das: Triptychon soll heißen)


Die Titel hat Kerstin nach Hamburg gekickt:

 

Kerstin. Kerstin lebt. Seit sie neulich Mutter geworden ist, ist das aber vorbei.

Am 11. Mai ist sie von Magdeburg nach Buckau umgezogen. Diese Information mag redundant erscheinen, sie macht aber deutlich, dass es in Ostdeutschland nicht nur gescheiterte Existenzen gibt, sondern in begründeten Einzelfällen biografische Weiterentwicklungen durchaus möglich sind. Kinder machen ist hierfür nicht unbedingt das Werkzeug erster Wahl, es ginge auch mit Bildung. Diese Idee hat sich insbesondere bei der ostdeutschen Jugend noch nicht so gut durchgesetzt, wie man im Straßenbild selbst in Buckau an den Proletengrundausstattungen gut erkennen kann. Proletengrundausstattung? Jogginganzug!

Besser bekannt ist Kerstin als Kerstin Rotkleid, denn Signalfarben stehen ihr gut. Manchmal zu gut, so dass es in der benachbarten Karl-Schmidt-Straße zu unkontrollierten Penetrationswünschen kommt. (Du weißt schon, wen ich meine, holle.)

Zum Glück weiß Kerstin sich zu wehren, denn sie macht Seife. Nicht nur Nein heißt Nein, auch Seife heißt Nein. Denn Seife ist nicht bloß zum Waschen da, Seife kann Höheres. Für die Kunst macht Kerstin kubikmetergroße Seifenklötze hinter Stacheldraht* oder ganze Badewannen aus purer Seife.

Besonders gelungen ist ihre Männerseife, schwarze Klötze, die voll dreckig daherkommen, sodass die Waschkraft zunächst unter Beweis gestellt werden muss, ehe jemand so ein Stück purer Männlichkeit kauft. Dabei weiß doch jedes Kind: Seife wird aus Dreck gemacht.

Prompt hab ich Kerstin eine Idee aufgedrängt. Das Drecksstück nämlich. Die Männerseife ist ein schwarzes Drecksstück, und Männer sind Drecksstücke, das merken viele Frauen spätestens, sobald sie Mutter werden – also leider oft zu spät.

Eine Männerseife soll Drecksstück heißen. Schreib Drecksstück auf die Seife. Mit so einem Drecksstück müsste man sich nicht auf Märkten plagen, um zwölfeurofünfzig einzunehmen, das könnte man in jeder Drogerie, Parfümerie, Tankstelle, Boutique, Sexshop verkaufen! Ein Kassenschlager kann das sein, soll das sein, ist von mir. Dafür danke ich mir. Ich bin Iven. Ich hab ja Zeit. Für sowas.

* Ok, ich gebs zu, es war bloß Kaninchendraht. Wenn man den aber korrigiert und das Werk vollendet und Stacheldraht nimmt, so richtig fiesen Natodraht mit rasiermesserscharfen Klingen, dann wird der Seifenklotz von drecksvervotzten Ausstellungsbesuchern eben nicht zerpflückt und geplündert.


Liste unterschlagener Sachverhalte:

Im Internet kommt Kerstin praktisch nicht vor. Ihre Existenz lässt sich somit kaum beweisen. Zum Beweis habe ich soeben versucht, sie anzurufen. Sie geht nicht ran. Womit bewiesen wäre, was zu beweisen ist, bzw. bewiesen ist, dass ihr Leben vorbei ist, seit das so is. Aber daran konnte nie ein Zweifel bestehen. Ich schreib doch keinen Quatsch!

Nazi in the box

Spätestens seit PEGIDA werden wir permament mit faschistischer Deutschtümelei aus der DDR versorgt. Das erweckt fast den Eindruck, als gäbe es in der BRD derartige Probleme nicht.

Völlig unterschlagen werden von den Medien allerdings die positiven und echt beispielhaften Widerstandsformen, die ich dringend zur Nachahmung in der BRD empfehle.

Die Magdeburger Nazibox etwa.

Magdeburger Nazibox
Magdeburger Nazibox

Zugegeben, als ich neulich in Magdeburg unterwegs war, konnte ich es zunächst auch nicht glauben: Klopfen und Klagen aus der Box, Hilferufe und Gejammer. Und außen drauf lackiert riesengroß: NAZIS RAUS. Keineswegs als antifaschistischer Protest, ganz im Gegenteil: Als Hilferuf Rechtsradikaler, die ihre Gesinnungsgenossen wiederhaben wollen!

Die Magedburger Nazibox ist nämlich so konstruiert, dass die (bis zu vier) darin entsorgten Nazis nicht mehr rauskönnen.

Feines Ding, das.

Das war Bucktopia

Kunstfestival Bucktopia – Endzeit.

27. – 29.09.2013

Bauprojekt Gucklochgalerie. Außenseiten: Eigene Arbeiten; Innenraum: Galerie Endzeit und Atelier. Die Installation titulierte schnell unter dem schlichten Begriff „Kubus“.

Ich brauchte für mein Bauprojekt einen regenfesten Ort, denn geplant war ein kubusartiger Bau von dreineinhalb Meter Höhe, aus praktischen Erwägungen ohne Dach, innen vollgestopft mit Werken anderer Künstler. Es fand sich eine atemberaubende, turmartige Halle  – in der auch noch genug Platz für die Skulpturen von Marthan und Thomas Andrée blieb, so dass aus „meinem“ Bauplatz am Ende eine schöne kleine Kunsthalle wurde …

Wie sich nach knapp einer Woche Bauzeit herausstellte, habe ich für meinen Bauplatz innerhalb dieser vermeintlich wetterfesten Halle allerdings den einzigen Fleck gewählt, auf dem es hineinregnet. Völlig ungeplant wurde ein Dach nötig. Zum Glück bot sich Konstantin Bensch hilfreich an, und in einer Nachtschicht haben wir zwischen Mitternacht und sechs Uhr morgens eine gut 4,50 m hohe Stahlstele geschweißt, über die ich eine Plane spannen konnte …

Stahlstele Gemeinschaftswerk mit Konstantin Bensch
Stahlstele
Gemeinschaftswerk mit Konstantin Bensch
Stahlstele Detail Schwuler Astronaut
Stahlstele Detail
Schwuler Astronaut

Außenansichten:

Iven Einszehn
Bucktopia Gucklochgalerie
ALL YOU CAN ART, unter diesem Motto fasse ich mein facettenreiches Schaffen zusammen …
Kubus-001
Iven Einszehn
Bucktopia Gucklochgalerie
Kubus-002
Iven Einszehn
Bucktopia Gucklochgalerie
Kubus-003
Iven Einszehn
Bucktopia Gucklochgalerie
Kubus-004-mit_Fadenmann
Iven Einszehn
Bucktopia Gucklochgalerie

Im Vordergrund: Der Fadenmann von Thomas Andrée.
Der Fadenmann verweist in Material (Treibholz und Ton von/aus der Elbe, Nadel und Faden), sowie Verarbeitung (genähtes Holz!) & Darstellung auf Iven Einszehn.
Danke, Thomas, für diese wunderbare Würdigung!

Kubus_Nachts_006
Iven Einszehn
Bucktopia Gucklochgalerie Nachts
Kubus_Nachts_007
Iven Einszehn
Bucktopia Gucklochgalerie Nachts

Innenansichten und Einblicke:

Dem Aufruf, in der Galerie Endzeit auszustellen, sind folgende Künstler gefolgt: Britta Scheibe, Kirsten, Alke, Sebastian Fricke, Sarah Bernau, Andreas Seidel, holle W., Sylvia Walther, Erika Hess, einige Schulkinder, Thomas Andrée, Stan, u.a. (die Namensliste ist verloren gegangen, hier nicht genannte Teilnehmer, bitte melden!)

Galerie Endzeit Ansicht 1
Galerie Endzeit
Ansicht 1
Galerie Endzeit Ansicht 2
Galerie Endzeit
Ansicht 2
Galerie Endzeit Ansicht 3
Galerie Endzeit
Ansicht 3
Galerie Endzeit Ansicht 4
Galerie Endzeit
Ansicht 4

Das war MYSTIQUE

MYSTIQUE, Kurzfassung:

Schön wars.

Nicht.

Immer.

www.facebook.com/kulturanker
http://www.facebook.com/kulturanker

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Mystique war eine Hammerzeit. Ich habe mir gut drei drei Wochen lang ein Kabinett  zusammen gezimmert, in dem ich komprimiert auf nur etwa 25 qm fast 500 Holzwerke gezeigt habe. Heutzutage, wo Kunst am liebsten nach dem Motto EineWand-einBild-ichbinwichtig-basta präsentiert wird, habe ich durch diese Art, meine Kunst zu präsentieren, den Hauptgewinn gezogen.

Mancher Besucher hat in der offenen Tür meines Raumes keinen Schritt weiter gewagt, weil er sich mit dem Blick in einem privaten Wohnzimmer wähnte, wo er bestimmt nichts zu suchen hat. Andere durften nicht einmal diesen Blick wagen, denn mein Raum war die meiste Zeit hinter der geschlossenen Tür versteckt. Ich war großzügig in der Lastwagenladung voll Kunst, die ich nach Magdeburg geschafft habe; ich war geizig, mich in meinen Werken vorzuführen. Das lag nicht nur daran, daß ich es verstehe, mit billigen Effekten zu spielen (Verknappung weckt Begehrlichkeiten!) und daß ich in meinem Ausstellungsraum keinen Platz einrichten konnte, um dort „nebenbei“ zu arbeiten – so daß ich mich in meiner eigenen Präsentation schnell gelangweilt habe. Das lag auch daran, daß ich zu einem Highlight des Kunstfestivals avanciert bin und es mehr als ungerecht fand, daß viele gute andere Künstler kaum bis gar nicht wahrgenommen wurden. Während ich immer wieder zum Zuge kam, hatten andere keine Fotos in der Zeitung und wurden nicht einmal mit Namen erwähnt ..

Ein billiger Vorteil kam mir allerdings zugute: Gemeinsam mit Oliver Krewitt war ich einer von exakt zwei daueranwesenden Künstlern. Meistens habe ich mich bei Oliver in der Halle 3 aufgehalten, am chaotischen Arbeitstisch vor der Bar – mitten in einem über 1000 qm großen Raum, Deckenhöhe geschätzte 480 m. Soviel Luft zum Arbeiten muß man erst einmal einatmen, ohne ohnmächtig zu werden.

(snapshot facebook.com/kulturanker) Mit Sebastian, Olli , Markus und Alex am Arbeiten ...
(snapshot facebook.com/kulturanker)
Mit Sebastian, Olli , Markus und Alex am Arbeiten …
(snapshot facebook.com/kulturanker) Arbeit an "VATER"
(snapshot facebook.com/kulturanker)
Arbeit an „VATER“
"Vater" (schlechter Schnappschuss, aber zum Gucken reichts ...) Edding, Textmarker, Lackstift, Teppichbodenlack auf Aquarellpapier
„Vater“ (schlechter Schnappschuss, aber zum Gucken reichts …)
Buchseite, Edding, Textmarker, Lackstift, Teppichbodenlack auf Aquarellpapier

Irgendwann war ich es leid, zum Schlafen in meine Wohnung in den Breiten Weg zu radeln und habe zuletzt mehr oder weniger auf dem Fußboden der Halle 3 gewohnt. Hätte mir vierzehn Tage vorher jemand gesagt, daß ich unter solchen Bedingungen arbeiten kann, an einem zugemüllten Tisch, mit einem Brett auf dem Schoß oder auf dem Fußboden knieend, und daß ich mittags auf einem Fußboden schlafe, während Ausstellungsbesucher um meine Morgenlatte schleichen und überlegen „Ist-das-Kunst-oder-kann-das-weg?“ — ich hätte ihn für geisteskrank erkärt. Und ich hätte einen geisteskranken Vortrag gehalten, weshalb derart unkomfortable Bedingungen für mich bestimmt nicht in Frage kommen.

Mystique ist im Ergebnis damit nicht nur eine große Bestätigung für meine Arbeit, sondern für mich tatsächlich lebensverändernd. Ich bin von allerlei Bedenken befreit. Noch einen Tag vor der Abreise nach Magdeburg war ich drauf und dran, meine Teilnahme abzusagen, weil die Horrorvorstellung der totalen Überforderung und kräftezehrender Ohnmacht sich in mir breit gemacht hat. In Zukunft weiß ich: So schlechte Bedingungen kann ich mir gar nicht ausdenken, daß ich mich nicht arrangieren könnte und sie mich in meiner Kreativität behindern …

Das höchste Glück ist eine ganz andere Sache: In Hamburg habe ich in den letzten Jahren genau einen neuen Freund dazu gewonnen, in Magdeburg wurde ich gleich mit einem ganzen Haufen beschenkt. Daß so etwas möglich wäre, hatte ich mir für den Rest meines Lebens gar nicht mehr vorgenommen!

Seit zwei Tagen bin ich wieder in Hamburg. Ich finde mich nicht mehr zurecht. Ich kenne mich in meinen eigenen vier Wänden nicht mehr aus. Dabei ist hier alles durchsortiert, in Kästen und Kistchen, griffbereit, alles und jedes hat einen festen Ort. Denn seit ich vollständig gelähmt war und meinen eigenen Tod überlebt habe, will ich keine Lebenszeit damit verschwenden, nach Dingen zu suchen. Aber mein Gehirn wurde gelöscht. Ich konnte mich nicht einmal daran erinnern, wo die Achenbecher stehen, ich habe die halbe Küche durchwühlt …!

Ausdruck meines inneren Zustandes:

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Presse:

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(Volksstimme, 01.06.13)

Ach ja, die Presse: Da unterhalte ich mich mit der Journalistin noch darüber, wie unerträglich ich es finde, wenn mein prima Vorname falsch geschrieben wird, und Birgit versichert mir, das würde ihr nicht passieren, weil sie das verstehen kann und immer peinlichst auf korrekte Schreibweise achte — und dann  d a s ! ! !  (Übrigens, Tilmann, ich habe meinen Besuch bei dir im Kunsthistorischen Museum nicht vergessengestrichenstorniert, ich habe acht Wochen durchgearbeitet, nicht nur in die Nacht hinein, sondern manche Nacht komplett durch und mich in viele Gemeinschaftsprojekte gestürzt. In wenigen Wochen bin ich ja schon wieder für einige Wochen in MD, und dann sehen auch wir uns wieder! In deinem Museum und in der Kneipe deines Freundes!)

hier noch ein Film von der Eröffnung

(Im Magazin vorspringen auf ca. 12 min 40, da kommt dann der Bericht…)

MD_Presse_Iven_02-kleiner

(Volksstimme, 06. 07.13)

MD_Presse_Iven_04-kleiner MD_Presse_Sebastian-Britta-kleiner

(Volksstimme, 23.07.13)

Extragruß an Sebastian und Britta: Ich freu mich auf unser Wiedersehen auf der Bucktopia!

(Zur Bucktopia gibts in den nächsten Tagen noch Infos…)

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Mystique – Magdeburg

Magdeburg:

Mystique –

die bezaubernde Seite der Kunst

1. Juni bis 28. Juli 2013

tägl. 15 bis 21 Uhr

Bürogebäude Sieverstorstraße 32, Alte Neustadt

39106 Magdeburg

Ich bin während der gesamten Ausstellungsdauer in Magdeburg vor Ort.

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Die Künstler stehen fest

Nun ist es es raus! Die Namen der Künstler und Künstlerinnen, die an MYSTIQUE teilnehmen werden, stehen fest. Knapp 200 Bewerbungen erreichten uns bis Ende März, aus denen ein eigens für deren Beurteilung gegründeter Künstlerbeirat 100 Glückliche auswählte. Sie werden im Juni und Juli den TGA-Bürokomplex in der Sieverstorstraße und das angrenzende Gelände der ehemaligen Bördebrauerei wieder zum Leben erwecken.

“Es war schön zu sehen, wer sich alles beworben hat – renommierte und studierte Künstler, die zum Beispiel schon an der Biennale teilgenommen haben, aber natürlich auch viele Nachwuchskünstler. Viele kommen aus Magdeburg und Umgebung, es sind aber auch Künstler aus Ungarn, Schweden und Nashville dabei”, sagt Thomas Andrée, Bildhauer, Maler und Mitglied des Künstlerbeirates. “Wir haben versucht, neben den Räumen in dem Bürogebäude auch die Aufgänge benutzbar zu machen, damit möglichst viele teilnehmen können. Am liebsten hätten wir natürlich alle genommen.”

Nicht wenige Bewerber wurden durch den Besuch von “Romantik 2.0″ im vergangenen Jahr dazu motiviert, am nächsten Kulturanker-Projekt mitzuwirken. Das künstlerische Konzept von “Mystique” unterscheidet sich allerdings von der vorhergehenden Episode der “Kabinett der Künste”-Reihe. “Bei Romantik 2.0 haben über 250 Künstler ausgestellt – das war wundervoll und unglaublich vielfältig. In diesem Jahr haben wir den qualitativen Anspruch aber deutlich nach oben geschraubt. Deshalb haben wir die Teilnehmerzahl zum Beispiel auf 100 begrenzt”, sagt Dr. Karsten Steinmetz, Vorsitzender des Vereins.

Diese 100 Teilnehmer können sich auf vier Etagen in 20 bis 60 m² großen Räumen kreativ austoben. Die anderen vier Etagen des Gebäudes werden von Galerien kuratiert: Dabei sind Raum HELLROT aus Halle, die Galerie Potemka aus Leipzig sowie ein Künstlerkollektiv um den Hamburger Carsten Rabe.

Auch die ehemaligen Produktionshallen auf dem Gelände sollen ein neues Gewand bekommen. Die Ateliergemeinschaft SKAM e.V. aus Hamburg und das Berliner Kollektiv Open Space werden diese Sache in die Hand nehmen.

Außerdem wird schon der Weg zum Festival die Besucher verzaubern: Alte Hausfassaden in der Sieverstorstraße werden in neuem Glanz erstrahlen, nachdem sich überregional bekannte Graffitikünstler ihrer angenommen haben – Sokar Uno und Jens Besser aus Dresden, Strichcode aus Magdeburg und Karl Addison aus Los Angeles.

So viele kreative und talentierte Köpfe – MYSTIQUE wird auf jeden Fall einzigartig, kunterbunt und inspirierend!

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Sieverstorstraße:

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Blick über die Ödfläche der ehemaligen Brauerei. Im Büroklotz hinten rechts findet Mystique statt.

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Kleine Vorschau:

Iven-Einszehn-Schrank_Baakenhafen

Schrank Baakenhafen (Schiebetür, versteckter Schließmechanismus)
Treibholz, genäht / lasiert

+ 14 weitere genähte Möbel

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OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Wichtige Sachbücher
Fund- und Bauholz, bestickt/ lasiert

+ 1oo weitere Buchobjekte

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+ bitterböse Sprüche auf Treibholz gestickt

+ aus Schallplattenbruch genähte Objekte

+ gestickte Holzpostkarten

+ fiese Gedichte

+ schräge / experimentelle Literatur

+ & und !

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Wohnen in der Abbruchplatte

Magdeburg, Breiter Weg. Wohnen im Plattenbau. Die Katze im Sack gemietet, auf Vorkasse für zweieinhalb Monate. Daß die Küche keinen Herd hat, wusste ich. Zweiplattenkocher im Gepäck. Daß es dort keine Spüle gibt, hatte man vergessen, mir zu sagen. Da hat die Wobau mal so richtig mitgedacht. Was braucht ein Mensch denn ne Spüle inner Küche für knapp n Vierteljahr!

Ne Spüle hätte ich zwar nicht mitgebracht (die Aktion mit dem Kühlschrank ist schon eine Scheiße, auf die ich gern verzichtet hätte), aber die Wohnung hätte ich so auch nicht unbedingt genommen.

Also: Wohnen ohne Küche. Zweieinhalb Monate. Geschirrspülen auf’m Klo.

Immerhin: Zur Schlüsselübergabe auf dem Alten Markt zwischen Bratwurst und gekrächzter Musik, wurde mir gesagt, daß es keinen Klodeckel gibt. Erfährt man gern, fünf Minuten vorm Einzug.

Was soll ich mit’m Klodeckel, warm Wasser hab ich auch nicht.

Beim Ausladen sind auf der Straße immer mal Leute stehen geblieben, haben geglotzt. Ich dachte noch, was gibts da zu gucken. Bis einer uns mal verraten hat, daß die Platte, in die ich einziehe, abgerissen wird.  Da hat sich wohl keiner die Mühe gemacht, die Therme mal zu warten …

Welcher Briefkasten ist eigentlich meiner, welche Klingel? Hat keiner verraten. Wo sind die Müllcontainer versteckt …?

Breiter-Weg-Klo

Auf dem Klo haben einst ganz lustige junge Leute gewohnt!

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Breiter_Weg-Wohnzimmer

Das Wohnzimmer, herrlich dekoriert mit der Herzkurve irgendeines verstorbenen Patienten!

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Mausefalle

Direkt gegenüber: Die Mausefalle. Musik bis morgens vier. Die eigenen Lautsprecher brauchte ich gar nicht auszupacke, ich stell einfach das Fenster auf Kipp.

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