TESE

Erst vorgestern wurde auf urbanshit der frisch lackierte Prototyp der neuen Hamburger S-Bahn vorgestellt:

snapshot urbanshit
snapshot urbanshit

So reizvoll es ist, ein Kunstwerk auf einer Bahn durch die Stadt fahren zu lassen — leider ist das stets ein kurzes Vergnügen, denn bemalte Waggons werden in der Regel nach nur einem Tag aus dem Verkehr gezogen.

Da sind LKW als mobile Ausstellungsflächen schon praktischer.

Soeben entdeckt: ein weiterer TESE aus der neuen Werkreihe in Liebe zu Oz

TESE: in LIebe zu OZ
TESE: in Liebe zu OZ
OZ ist nicht tot

 

Advertisements

Art Attack Altona IV

Bergiusstraße / Altona

19.09.2016

15 Uhr:

19 Uhr:

Iven Einszehn: "Streetart-Malbogen"
Iven Einszehn: „Streetart-Malbogen“
Offsetdruckfarbe (Druck von Trittschalldämmung) auf Papier
H 72 x B 102 cm
Iven Einszehn: "Fuck the Art Fuck the Artist Please"
Iven Einszehn: „Fuck the Art Fuck the Artist Please“
Offsetdruckfarbe (gespachtelt und Gummidruck), Marker und cutout auf Papier
H 100 x B 70 cm

Wand ist nicht gleich Wand

Zur Streetart-Aktion ART ATTACK in der Bergiusstraße

Schon lange störe ich mich daran, dass einschlägige Graffitimagazine und Streetartportale bevorzugt hochwertige Arbeiten publizieren. In dieser extrem fokussierten Sicht- und Darstellungsweise wird 99% dessen, was an Wände gemalt, geschrieben, getaggt, geschmiert, geklebt, montiert, eingeritzt und wie auch immer in den öffentlichen Raum gebracht wird, ignoriert und ausgegrenzt.
Das Phänomen Streetart lässt sich nur in seiner Gesamtheit begreifen. Denn es geht in der Streetart grundsätzlich nicht darum, der Umwelt etwas Schönes hinzuzufügen, das ist vielmehr ein positiver Nebeneffekt. Es geht vorrangig darum, sich den bestehenden Verhältnissen zu widersetzen, es geht um Einmischung, um Widerstand, um Vereinnahmung. Und die ist vielfältig. Da beteiligt sich jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten oder Bedürfnisse. Auch Streetart will erlernt sein, muss geübt werden. Dass da zunächst viel Müll bei rauskommt, ist logisch, jedenfalls wenn man sich nicht die Mühe macht, im stillen Kämmerlein zu üben. Genauso logisch ist es, dass aufgrund der Illegalität oft schlicht die Zeit fehlt, um ordentlich zu arbeiten. Vieles muss viel schneller gehen, als es einem lieb wäre.
Manchem geht es schlicht und ergreifend auch überhaupt nicht darum, in irgendwie anerkannter Weise gut, gelungen oder hübsch rüberzukommen. Wenn es mir um Sachbeschädigung geht, muss ich mir ja nicht die Mühe machen, ein herausragendes Piece an die Wand zu bringen! Wenn ich meinen Frust loswerden will, habe ich schlechte Laune – und schlechte Laune in Kunst umzusetzen, das gelingt nicht einmal arrivierten Künstlern immer gut.
Wer sich für anarchistische Kunst interessiert, dem wird aufgefallen sein, dass die Schanze und Altona die Hamburger Hotspots der Streetart sind. Mit folgendem Unterschied: In Altona muss man etwas länger suchen, um eine schöne Arbeit zu finden. Mancher Straßenzug ist komplett mit Schrott zugeballert und sieht einfach nur nach kleinschwänziger Scheiße aus. Hier tappt man allerdings leicht in die ästhetische Falle der eigenen Vorstellungen: Man sollte den Schlachtruf „Das Viertel bleibt dreckig“, den man in Altona hin und wieder findet, in seiner kämpferischen Bedeutung kapieren. Gegen kapitalistische Verwertung, gegen asozialen Immobilienbesitz und Gentrifizierung ist vorsätzliche Hässlichkeit ein probates Mittel. Auch wenn nicht jeder als Politaktivist zur Spraydose greift, wird dennoch jeder Bestandteil dieser politischen Geschichte.
Manchmal trifft es aber voll die Falschen. Das beschissen zugetaggte Haus in der Bergiussstraße, dessen Fassade ich seit einer Woche in einer Qualitätsoffensive mit Kunst bereichere, ist so ein Fall. Hier handelt es sich um keine Immobilie, die es anzugreifen gilt, sondern um ein Wohnprojekt. Die Vereinsmitglieder haben das Haus einer kapitalistischen Verwertung entzogen. Sie besetzen damit dauerhaft wertvollen Baugrund, der nicht aufgewertet werden wird. Dieses Haus ist eine alternative Enklave inmitten eines Stadteils, der zunehmend abgerissen und neu hochgezogen wird.
Ich bin von den Bewohnern in der Bergiusstraße um nichts gebeten worden. Vielmehr habe ich festgestellt: Das sieht Scheiße aus, das will ich ändern. Mit meiner geballten Ladung Kunst verbinde ich nicht den Anspruch, andere hätten mit ähnlichen ästhetischen Konzepten aufzuwarten.
Allerdings verbinde ich damit den Anspruch, etwas geistvoller vorzugehen. Es ist in diesem Land erlaubt, selbst zu denken und kluge Entscheidungen zu fällen. Wand ist nicht gleich Wand!

NACHTRAG:

Ich konnte mein Projekt nicht beenden. Eine Bewohnerin der Bergiusstraße hat das verhindert. Mit dem einfachen Argument: „Ich will das nicht, weil ich nicht gefragt wurde,“ hat sie jegliche Bereitschaft, sich auch nur ansatzweise mit meiner Arbeit und der konstruktiven Intention zu beschäftigen, abgelehnt.

Abgesehen davon, dass ich mich nicht zum Spielball interner bescheuerter Machtspielchen machen lasse, bewegt sich diese Art und Weise des Denkens, Argumentierens und Handelns vollkommen auf geistigem AfD-Niveau!

Als Künstler mag ich mich mit dem unfertigen Ding nicht abfinden. Halbe Sachen sind nicht meine Welt. Als Perfektionist funktioniere ich vielmehr nach dem Motto DOPPELT ODER NICHTS.

In diesem Sinne gebe ich mich geschlagen. In künstlerischer Konsequenz fordere ich alle taggenden Kollegen dazu auf, über meine Werke drüberzugehen und den Urzustand der Fassade wieder herzustellen.

TAG IT!

CROSS IT!

WAITING FOR GREAT BOMBINGS!




Siehe --> Art Attack Altona I
Siehe --> Art Attack Altona II
Siehe --> Art Attack Altona III


			

Art Attack Altona III

Bergiusstraße / Altona

16.09.2016

16 Uhr:

19 Uhr:

 

 

Bild ohne Zeichnung 3
„Bild ohne Zeichnung 3“ (Hängt unterm „Pimmel-Puma“)
vgl.: –> hier

 

 

Siehe --> Art Attack Altona I
Siehe --> Art Attack Altona II
siehe: --> Art Attack Altona IV

Vorschau Art Attack Altona II

produktion-artattack-ii-web
Iven Einszehn: Produktion: Blick ins Atelier.


siehe: --> Art Attack Altona I
siehe: --> Art Attack Altona III
siehe: --> Art Attack Altona IV

Art Attack Altona I

Bergiusstraße / Altona

12.09.2016

15 Uhr:

17 Uhr:


Die Wand muss voller werden. Nächste Woche geht’s weiter. Vielleicht entdeckt bis dahin jemand die Gelegenheit, seine  Kunst dazu zu kleben — Platz ist genug …


„ART ATTACK – REAL STREETWOK“

Lack und Marker auf Papier / cutout | H 105 x B 70 cm

vgl.: –> Dirtygrafie


Iven Einszehn: "Empty Nr.1"„Empty Nr.1“
Lack und Marker auf Papier / cutout
H 82 x B 67 cm


„Empty Nr.2“
Marker auf Buchseite/ cutout
H 33,5 x B 26,5 cm


OLYMPUS DIGITAL CAMERA

„Tribute to OZ (zweiteilig)“
Offsetdruckfarbe auf Papier (Druck von Trittschalldämmung)

vgl.: –> OZ


„Vincent 34“
Linoldruckfarbe und Marker auf Papier / gerissen
H 34 x B 29 cm

vgl.: –> Vincent


„Fischgrätenfische“
Offsetdruckfarbe auf Buchseiten (Gummidruck) /gerissen oder cutout
vgl.: –>
KUNSTANSTALT HAMBURG


 

o.T. (frech)

Linoldruckfarbe (Abklatschzeichnung) und Marker auf Papier

H 48 x B 44 cm

vgl.: –> Bilder


siehe: --> Art Attack Altona II
siehe: --> Art Attack Altona III
siehe: --> Art Attack Altona IV

Spiegeleier auf der Veddel

Spiegeleier sind in der Kunst ein eher vernachlässigtes Sujet. In Hamburg zumindest gibt es einen Vertreter, der sich dem Spiegelei verschrieben hat, zu finden am ehemaligen Zollamt an der Tunnelstraße in Veddel, unweit der Veddeler Fischgaststätte.
Die Veddeler Fischgaststätte gilt als Kult, ich rate aber dringend davon ab, die homepage anzugucken, um herauszufinden, wie man da hin kommt. Der Kartoffelsalat auf den abgebildeten Mahlzeiten (hübsch angerichtet mit einer Viertelzitrone!),  sieht aus wie Schleim oder Albinokotze. Würde auf der Speisekarte der Kartoffelsalat nicht erwähnt, man käme kaum drauf, was das für eine Pampe auf dem Teller sein könnte. Mit Bratkartoffeln müht man sich dort nicht ab, da landet alles in der Fritteuse, es gibt also höchstens Pommes als alternative Beilage.
Mir haben über die Jahre mindestens fünfzehn Leute, die niemals dort essen waren, versichert, wie großartig es da wäre, überhaupt wäre die Veddeler Fischgaststätte die letzte Kaffeeklappe Hamburgs, die bestimmt bald dichtmacht, weil seit Jahren in Hamburg ja alles den Bach runtergeht. Deshalb würde man dort seit Jahr und Tag regelmäßig  jeden Sonntag mindestens zwei Portionen Fisch verzehren. Und immer auch was für zuhause mitnehmen. Der Laden hat aber am Wochende gar nicht geöffnet. Auch abends nicht. Eigentlich nur zu Zeiten, die sich hauptsächlich Hartz-IV-Emfänger leisten können, von 11:00 – 17:45. Wer es ausprobieren möchte, Adresse siehe unten.

 

OZ an der Veddeler Fischgaststätte

Immerhin: Wer sich nicht die Mühe macht, Bratkartoffeln zu brutzeln, macht sich auch nicht die Arbeit, einen OZ überzupinseln.

Zurück zu den Spiegeleiern: Wenn man sich als Passant oder Radfahrer durch das Baustellenchaos an der Tunnelstraße begibt, ist man von Absperrungen, Holprigkeiten und Warnbarken so sehr labyrinthiert, dass man die Illegalerie, der man dort neuerdings begegnet, leicht übersieht.
Die Spiegeleier, die einem ins Auge fallen könnten, verkennt man leichtfertig als bloß hingerotzte Kleckse an der Wand ohne Sinn und Verstand. Hat man diese Kleckse aber einmal als Spiegeleier entlarvt, entdeckt man vielleicht, was das eigentlich für eine schöne Idee ist — einfach mal Spiegeleier zu malen. Die gehen flott und sind eigentlich ganz hübsch. Auf jeden Fall lecker.
Wenn man sich also Zeit nimmt für die Spiegeleier, man es also wagt, das Gelände, das man bestimmt nicht betreten „darf“, eingehend zu inspizieren, gibt es viel mehr zu sehen. Da wurden Tücher und Stofffetzen zwischen die Geländer gehängt und genäht, darunter auch Spiegeleier, Installationen wurden gespannt, eine Mauerecke ist plakatiert, ein kleiner Haufen Zeichnungen wurde an den Laderampen, in Fenstern und Türen aufgehängt.
 
Hier fehlt in der Streetart übrigens ein Begriff. Für Plakatierungen und für cutouts, die an Wände geklebt werden, wird pasteup verwendet. Aber für das bloße Aufhängen von Bildern gibt es kein Wort. Wie wäre es schlicht mit hangout?
Illegalerie
mit Spiegeleiern, Installationen, Zeichnungen
ehem. Zollamt | Tunnelstraße/Baustelle | Veddel
Veddeler Fischgaststätte
Tunnelstraße 70 | 20539 Hamburg-Veddel
Mo - Fr. 11:00 — 17:45
OZ
Oz ist nicht tot

Marlen Mose: Fachbeauftragte für Kunst-Demenz

Im Hamburger Wochenblatt ist wieder einmal vom Banksy in der Hamburger Neustadt zu lesen. Ich hatte bereits zweimal dazu geschrieben (Endlich: Banksy in Hamburg gecrosst / Spiegelberger, Pate der Kunst, kurz: Banksy,-)

Bemerkenswert am aktuellen Artikel im Wochenblatt ist nicht nur, dass ein Gastwirt in der unmittelbaren Umgebung zum Graffiti ernsthaft behauptet, er würde von dem Ding leben, weil zahlreiche Besucher allein wegen des Banksys kämen.

Das nenn ich mal ein Armutszeugnis, denn das sagt dann ja alles über seine gastronomischen Fähigkeiten. Ich jedenfalls besuche eine Gaststätte, weil das Essen gut ist oder die Atmosphäre stimmt, nicht weil nebenan ein Bild hängt.

Benenn deinen Laden doch gleich um in „Zum Banksy“, „Banksy-Grill“, „Banksys Fischbude“ oder „Banksy-Döner“. Und für die ungefragte Nutzung des teuren Künstlernamens erhebst Du einfach 2 Euro Preisaufschlag pro was-auch-immer-Du-da-verklappst. Verkauf Poster und Postkarten vom Graffiti. Und Kassier von den Touristen Gebühren fürs Fotografieren!

Quatsch, Mann, wenn Du eh von der Kunst lebst, mach doch einfach ne Galerie auf!

Bemerkenswert ist einmal mehr, in welcher Weise sich die Spiegelberger Stiftung in dieser Sache aufdrängt. Die hat das Werk ja längst per Acrylglasplatte und Holzvernagelung und dem Vorschlag, es in die passend überteuerte Hafencity zu verlegen, für sich vereinnahmt.

Jetzt glänzt die Spiegelberger-Stiftung auch noch mit einer Fachbeauftragten für Kunst-Demenz: Marlen Mose. Mit Kunstverstand ist sie nicht gesegnet. Und von streetart hat sie offensichtlich einfach keine Ahnung.

Denn zum Bedeutungsunterschied zwischen Banksy und OZ weiß sie ziemlich dumm anzumerken:

“ (…) Oz habe immer nur sein Signet verwendet, das sei nicht besonders kreativ. Banksy hingegen mache in seinen Arbeiten auf politische Zusammenhänge aufmerksam, „das ist bei Oz nicht der Fall“.

In Zukunft halten wir es einfach so: Für solche Erkenntnisse braucht niemand eine Stiftung, da fragen wir einfach meine Oma!

  • Wie bemisst Frau Mose einen kreativen Akt?! (Nein, ich möchte das nicht ernsthaft wissen.) Nach ihrer beschränkten Auffassungsgabe ist das Schwarze Quadrat von Kasimir Malewitsch jedenfalls auch nicht besonders kreativ.

  • Die Tante hat offenbar keine Ahnung von Walter Josef Fischers Werk, sonst wüßte sie, dass Oz nicht nur oz-getaggt hat, auch wenn die Stadt hunderttausendfach voll davon ist!

  • Bei jeder günstigen Gelegenheit hat Oz riesige Bilder gemalt. Bunt, fröhlich, minimalistische und abstrakte Feuerwerke aus Smileys, Strichen und Pünktchen, vor Kreativität sprühend, strotzend, explodierend!

  • Jedes Tag, jeder Kringel, jeder Smiley, jeder Sticker, jedes Mural von OZ waren und sind ein politisches Aufbegehren gegen die bestehenden Verhältnisse!

  • Die politische Botschaft des Lebenswerkes von OZ (das Thema habe ich im Nachruf auf OZ angerissen) bestand und besteht eben nicht in aktuellen Ereignissen, sondern in der Arbeit selbst. Um solch einen Gesamtzusammenhang zu erkennen und zu deuten, braucht es Verstand …

… was mich wieder einmal zu der Frage führt:

Was, zur Hölle, ist so schwer daran, sich mit Dingen zu beschäftigen, von denen man ein wenig Ahnung hat!


Neu: Iven auf Twitter


 Warnung:

Der Kauf dieses Buches wird mit Lesen nicht unter 114 Seiten bestraft!

Elke-cover-vorn

Erhältlich bei Amazon für € 6,01

OZ und Anti-OZ und Anti-Mensch: Siemens

Es tut sich was bei Siemens!

Vor einigen Jahren wurde der Lindenplatz vorm Siemenssitz in St.Georg aufgehübscht. Unter Bürgerbeteiligung. Im Ergebnis ist vor allem eins festzustellen: Bunte Blumenbeete wollten die Bürger auf gar keinen Fall!
Lieber Steinklötze, die man nach Einbruch der Dämmerung leicht übersieht, und an denen sich schon so mancher die Fresse eingeschlagen hat. Außerdem total geistlos in den Platz  eingelassener Lichterfirlefanz. Und immergrüne heckenartige Pflanzungen, die aussehen wie zu lang geratene Billiggrabstätten und einfach nur im Weg herumstehen. Gefällt nicht mal Oma.
Ach ja und zwei Brunnen, die keine Brunnen sind. Es sind nämlich nur mit Wasser gefüllte Tröge. Monstervogeltränken. Fußwaschbecken. Was weiß ich.
Der Lindenplatz ist alles in allem eine hingefrickelte Planlosigkeit. Sinnlos und dumm. Ein Gruß an alle Planer und Beteiligten, die ich immer schon fragen wollte: Was ist eigentlich so schlimm daran, sich mit Dingen zu beschäftigen, von denen man ein bißchen Ahnung hat?
Immerhin erfreut sich der Lindenplatz bei Randständigen, Obdachlosen und Jugendlichen einiger Beliebtheit.
Immer dann, wenn sich Menschen gern an einem öffentlichen Ort aufhalten (sei es der Hauptbahnhof oder der Hansaplatz oder der Jungfernstieg – oder eben jetzt der Lindenplatz), gibt es ein Problem: Wie kriegt man die Menschen weg? Da stehen diese hübschen Bänke und die Leute setzen sich da einfach drauf! Manche liegen dort sogar – die ganze Nacht.
Wenn überwachen und warnen nicht hilft, dann hilft nur eins …
Ueberwachen_Siemens-web  Warnung_Siemens-webSiemens guckt und Siemens warnt!
Is ja nett ...
… Bänke wegmachen.
Bank_wegmachen_Siemens-webSiemensgebäude.
Sitzbanknische ohne Sitzbank.
Die Menschen wurden durch Mülltonnen ersetzt.
Auch ein Bekenntnis.
Hübsch geworden.

Siemens_frisst_Hamburger-web

Noch ein Bekenntnis:
Siemens frisst auch Hamburger!

Und jetzt, wo der Platz ganz ohne Menschen zu einer fast aseptischen Vollkommenheit aufblüht, hat Siemens sich auch seiner häßlichen grauen Betonsäulen, eine jede mit einem fröhlich gekrakelten Kringel von OZ verziert, angenommen.

Die scheißhäßlichen Säulen imponieren seit Neuestem allen Ernstes mit hirnverbrannten grauen Flecken.
OZ_Siemens-webOZ.
Siemens-Säule.

Anti-OZ_Siemens-web

Anti-OZ.
Made by Siemens.

Zur Rettung und Förderung des Frohsinns
gibts als Bonus die OZ-Schlangen:

OZ-Schlange-002-web OZ-Schlange-001-web

OZ-Schlange-004-web OZ-Schlange-003-web

Es lebe der Sprühling!

OZ ist nicht tot

Am 25.09.2014 ist Walter Josef Fischer, bekannt als der Sprayer OZ, gestorben. Wer denkt, Hamburg würde endlich wieder vergrauen, hat sich zu früh gefreut.

Eine Zahl ging die letzten Tage durch alle Nachrufe und Zeitungsskizzen, die sich dem Lebenswerk von OZ widmen: 120000.
Von der Bild über den Spiegel bis zu The Guardian: 120000 Tags, Smileys, Kringel, Kürzel, Pünktchenbilder soll OZ in der Stadt hinterlassen haben. Diese Schätzung stammt aus dem Jahr 2002 – wer sie in die Welt gesetzt hat, weiß kein Mensch. Ronald Schill vielleicht, der seinerzeit salopp dafür plädiert haben soll, OZ lebenslang wegzusperren. Oder die Polizei, was im Grunde ein- und dasselbe ist. Denn die Polizei ist der Gesinnungshelfer einer fragwürdigen Rechtsprechung.
Bei der Strafverfolgung von Graffiti wird grundsätzlich jeglicher anarchistischer Kunst Sachbeschädigung unterstellt. Es wird nicht unterschieden, ob man sich ein biederes Eigenheim vorknöpft, eine kotzhäßliche Parkbarriere aus Beton, einen Bauzaun oder ein Abrisshaus. Dem Gesetzgeber ist es einerlei, ob eine jungfräuliche Fläche benutzt oder auf einer bestehenden Malerei gearbeitet wird. Letzteres wäre die Sachbeschädigung einer Sachbeschädigung, da darf man sich an den Kopf fassen und sich fragen, wie das gehen soll! Eleganterweise wird die Sachbeschädigung per Gesetz in eine Veränderung der Sache umgebogen. Eine Sache braucht also nicht dauerhaft beschädigt zu werden, um sich schuldig zu machen. Die Tat wird auf fragwürdige Weise der Sache selbst, der allgemein unterstellten Sachbeschädigung, enthoben, indem die Sache selbst, allein als Tat, schuldig macht. Kriegt man Kopfschmerzen von. Immerhin, ein Gesetz, das Kopfschmerzen bereitet, parodiert die Unfähigkeit einer Gesellschaft, die mit dem Phänomen des allgemeinen Kopfschmerzes von seit Jahrzehnten ungefragt mitgestalteten Städten nicht umzugehen weiß, ganz vortrefflich. Doppelkopfschmerz. Die Gesetzgebung dient damit weniger der Strafverfolgung von Taten, sie verfolgt vielmehr die Stigmatisierung der Individualisten, der Unangepassten und Uneinsichtigen.
Daß diese Idee ins Leere läuft, sieht man nicht nur in jeder halbwegs lebhaften Stadt, das hat OZ beispielhaft vorgelebt. Haftstrafen hatten nie den erhofften Erfolg einer Gehirnwäsche, sie vermochten seinen Schaffensdrang stets nur vorübergehend zu unterbrechen.
In den Betrachtungen zu OZ finden sich zwar Hinweise auf seine Beweggründe, auch Überlegungen zu früheren Kunstdebatten werden angerissen. Ein wesentliches Fazit fehlt aber allem: Gleichgültig ob OZ als Künstler betrachtet oder für ein bißchen plemplem gehalten wird – eines war OZ vor allem: OZ war Politaktivist*. Ihn ödeten die Normierung der Gesellschaft, der aufgezwungene Hang zur Unfarbe Grau, die gesellschaftliche Verblödung per Dauerwerbung dermaßen an, daß er sich gefordert fühlte, dagegen anzugehen. In so einer Welt wollte er nicht leben, trotz massiver Anfeindungen und Strafverfolgung hat er beständig daran gearbeitet, die Welt in eine bessere Variante nach seinen Vorstellungen umzugestalten.
OZ malte an gegen langweilig funktionale Wände und Mauern, gegen ödes Grau, gegen die falsche Buntheit des allgegenwertigen Werbeterrors. Er malte an gegen all das, was von fast jedem unwidersprochen hingenommen wird. Keiner zählt die tägliche Belästigung durch Ödnisse aller Art, durch Werbemüll, durch freiwillige und mutwillige Häßlichkeiten, obwohl wir hier schnell eine Zahl wie 120000 überschreiten.
Diese Zahl ist ohnehin uralt und vollfalsch. Ein Mensch, der die Stadt Hamburg nicht nur als Konsumverpackung nutzt, um von A nach B zu gelangen, der neben vordergründigen Oberflächen ihre Rückseiten wahrnimmt, der Ecken und Kanten erforscht, das Gestrüpp hinter sich lässt, an Profanbauten und architektonischen Belanglosigkeiten entlangstolpert, unter Brücken klettert und Dächer erklimmt, so ein Mensch entdeckt noch an entlegensten Winkeln die Markenzeichen von OZ. Zur korrekten Bezifferung seines Lebenswerkes stifte ich hiermit eine Null.
OZ war nicht allein. Es dauerte Jahre, denn lange Jahre wurde OZ nicht für voll genommen. Von niemandem. Der große Gedanke hinter seinem unbeirrbaren und konsequenten Schaffen setzte sich erst allmählich durch. Zunächst in der linken Szene, die ihn vor öffentlicher Hetze zu verteidigen und zu schützen suchte, dann auch unter seinesgleichen. Als OZ sich die Anerkennung der Szene verdient hatte, wurde OZ zu einem Phänomen, und das Phänomen OZ entwickelte eine infektiöse Eigendynamik. Seit etlichen Jahren wird OZ von Imitatoren und Kopisten gehuldigt. Die Verwendung seiner Bildsprache ist mehr als eine bloße Würdigung, sie ist das gemalte Bekenntnis zur Unbeugsamkeit.
OZ wusste selbst oft nicht mehr so genau zu sagen, ob dieses spezielle tag nun gerade von seiner Hand stammte. Und so wuchs das Lebenswerk von OZ auch in Zeiten, in denen er gar keine Zeit zum Malen hatte, während der Gefängnisaufenthalte, und sein Werk wuchs selbst an Orten, die er nie betreten hat.
Und so wird es weiter gehen. Walter Josef Fischer mag gestorben sein, OZ ist deshalb lange nicht tot. Die Gedächtnislackierung der Stadt beginnt gerade jetzt. Sagen wir mal 120000fach … 🙂

 

(Eine gekürzte Fassung ist in der jungen Welt vom 04.10.14 erschienen.)


* Nachtrag: Theo Bruns, in dessen Verlag Assoziation A das Buch „Free OZ!“ (Blechschmidt, Flügel, Reznikoff; ISBN 978-3-86241-424-6) erschienen ist, geht in seinem Nachruf auf culturmag.de auf genau diesen Punkt sehr ausführlich ein.

 

BILD Hamburg jagt Deutsche Sprayer Fraktion

Bei meiner täglichen Portion Kopfschmerzen lass ich ja den Lokalteil von Bild-online nicht aus. Nachdem man sich dort jahrelang am Sprayer OZ abgehasst hat (den man regelmäßig ins Gefängnis steckt, ohne seinen Schaffensdrang damit kleinzukriegen), ist nun also die Deutsche Sprayer Fraktion (DSF) an der Reihe. Die Bild adelt die Jungs prompt zur „Schmier-Mafia“, die „sogar vor der Treppe zum ehrwürdigen Michel nicht halt macht“. Mafia, wie putzig. Ich hätte noch die Lack-Al-Qaida (kurz: LAQ, sprich: Lack, schönes Ding) anzubieten! Übrigens führt die Treppe gar nicht zum Michel, sondern geographisch im Gegenteil, sie führt zur Michel-Wiese. Ok, ich will nicht mit Details nerven, tut die Bild ja auch nicht, wenns nicht grad ums Privatleben unbekannter Prominenter und Oberweiten geht. Die Treppe jedenfalls gewinnt durch die Nähe des „ehrwürdigen“ Michels nicht an Bedeutung, auch wenn die Hirnwindungen von BILD-Reportern diesen Trugschluss zulassen. Die Treppe ist und bleibt ein extrem häßliches Ding, und die typographische Erweiterung durch Tags macht den städtebaulichen Makel nicht wirklich schlimmer. Was wirklich schlimm ist, ist die BILD, die sich wie stets auf Seiten des Gutbürgers wähnt und zum Hilfspolizisten aufschwingt. Die DSF wird durch so einen Artikel nicht verhindert – auch diese Treppe führt in die entgegengesetzte Richtung: Eine Adelung durch die Presse beflügelt stets zu höheren Taten …

Snapshot Bildzeitung 01
Snapshot Bild-online 01
Snapshot Bildzeitung 02
Snapshot Bild-online 02

… aber ich will mal nicht so sein. Ich verdinge mich ja selbst an sonnigen Nachmittagen als freischaffender Polizist, was mir von Barzahlern ein hübsches Nebeneinkommen beschert, und überhaupt bin ich immer gern hilfreich.

Deshalb steuer ich eine Phantomzeichnung bei.

Liebe BILD, macht was draus. Wär doch gelacht, wenn eure Freunde von der Soko-Graffiti die Jungs nicht bald einbuchten 😉

"Phantomzeichnung" von Iven Einszehn
„Phantomzeichnung Deutsche Sprayer Fraktion“
von Iven Einszehn