G20: Park Arrivati und Hamburger Herrenmenschen

Seit wenigen Tagen hat sich am Neuen Pferdemarkt, im Grüngelände eingezwängt zwischen Straßen und Partymeilen, der Park Arrivati etabliert. Der Park der Angekommenen steht ganz  im Zeichen der Refugees, der Vertriebenen und Geflüchteten. Dort werden die körperlichen und seelischen Ursachen und Umstände von Flucht und Vertreibung dokumentiert und Fragen im Umgang mit den hier Angekommenen aufgeworfen, hier wird informiert, kritisiert und diskutiert. Der Park Arrivati ist eine vollkommen friedfertige Angelegenheit, die zahlreichen Menschen vor Ort sind ausgelassener Stimmung und interessiert an den Dokumentationsmaterialien und kleinen Aktionen und Spielformen, die den Geist schärfen. Hier kann man etwa einen Einbürgerungstest machen, und so mancher Deutsche taugt dann nicht für dieses Land. Damit ist der Park Arrivate ein Protest auf niedrigstem überhaupt denkbarem Niveau, dem nichts vorzuwerfen ist. Wir müssen allerdings befürchten, dass die Polizei Hamburg auch dieses Projekt vom Rasen prügeln wird, sobald die propagandistische Wirkung etwas zu groß gerät

Die Innenbehörde hat längst deutlich gemacht, dass es ihr in Hamburg zu G20 keineswegs darum geht, gewalttätige Proteste zu verhindern. Sie hat etwas gegen Menschen mit eigener Meinung. Spätestens seit gestern Abend wird 1:1 kopiert, was wir aus der Türkei kennen, aus China, aus Nordkorea, aus Russland und aus sonstigen Kackstaaten. Niederschlagung und Unterdrückung sind die ersten Mittel der Wahl im Umgang mit der Hamburger Bevölkerung und protestierenden Gästen zu G20.

Dem Aufruf zum hedonistischen Massencornern sind gestern abend Tausende in Hamburg gefolgt. Und sie haben genau das getan, an Ecken herumgelungert, Musik gehört, miteinander angestoßen, nichts weiter. Als es zu viele Menschen wurden, wurde das war der Polizei zu viel. Mit Aufgeboten von Hundertschaften, dem Einsatz von Schlagstöcken und Wasserwerfern wurden rund um den Neuen Pferdemarkt die cornernden Menschenmassen von Ecke zu Ecke getrieben. Auch den Park Arrivati hat es dabei (erstmals) erwischt, obwohl der eine ganz eigene Veranstaltungsform in unmittelbarer Nähe zu einer cornernden Menge darstellt.

Als das Schauspielhaus gestern Abend überraschend seine Türen für Übernachtungen öffnete, hatte die Polizei rechtswidrig nichts Besseres zu tun, als sich versperrend vor der Tür aufzubauen. Sie wurde vom Schauspielhaus nicht darum gebeten. Hier sollte abermals die harte Haltung durchgesetzt werden, dass Protestcamps in der Stadt nicht geduldet werden und jede solidarische Aktion nichts anderes darstellt als ein Camp auf anderem Niveau. In der Art, sich als Herrenmenschen zu gebärden, bis an die Zähne bewaffnet in Übermacht aufzulaufen, baut die Polizei Drohszenarien auf, mit denen sie sich ihre Konflikte selber aussucht, indem sie sie produziert. Das ist die eigentliche Taktik, und auch dieses Verhaltensmuster ist uns aus totalitären Staaten bekannt. Die Geschäftsführung des Schauspielhauses musste die Polizei allen Ernstes erst darüber belehren, dass sie das Hausrecht im eigenen Haus hat und eigene Entscheidungen treffen darf, ehe die Polizei sich zurückzog!

Schauspielhaus Hamburg, 04. Juli 2017, 23:15 Uhr: Hamburger Herrenmenschen blockieren rechtswidrig am Schauspielhaus Hamburg den Zutritt zum Gebäude.

Ich hatte nie einen Zweifel daran, dass Hamburg diesen Sommer nie vergessen wird. Die Dummheit der Polizei an der Herausbildung dieses Gedächtnisses ist dabei unbeschreiblich.

Denn sie produziert Widerstand.

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G20: Unhappy Meeting

Die Vorbereitung auf den G20-Gipfel in Hamburg ist vor allem eine Liste von Horrormeldungen. Deshalb planen angeblich bereits 30% der Hamburger Anfang Juli ein langes Wochenende in öden Gegenden.

Iven Einszehn: „Unhappy Meeting“ Plakatentwurf für La Grande Plakastrophe /
Aktion der Agentur giraffentoast, um Hamburg zu G20 mit Protesten vollzubomben

 

Der G20-Knast auf dem Gelände eines ehemaligen Baumarktes in Harburg ist längst vorbereitet, um dort anlässlich des Großereignisses 500 Gefangene unterzubringen. Die erschreckende Kapazität von 500 Menschen dürfte nur die halbe Wahrheit verraten. Denn die von Schnellgerichten direkt vor Ort Abgeurteilten werden unverzüglich auf andere Gefängnisse verteilt werden, um Platz zu schaffen, um frisch von den Plätzen gesammelte Demonstranten einzusperren und abzuurteilen. Damit das wunschgemäß klappt, soll für die bis zu 150000 in Hamburg erwarteten Demonstranten eine Demoverbotszone eingerichtet werden, die den gesamten Kernbereich der Stadt umfasst – fast 40 Quadratkilometer groß, vom Flughafen im Norden, bis zur Elbe im Süden, von Osdorf im Westen bis St. Georg im Osten! In dieser riesigen Verbotszone muss man nicht wirklich was falsch machen, um verhaftet zu werden. Es reicht das falsche Aussehen, es reicht eine Fresse, die einem Polizisten nicht gefällt: Insbesondere Polizisten besitzen nämlich die hellseherische Fähigkeit, Gesinnung von außen zu erkennen. (Diese herausragende Eigenschaft wird zur Entlarvung von Nazis und Pädophilen übrigens niemals angewendet!)

Souvenir, geklaut am G20-Knast in Harburg
Absurderweise wurde dort der mit Natodraht gesichterte Massivzaun mit läppischen Absperrbändern gesichert, sichere Sache, das …

 

Und machen wir uns bloß nichts vor: Selbst wenn Gerichte zur Wahrung der Grundrechte diese Verbotszone einkassieren, sind Polizeiaufgebote in Hamburg in den vergangenen zwanzig Jahren nicht durch eklatante Rechtstreue aufgefallen.

Das eigentliche Problem sind aber gar nicht die Demonstranten, es sind die Staatschefs. So konnten wir bereits in der Zeitung lesen, dass die Personenschützer von Trump Demonstranten erschießen werden, sobald der Konvoi des Präsidenten durch eine Sitzblockade zum Stehen gebracht wird. Denn ein Stillstand der Präsidentenlimousine wird als Angriff gewertet und zur Verteidigung des trumpen Trottels wird nicht lang gefackelt, da sind alle Mittel Recht. Ok, den Amis wurde der Wermutstropfen nachgeschenkt, dass amerikanische Verhältnisse so in Deutschland noch nicht erlaubt sind, mit ’ner Kugel im Kopf (Verzeihung: im Rücken, amerikanische Verhältnisse) hat man davon allerdings wenig …

Nachdem Nobelhotels Charakter gezeigt und eine Unterbringung Trumps abgelehnt haben, kommt er nun im Gästehaus des Senats unter. Zu diesem Zweck werden eigens mitgebrachte Kriegsdrohnen über Hamburg kreisen, die aus fünf Kilometern Höhe jedes Gesicht identifizieren können, wie es heißt. Wozu das nötig ist, wird uns nicht verraten. Was diese Drohnen sonst noch leisten können, auch nicht.

Um andere Vollverrückte aus Unterdrückerstaaten und Diktaturen, wie etwa China, Russland und der Türkei, ist es im Vorfeld des Weltgipfels der Größenwahnsinnigen 20 erstaunlich still. Dabei müssen wir uns wegen denen ganz besonders Sorgen machen. Denn eine besondere Gefahr für unsere demokratischen Grundrechte geht vom Tross der jeweils bis zu 600 Mitarbeiter aus, die etwa Putin und Erdogan begleiten. In der Hauptsache handverlesene, linientreue Idioten, die immer wieder auffallen, weil sie gewalttätige Arschlöcher sind, die Demonstranten verprügeln oder Journalisten auf’s Maul hauen, wenn die eine unbequeme Frage stellen.

Hamburger Innenbehörde und Polizeiapparat versorgen uns zwar fast täglich mit gewaltbereiten Extremisten, die zu tausenden nach Hamburg kommen werden, um hier Anschläge zu verüben. Von der Kehrseite erfahren wir nichts: Neben dem Tross gehirngewaschener Schafe, die jeden Staatschef begleiten, wäre es mal interessant zu erfahren, wie viele Sicherheitsleute, Spitzel und Kollaborateure bereits seit Wochen nach Hamburg eingeschleust wurden, um Dissidenten einzuschüchtern, um Kritiker mundtot zu machen, um Presse und öffentliche Meinung zu manipulieren. Kurzgesagt, um die Lage zu sondieren.

Und die Lage meint: Uns.

Uns, die wir nicht einverstanden sind mit dem politischen Affenzirkus, bei dem die eigentlichen Feinde stets die eigenen Völker sind. Diesen Gipfel mitten in einer Millionenstadt abzuziehen, ist nicht nur der Gipfel, bei dem hunderte von Millionen Euro verbrannt werden. Das hat vor allem den einen Sinn, dem Volk durch Unterdrückung klarzumachen, wer die Macht im Staat hat. Auf einem Flugzeugträger könnte man so einen Gipfel elegant ohne großartige Sicherheitsprobleme über die Bühne bringen – man würde aber nie herausfinden, wer auf welcher Seite steht. Denn letztlich kann man die Gesinnung eines Menschen eben doch nicht von außen erkennen. Hier soll mitten in Hamburg die Niederschlagung sozialer Kämpfe der Zukunft geübt werden!

Lasst euch nicht einschüchtern!

Geht am 06., am 07. und am 08. Juli auf die Straße!

Tut euch mit anderen zusammen. Bildet Banden. Blockiert jede Kreuzung der Innenstadt.

Wir sehen uns!

 

Die Aktionen und Kampagnen zu den vielfältigen Protesten gegen G20
sind seit Wochen sehr unübersichtlich,
einen ganz guten Überblick verschaffen die Seiten

No G20 2017

G20 Demo

G20 Protest

 

Die Plakataktion La Grande Plakastrope von giraffentoast
läuft noch bis zum 19. Juni. Noch ein paar Tage Zeit also,
ein Plakat zurechzufummeln und einzureichen.
Die 20 stärksten Motive werden gedruckt
und in Hamburg an die Wände geballert.

 

(Du hast es bemerkt: Bei meinem Entwurf „Unhappy Meeting“ handelt es sich um ein Zitat nach dem Song „Unhappy Birthday“ von The Smiths.)