Street-Art-School Hamburg

Heute war (bzw. ist noch ein paar Stunden) Sommerfest der Street-Art-School Hamburg. Dazu gab’s eine große Ausstellung, viel selbstgebackenen Kuchen, 4 Milliarden Sticker (meist gegen Spende), Live-Malerei auf dem Parkdeck, Schnupperkurse in Siebdruck und Stencil und einiges andere mehr …

Ein paar Eindrücke:

Streetartschool-web
Label der Street-Art-School mit Kleisterbürste, Cutter und Sprühknopf

 

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Das großzügige Treppenhaus dient als Galerie

 

 

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AIN-03-web AIN-02-web AIN-01-webWerke von AIN –> vgl.: MS Artville 2016

in-Arbeit-01-web in-Arbeit-02-webin-Arbeit-03-webStencil-web Stencils_und-boese--web Hall-of-fame_Pasteups-Sticker-webAuf dem Parkdeck gibt’s Wände zum (legalen) Malen und eine Hall of Fame mit massenhaft Pasteups …

Auf dem Rückweg verschlug es mich wieder  in die U-Bahn Feldstraße. Da war ich neulich also genau im richtigen Augenblick vor Ort. Wenn in fünfhundert Jahren Archäologen die Station ausgraben und die Farbreste aus den Fugen kratzen, werden sie auf eine ursprüngliche Bemalung der Wände schließen. Sie werden daraus ableiten, dass ganz sicher alle Bahnstationen bunt bemalt waren, weil die Gesellschaft zu Beginn des 21. Jhds eine fröhliche Gemeinde war, die von Farbe gar nicht genug kriegen konnte.

Fugen_Ueberreste-web–> vgl.: Berlin Kidz in Hamburg

Street-Art-School
St. Pauli Karo Schanze
 Rindermarkthallen
 Neuer Kamp 31 / Neuer Pferdemarkt / Aufgang D
 20359 Hamburg

street-art-school.de

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Marlen Mose: Fachbeauftragte für Kunst-Demenz

Im Hamburger Wochenblatt ist wieder einmal vom Banksy in der Hamburger Neustadt zu lesen. Ich hatte bereits zweimal dazu geschrieben (Endlich: Banksy in Hamburg gecrosst / Spiegelberger, Pate der Kunst, kurz: Banksy,-)

Bemerkenswert am aktuellen Artikel im Wochenblatt ist nicht nur, dass ein Gastwirt in der unmittelbaren Umgebung zum Graffiti ernsthaft behauptet, er würde von dem Ding leben, weil zahlreiche Besucher allein wegen des Banksys kämen.

Das nenn ich mal ein Armutszeugnis, denn das sagt dann ja alles über seine gastronomischen Fähigkeiten. Ich jedenfalls besuche eine Gaststätte, weil das Essen gut ist oder die Atmosphäre stimmt, nicht weil nebenan ein Bild hängt.

Benenn deinen Laden doch gleich um in „Zum Banksy“, „Banksy-Grill“, „Banksys Fischbude“ oder „Banksy-Döner“. Und für die ungefragte Nutzung des teuren Künstlernamens erhebst Du einfach 2 Euro Preisaufschlag pro was-auch-immer-Du-da-verklappst. Verkauf Poster und Postkarten vom Graffiti. Und Kassier von den Touristen Gebühren fürs Fotografieren!

Quatsch, Mann, wenn Du eh von der Kunst lebst, mach doch einfach ne Galerie auf!

Bemerkenswert ist einmal mehr, in welcher Weise sich die Spiegelberger Stiftung in dieser Sache aufdrängt. Die hat das Werk ja längst per Acrylglasplatte und Holzvernagelung und dem Vorschlag, es in die passend überteuerte Hafencity zu verlegen, für sich vereinnahmt.

Jetzt glänzt die Spiegelberger-Stiftung auch noch mit einer Fachbeauftragten für Kunst-Demenz: Marlen Mose. Mit Kunstverstand ist sie nicht gesegnet. Und von streetart hat sie offensichtlich einfach keine Ahnung.

Denn zum Bedeutungsunterschied zwischen Banksy und OZ weiß sie ziemlich dumm anzumerken:

“ (…) Oz habe immer nur sein Signet verwendet, das sei nicht besonders kreativ. Banksy hingegen mache in seinen Arbeiten auf politische Zusammenhänge aufmerksam, „das ist bei Oz nicht der Fall“.

In Zukunft halten wir es einfach so: Für solche Erkenntnisse braucht niemand eine Stiftung, da fragen wir einfach meine Oma!

  • Wie bemisst Frau Mose einen kreativen Akt?! (Nein, ich möchte das nicht ernsthaft wissen.) Nach ihrer beschränkten Auffassungsgabe ist das Schwarze Quadrat von Kasimir Malewitsch jedenfalls auch nicht besonders kreativ.

  • Die Tante hat offenbar keine Ahnung von Walter Josef Fischers Werk, sonst wüßte sie, dass Oz nicht nur oz-getaggt hat, auch wenn die Stadt hunderttausendfach voll davon ist!

  • Bei jeder günstigen Gelegenheit hat Oz riesige Bilder gemalt. Bunt, fröhlich, minimalistische und abstrakte Feuerwerke aus Smileys, Strichen und Pünktchen, vor Kreativität sprühend, strotzend, explodierend!

  • Jedes Tag, jeder Kringel, jeder Smiley, jeder Sticker, jedes Mural von OZ waren und sind ein politisches Aufbegehren gegen die bestehenden Verhältnisse!

  • Die politische Botschaft des Lebenswerkes von OZ (das Thema habe ich im Nachruf auf OZ angerissen) bestand und besteht eben nicht in aktuellen Ereignissen, sondern in der Arbeit selbst. Um solch einen Gesamtzusammenhang zu erkennen und zu deuten, braucht es Verstand …

… was mich wieder einmal zu der Frage führt:

Was, zur Hölle, ist so schwer daran, sich mit Dingen zu beschäftigen, von denen man ein wenig Ahnung hat!


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2 Tipps für Anarchisten

  • 1.Tipp: Telekom verarschen

Im Sommer hat die Telekom unter dem Motto „Aus Grau wird bunt“ die kotzhäßlichen Verteilerkästen, die jedes Stadtbild veröden (und oft voll bescheuert im Weg herumstehen), zur Gestaltung freigegeben. Feines Ding, sollte man denken. So offen ist die Telekom dann aber dann doch nicht, dieses Angebot ohne Pferdefuß zu unterbreiten. Immerhin hält die sich immer noch für die Post, im Geiste also für eine Behörde.

Wer einen grauen Kasten bemalen möchte, muss bei der Telekom einen Entwurf einreichen. Damit unterliegt jede Bemalung nicht nur den ästhetischen Launen der Telekom, die uns künftig vorschreibt, was wir im Straßenbild zu sehen bekommen, sondern zwangsläufig auch der Zensur. Es ist also absehbar, dass auf grauen Kästen künftig massenhaft hübsch gepinselte Belanglosigkeiten zu sehen sein werden.

„Die Gehäuse dürfen nur mit ethisch sowie politisch und religiös neutralen Darstellungen gestaltet werden“, wie es im Flyer heißt. Nichts Kritisches also, nichts, an dem der Geist entbrennt.

„… die bunten Kästen sehen eindeutig schöner aus! Und schrecken nebenbei den ein oder anderen Möchtegern-Graffiti-Künstler davon ab, seine Spuren auf den Gehäusen zu hinterlassen,“ heißt es im blog der Telekom. Das sagt eigentlich alles. Aber die Telekom legt noch eine putzige Entlarvung obendrauf: „Damit der Look der Kästen nicht „verschlimmbessert“ wird, haben die Kollegen schon noch ein Auge darauf, was die kleinen und großen Künstler da vorhaben.“

Außerdem dürfen keine Lacke verwendet werden, sondern nur Dispersionsfarben. Ich hab zwar noch keinen Kasten entdeckt, der von Lack in die Knie gezwungen wurde. Aber ich bin offen für Experimente  und habe versucht, das Phänomen zu ergründen: Allerdings ist es mir nicht gelungen, selbst unter 24 Lackschichten einen der grauen Kästen aufzulösen – oder auch nur anzulösen. 

Es dürfte also um die Haltbarkeit gehen: Lack kriegste nicht so ohne Weiteres wieder ab – Dispersionsfarben schon. Die Telekom hält sich also bloß ein Hintertürchen offen, falls es ihr eines Tages doch noch zu bunt wird mit ihrer fröhlichen Idee …

Und jetzt der Tipp, wie die Sache trotz der eingebauten Haken und Ösen richtig gut werden kann:

Machs wie ich. Reich einen total banalen Entwurf ein, den Du in jedes katholische Altenheim pinseln könntest, ohne dass Opa sich einnässt. Wenn Du deine Genehmigung hast, malst Du aber einfach das, was Du willst!

Und wenns (hinterher) Probleme gibt, zuckst Du locker mit den Schultern und sagst:

„Hm, ich hab noch gar nich angefangen.“

Verstehste? 😉

Auf eine heftige Unverschämtheit soll noch hingewiesen werden: Wenn wir der Telekom großzügig zugute halten, dass denen endlich mal aufgefallen ist, wie beschissen ihre sogenannten Multifunktionsgehäuse aussehen – warum lassen sie sich die Aufwertung ihrer Kästen, die sie absichtlich in voller Hässlichkeit in alle Städte stellen, schenken! Die Telekom ist ein Milliardenkonzern, der hier aufs Asozialste Künstler und die Kunst ausbeutet und sich darin noch einen jugendlichen, toleranten Anstrich verleiht!

 

  • 2. Tipp: Neues Alarmsystem verarschen

Um Graffitisprayern das Leben schwer zu machen, wurde ein Alarmsystem entwickelt, welches auf das Klackergeräusch der Dosen anspringt. Einmal geschüttelt, und alle Scheinwerfer gehen an und die Polizei wird direkt informiert.

Dieses Alarmsystem enttarnt selbstverständlich nur Anfänger oder ausgesprochene Vollidioten, an denen die Erfindung des Magneten vorübergegangen ist. Ein kleines Ding am Boden der Kanne lässt jeden Geräusch verstummen: System außer Kraft gesetzt und verarscht. 

Noch schöner ist es allerdings, das Alarmsystem ad absurdum zu führen, indem man ständig leere Dosen mit sich führt und fleißig schüttelt. Es gibt doch diese handlichen kleinen Hosentaschendosen, die sind eh schnell leer gemalt. Kanns kaum abwarten, bis so ein Alarmsystem in Hamburg eingeführt wird. Bin schon gespannt, wie viel Fehlalarme es braucht, um das Ding abzuschalten …

Nicht zu vergessen, die geräuschlosen Methoden der Streetart: Marker, Pasteups, Sticker usw. …

Pasteups
3 Pasteups an einer gammligen Tür in Kassel

 

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Neues Buch: Es geht auch ohne Elke, Elke

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  • Sprache: Deutsch
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