Flaken: Prof. ind (Antritt & Leistungsschau I)

Zur Antrittsvorlesung meiner Professur für Seltsamkeitsforschung (Prof. ind) hatte ich ausdrücklich für morgens drei Uhr achtzehn sine tempore geladen. Und zwar an einem Wochentag cum tempore. So stand es in der Einladung, in serbokroatischer Spiegelschrift, als Halbseite in der auflagenstärksten deutschen Zeitung (21 Mio Leser pro Monat, vgl. hier), der Apotheken Umschau, offizielles Organ und Amtsblatt magisterium investigationem novis doctrina (Prof. ind, umgangsprachlich: Pro-find).

Obwohl diese Anzeige von der Universität Hamburg auf Vorschuss bezahlt wurde, hatte niemand damit gerechnet, dass ein frisch ins Amt gehobenes Pro-find zur Arbeit gehen würde. Meine Schlüssel hatte ich mangels Kleingeld einem Obdachlosen in den Kaffee geworfen (kleine Verwechslung der Becher) und stand nun dumm da. Vor verschlossenen Türen. Keine Kollegen. Kein Präsident mit einem Strauß Blumen und einer Flasche Cognac. Nicht einmal der besoffene Hausmeister. Ich brach aus einem Zaun einen als Brecheisen geeigneten Hebel und machte mich an der Tür zu schaffen, es wäre nur eine von vielen Türen gewesen, um zu meinem Fachbereich vorzudringen.

Darauf machte ich auch die Polizisten aufmerksam, die mittlerweile an meinen Armen rupften, sogar an denen, die ich zur Zeit gar nicht zum Einbruch nutzte, den Beinen. Ich händigte umgehend eine Kopie meines Freischwimmabzeichens, viereinhalb lebende Seepferdchen und die Gewinnbenachrichtigung über eine Packung Nährflocken aus. Ich belehrte die Polizisten, keinesfalls den falschdeutschen Begriff Cornflakes zu Protokoll zu nehmen, auch Getreideflocken wäre nicht ganz richtig. Wegen der vielfältigen Zutaten, allen voran andere Früchte imitierenden falschdeutschen Cranberries, die entweder falschdeutschrichtigkorrekt mit einem Ypsilon geschrieben werden sollten, tatsächlich aber Kranbeeren heißen, noch treffender allerdings Großfrüchtige Moosbeeren.

Cranberries sind einer unerwünschten Seltsamkeitsfluktion geschuldet, genauso wie Crapefruit, Orange und Keks und unverzüglich aus dem Englischen bzw. artifiziellen Bahlsensprech in ihre Urzu- bzw. Deutschstände zu transkribieren. Ich diktierte also: Pampelmuse, Apfelsine und Plätzchen.

Um Getreideflocken handelt es sich streng genommen allein bei Haferflocken, die allerdings diese falschdeutschrichtigdeutsche Bezeichnung tragen und besser zunächst als oatsflakes im Handel etabliert werden sollten, woraus erst anschließend der korrekte Begriff Haferflocken herzuleiten wäre.

Allerdings wäre auch das nicht ganz richtig, denn Flocken besitzen tendenziell die Eigenschaft zu schweben. Weshalb ich als folgerichtigen Logischen Ismus den Begriff Flaken in der Apotheken Umschau amtlich machen werde. Das klingt flach, abgelatscht, nicht unbedingt lecker und schon gar nicht besonders nahrhaft oder gar gesund. Ich habe bereits Flakenkundler aus Norwegen, Bangladesch und den anthroposophisch unterwanderten Teilen Chiemgaus zu einem Symposium geladen. Teilweise sind das Frauen, die ausschließlich an Eigenmilch examinieren.

Das Stück Zaun wurde als Beweismittel beschlagnahmt. Zur Quittierung zückte ich meinen blauen Verwirrstift in gelb. Ich unterschrieb nicht, ich händigte den Verwirrstift direkt aus und bemerkte mit didaktischem Fingerzeig, da drin enthalten seien, physikalisch betrachtet, haufenweise meiner Unterschriften. Falls ich der Unterschriftsforderung damit nicht Genüge geleistet hätte, sollte die Polizei mir das mal beweisen. Ich ließ mir die Überlassung des Verwirrstiftes auf einem eigenen Formular in Form eines vor Ort flach getretenen Kartons durch Anheften einer Dienstmütze quittieren.

Was die Polizisten alles in allem nun ganz und gar nicht begriffen haben:

Das war die Antrittsvorlesung.

Die gegen mich aufgenommene Anzeige, das irgendwann folgende Gerichtsverfahren, die Beschäftigung der Anwälte mit entsprechendem umfangreichem Schriftverkehr, all das werden die profunden Pro-find-Belege, welche ich zur Rechtfertigung meiner Besoldung zur Ablage und Archivierung in die Universität karren werde.

Das Ergebnis des Flakensymposiums wurde inzwischen als viel beachteter Fachartikel in der Apotheken Umschau publiziert, im Themenheft Wasser im Knie, ein Nachdruck erschien jüngst unter dem Titel

SELTSAMKEITSBEGIERDE

Naturblöde Maschinengötter, lachzahnende Wackeltränen, tüntelige Zwingtyrannen, lunzende Ausländereien und andere „Ableeviten“ (FranH), auf gut Deutschdeutsch

im Hauptquartier der exkrementellen Novelle. Wertvolle Mitarbeit leisteten die Studenten des ersten Semesters: Christopher Ecker, Dominic Angeloch, Dennis Neobauer, Frank Heibert, Ingeborg Arlt, Jens Marder, Karl-Heinz Heydecke, Klaus Servene, Marcus Neuert, Martin Auer, Michael Stavarič, Necrogol, Pieke Biermann, Pigor, Sebastian 23, Tobias Premper, Rolf Schönlau und Prof. ind Iven Einszehn doppelund Daniel Ableev und ünde: Daniel Ableev, Daniel Ableev, Daniel Ableev.

Nachdruck Fachartikel Seltsamkeitsbegierde

Apotheken Umschau

 

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ZENEST

In meinen steuerfreien Zweitwohnsitzen — Zentrale für Experimentelles und Headquarters for Experimentalism — haben Daniel Ableev und Sarah Kassem zwei Jahre und einen Viertelmittwoch lang ein neues WunderWerk der ___________  [fehlendes Wort beim Bundesministerium für Brauchtum, Völkerentfremdung und Neofaschismus, kurz: Heimat einreichen] zusammengeleimt: ZENEST. ZENEST ist nichts weniger als das. Frau Klaißt spielt darin eine zentrale Rolle, indem sie besucht wird. In Laumhain 8. Ein selten angewandter Plot, dem sich gleich 10 Künstler angenommen haben. Man erkennt daran recht schön, dass Künstler nichts Besseres zu tun haben. Lippustikseminare, XalurGogje, ein anderthalb Meter großer Thesaurus (hoch oder breit, man weiß es nicht) und anderes Lähmzeug, das ist ihre Aufgabe, der sie sich verschroben. Leben. Inhalt. halt.

Hier die Ausgabe zum Kaufen, sie ist haptisch und bunt:

Und hier als Sozialrabatt zum Blättern, diese Ausgabe ist auch bunt, aber so flach, dass sie bequem auf digitale Bildschirme passt:

Iven Einszehn: „Lippustin“
Einer meiner Vierträge in ZENEST. (Kann man ausmalen, befreit den Geist.)

ZENEST, dritter Band in der Bibliothek für Experimentelles,

von und mit:

 

ZENEST
Daniel Ableev und die ganzen Anderen

64 Seiten
CreateSpace Independent Publishing Platform (auf deutsch: Amazon)
ISBN: 978-1986142366
€ 10,-

Amazon
Novelle - Zentrale für Experimentelles
Novelle - Bibliothek für Experimentelles

 

(Übrigens plane ich seit kommendem Donnerstag die Herausgabe von ANTINEST-Z, dazu brauche ich 10 Autoren, die mir irgendwelche Geschichten geben (bitte nicht zu lang, ich muss den Scheiß lesen), woraus ich dann exakt eine Illustration mache. Bin halt andersrum. Keine Honorare. Keine Belegexemplare. Keine Sozialrabatte. Bunt auchnich. Dafür garantiere ich, dass ANTINEST-Z praktisch nicht gekauft werden wird. Nicht einmal von Blutsverwandten.)

(Außerdem in Überlegung: das Kondolenzbuch für Experimentelles.)

 

Novelle in der Traumathek

Die Novelle / Zeitschrift für Experimentelles

präsentiert Einblicke ins Gesamtwerk

Texte & Tracks von Novellisten
vorgestellt von Daniel Ableev & Dennis Mombauer
07. 12. 2017 | 20:00 Uhr
Traumathek | Engelbertstraße 45 | 50674 Köln
Traumathek
Die Novelle

Neuigkeit aus dem Hauptquartier

Die CD für Experimentelles ist erschienen:

 

(Mein Beitrag „Gegendarstellung“ ist der Radio-CD mit Norbert entnommen,

erstveröffentlicht 2016 in exakter Auflage von 4 Exemplaren —

zur Förderung der geistigen Gesundheit

ausgeliefert an ausgesuchte Bewohner der DDR …)

Tracklist:

  1. BRUTAL GOD – Done is Done
  2. CORNELIUS VAN ALSUM – In unserem Wäldchen
  3. [BON] BON CHOVY – Die Königin von Samarkand
  4. ALEX DREPPEC – Masochist Marsh
  5. THE SLOW POISONER – WeirdWood
  6. KRAUTJUNGE UNITRA – Bad Acid Trip
  7. A.J. WEIGONI feat. SCOREDRETH – Horror
  8. FAN HSIU SHINO – Der russische Zar_Pisse im Ohr
  9. FORSCHUNGSGRUPPE KUNST – DADA feat. TAPIR
  10. FRITZ WIDHALM – whynot
  11. DEPUTY CAT – Deep in the Woods
  12. HARALD KAPPEL – Verlesung der Anklage
  13. A TRUE ROMANCE – Smash the Steps
  14. IVEN EINSZEHN – Gegendarstellung
  15. KAI G. KLEIN – Die Kugel des Prometheus
  16. KANNKIND – Undenkwürdige Tage
  17. KLAF-XAVER ROMBY – Schmu
  18. TOT AUS DEM WALD – Der Wille zum Nichts
  19. MARIO GUIDA – EV#30 MD#A13 BL#A2
  20. MOGO – Albtraum des Steptänzers
  21. MATHIAS PFEIFFER – Audiobooks
  22. MICHAEL ARNZEN – Audiovile_Obictionary
  23. MW LUDWIG – Ein Krimi
  24. SÖREN HEIM – Wunderbare Reise
  25. STEPHAN WEIDT – Foto an der Wand
  26. THOMAS GLATZ – Außerirdischenvorfall
  27. DIE SCHWADVÖGEL – Haumbrass

 

CD für Experimentelles | 68 min.
Compilation by: Novelle - Headquarters for Experimentalism
Curated by Daniel Ableev
Design & Layout: Sarah Kassem
AMAZON
Novelle
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Tagestipp für den 11. Juni:
Daniel Ableev zu Gast an der Freien Universität St. Georg 
(Sebastian Krämer & Michel Abdollahi)
Polittbüro Hamburg

 

 

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