Martin stinkt

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Neu: Iven auf Twitter

 


Warnung:

 

Der Kauf dieses Buches wird mit Lesen nicht unter 114 Seiten bestraft!

Elke-cover-vorn

Erhältlich bei Amazon für € 6,01


Art Attack Altona IV

Bergiusstraße / Altona

19.09.2016

15 Uhr:

19 Uhr:

Iven Einszehn: "Streetart-Malbogen"
Iven Einszehn: „Streetart-Malbogen“
Offsetdruckfarbe (Druck von Trittschalldämmung) auf Papier
H 72 x B 102 cm
Iven Einszehn: "Fuck the Art Fuck the Artist Please"
Iven Einszehn: „Fuck the Art Fuck the Artist Please“
Offsetdruckfarbe (gespachtelt und Gummidruck), Marker und cutout auf Papier
H 100 x B 70 cm

Wand ist nicht gleich Wand

Zur Streetart-Aktion ART ATTACK in der Bergiusstraße

Schon lange störe ich mich daran, dass einschlägige Graffitimagazine und Streetartportale bevorzugt hochwertige Arbeiten publizieren. In dieser extrem fokussierten Sicht- und Darstellungsweise wird 99% dessen, was an Wände gemalt, geschrieben, getaggt, geschmiert, geklebt, montiert, eingeritzt und wie auch immer in den öffentlichen Raum gebracht wird, ignoriert und ausgegrenzt.
Das Phänomen Streetart lässt sich nur in seiner Gesamtheit begreifen. Denn es geht in der Streetart grundsätzlich nicht darum, der Umwelt etwas Schönes hinzuzufügen, das ist vielmehr ein positiver Nebeneffekt. Es geht vorrangig darum, sich den bestehenden Verhältnissen zu widersetzen, es geht um Einmischung, um Widerstand, um Vereinnahmung. Und die ist vielfältig. Da beteiligt sich jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten oder Bedürfnisse. Auch Streetart will erlernt sein, muss geübt werden. Dass da zunächst viel Müll bei rauskommt, ist logisch, jedenfalls wenn man sich nicht die Mühe macht, im stillen Kämmerlein zu üben. Genauso logisch ist es, dass aufgrund der Illegalität oft schlicht die Zeit fehlt, um ordentlich zu arbeiten. Vieles muss viel schneller gehen, als es einem lieb wäre.
Manchem geht es schlicht und ergreifend auch überhaupt nicht darum, in irgendwie anerkannter Weise gut, gelungen oder hübsch rüberzukommen. Wenn es mir um Sachbeschädigung geht, muss ich mir ja nicht die Mühe machen, ein herausragendes Piece an die Wand zu bringen! Wenn ich meinen Frust loswerden will, habe ich schlechte Laune – und schlechte Laune in Kunst umzusetzen, das gelingt nicht einmal arrivierten Künstlern immer gut.
Wer sich für anarchistische Kunst interessiert, dem wird aufgefallen sein, dass die Schanze und Altona die Hamburger Hotspots der Streetart sind. Mit folgendem Unterschied: In Altona muss man etwas länger suchen, um eine schöne Arbeit zu finden. Mancher Straßenzug ist komplett mit Schrott zugeballert und sieht einfach nur nach kleinschwänziger Scheiße aus. Hier tappt man allerdings leicht in die ästhetische Falle der eigenen Vorstellungen: Man sollte den Schlachtruf „Das Viertel bleibt dreckig“, den man in Altona hin und wieder findet, in seiner kämpferischen Bedeutung kapieren. Gegen kapitalistische Verwertung, gegen asozialen Immobilienbesitz und Gentrifizierung ist vorsätzliche Hässlichkeit ein probates Mittel. Auch wenn nicht jeder als Politaktivist zur Spraydose greift, wird dennoch jeder Bestandteil dieser politischen Geschichte.
Manchmal trifft es aber voll die Falschen. Das beschissen zugetaggte Haus in der Bergiussstraße, dessen Fassade ich seit einer Woche in einer Qualitätsoffensive mit Kunst bereichere, ist so ein Fall. Hier handelt es sich um keine Immobilie, die es anzugreifen gilt, sondern um ein Wohnprojekt. Die Vereinsmitglieder haben das Haus einer kapitalistischen Verwertung entzogen. Sie besetzen damit dauerhaft wertvollen Baugrund, der nicht aufgewertet werden wird. Dieses Haus ist eine alternative Enklave inmitten eines Stadteils, der zunehmend abgerissen und neu hochgezogen wird.
Ich bin von den Bewohnern in der Bergiusstraße um nichts gebeten worden. Vielmehr habe ich festgestellt: Das sieht Scheiße aus, das will ich ändern. Mit meiner geballten Ladung Kunst verbinde ich nicht den Anspruch, andere hätten mit ähnlichen ästhetischen Konzepten aufzuwarten.
Allerdings verbinde ich damit den Anspruch, etwas geistvoller vorzugehen. Es ist in diesem Land erlaubt, selbst zu denken und kluge Entscheidungen zu fällen. Wand ist nicht gleich Wand!

NACHTRAG:

Ich konnte mein Projekt nicht beenden. Eine Bewohnerin der Bergiusstraße hat das verhindert. Mit dem einfachen Argument: „Ich will das nicht, weil ich nicht gefragt wurde,“ hat sie jegliche Bereitschaft, sich auch nur ansatzweise mit meiner Arbeit und der konstruktiven Intension zu beschäftigen abgelehnt.

Abgesehen davon, dass ich mich nicht zum Spielball interner bescheuerter Machtspielchen machen lasse, bewegt sich diese Art und Weise des Denkens, Argumentierens und Handelns vollkommen auf geistigem AfD-Niveau!

Als Künstler mag ich mich mit dem unfertigen Ding nicht abfinden. Halbe Sachen sind nicht meine Welt. Als Perfektionist funktioniere ich vielmehr nach dem Motto DOPPELT ODER NICHTS.

In diesem Sinne gebe ich mich geschlagen. In künstlerischer Konsequenz fordere ich alle taggenden Kollegen dazu auf, über meine Werke drüberzugehen und den Urzustand der Fassade wieder herzustellen.

TAG IT!

CROSS IT!

WAITING FOR GREAT BOMBINGS!




Siehe --> Art Attack Altona I
Siehe --> Art Attack Altona II
Siehe --> Art Attack Altona III


			

Art Attack Altona III

Bergiusstraße / Altona

16.09.2016

16 Uhr:

19 Uhr:

 

 

Bild ohne Zeichnung 3
„Bild ohne Zeichnung 3“ (Hängt unterm „Pimmel-Puma“)
vgl.: –> hier

 

 

Siehe --> Art Attack Altona I
Siehe --> Art Attack Altona II
siehe: --> Art Attack Altona IV

Vorschau Art Attack Altona II

produktion-artattack-ii-web
Iven Einszehn: Produktion: Blick ins Atelier.


siehe: --> Art Attack Altona I
siehe: --> Art Attack Altona III
siehe: --> Art Attack Altona IV

Art Attack Altona I

Bergiusstraße / Altona

12.09.2016

15 Uhr:

17 Uhr:


Die Wand muss voller werden. Nächste Woche geht’s weiter. Vielleicht entdeckt bis dahin jemand die Gelegenheit, seine  Kunst dazu zu kleben — Platz ist genug …


„ART ATTACK – REAL STREETWOK“

Lack und Marker auf Papier / cutout | H 105 x B 70 cm

vgl.: –> Dirtygrafie


Iven Einszehn: "Empty Nr.1"„Empty Nr.1“
Lack und Marker auf Papier / cutout
H 82 x B 67 cm


„Empty Nr.2“
Marker auf Buchseite/ cutout
H 33,5 x B 26,5 cm


OLYMPUS DIGITAL CAMERA

„Tribute to OZ (zweiteilig)“
Offsetdruckfarbe auf Papier (Druck von Trittschalldämmung)

vgl.: –> OZ


„Vincent 34“
Linoldruckfarbe und Marker auf Papier / gerissen
H 34 x B 29 cm

vgl.: –> Vincent


„Fischgrätenfische“
Offsetdruckfarbe auf Buchseiten (Gummidruck) /gerissen oder cutout
vgl.: –>
KUNSTANSTALT HAMBURG


 

o.T. (frech)

Linoldruckfarbe (Abklatschzeichnung) und Marker auf Papier

H 48 x B 44 cm

vgl.: –> Bilder


siehe: --> Art Attack Altona II
siehe: --> Art Attack Altona III
siehe: --> Art Attack Altona IV

Spiegeleier auf der Veddel

Spiegeleier sind in der Kunst ein eher vernachlässigtes Sujet. In Hamburg zumindest gibt es einen Vertreter, der sich dem Spiegelei verschrieben hat, zu finden am ehemaligen Zollamt an der Tunnelstraße in Veddel, unweit der Veddeler Fischgaststätte.
Die Veddeler Fischgaststätte gilt als Kult, ich rate aber dringend davon ab, die homepage anzugucken, um herauszufinden, wie man da hin kommt. Der Kartoffelsalat auf den abgebildeten Mahlzeiten (hübsch angerichtet mit einer Viertelzitrone!),  sieht aus wie Schleim oder Albinokotze. Würde auf der Speisekarte der Kartoffelsalat nicht erwähnt, man käme kaum drauf, was das für eine Pampe auf dem Teller sein könnte. Mit Bratkartoffeln müht man sich dort nicht ab, da landet alles in der Fritteuse, es gibt also höchstens Pommes als alternative Beilage.
Mir haben über die Jahre mindestens fünfzehn Leute, die niemals dort essen waren, versichert, wie großartig es da wäre, überhaupt wäre die Veddeler Fischgaststätte die letzte Kaffeeklappe Hamburgs, die bestimmt bald dichtmacht, weil seit Jahren in Hamburg ja alles den Bach runtergeht. Deshalb würde man dort seit Jahr und Tag regelmäßig  jeden Sonntag mindestens zwei Portionen Fisch verzehren. Und immer auch was für zuhause mitnehmen. Der Laden hat aber am Wochende gar nicht geöffnet. Auch abends nicht. Eigentlich nur zu Zeiten, die sich hauptsächlich Hartz-IV-Emfänger leisten können, von 11:00 – 17:45. Wer es ausprobieren möchte, Adresse siehe unten.

 

OZ an der Veddeler Fischgaststätte

Immerhin: Wer sich nicht die Mühe macht, Bratkartoffeln zu brutzeln, macht sich auch nicht die Arbeit, einen OZ überzupinseln.

Zurück zu den Spiegeleiern: Wenn man sich als Passant oder Radfahrer durch das Baustellenchaos an der Tunnelstraße begibt, ist man von Absperrungen, Holprigkeiten und Warnbarken so sehr labyrinthiert, dass man die Illegalerie, der man dort neuerdings begegnet, leicht übersieht.
Die Spiegeleier, die einem ins Auge fallen könnten, verkennt man leichtfertig als bloß hingerotzte Kleckse an der Wand ohne Sinn und Verstand. Hat man diese Kleckse aber einmal als Spiegeleier entlarvt, entdeckt man vielleicht, was das eigentlich für eine schöne Idee ist — einfach mal Spiegeleier zu malen. Die gehen flott und sind eigentlich ganz hübsch. Auf jeden Fall lecker.
Wenn man sich also Zeit nimmt für die Spiegeleier, man es also wagt, das Gelände, das man bestimmt nicht betreten „darf“, eingehend zu inspizieren, gibt es viel mehr zu sehen. Da wurden Tücher und Stofffetzen zwischen die Geländer gehängt und genäht, darunter auch Spiegeleier, Installationen wurden gespannt, eine Mauerecke ist plakatiert, ein kleiner Haufen Zeichnungen wurde an den Laderampen, in Fenstern und Türen aufgehängt.
 
Hier fehlt in der Streetart übrigens ein Begriff. Für Plakatierungen und für cutouts, die an Wände geklebt werden, wird pasteup verwendet. Aber für das bloße Aufhängen von Bildern gibt es kein Wort. Wie wäre es schlicht mit hangout?
Illegalerie
mit Spiegeleiern, Installationen, Zeichnungen
ehem. Zollamt | Tunnelstraße/Baustelle | Veddel
Veddeler Fischgaststätte
Tunnelstraße 70 | 20539 Hamburg-Veddel
Mo - Fr. 11:00 — 17:45
OZ
Oz ist nicht tot

Vom Bearbeiten der Bohlen

Morgen in der jungen Welt:

snapshot-junge-welt
snapshot-junge-welt

–> vgl.: Auferstanden aus Ruinen

Street-Art-School Hamburg

Heute war (bzw. ist noch ein paar Stunden) Sommerfest der Street-Art-School Hamburg. Dazu gab’s eine große Ausstellung, viel selbstgebackenen Kuchen, 4 Milliarden Sticker (meist gegen Spende), Live-Malerei auf dem Parkdeck, Schnupperkurse in Siebdruck und Stencil und einiges andere mehr …

Ein paar Eindrücke:

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Label der Street-Art-School mit Kleisterbürste, Cutter und Sprühknopf

 

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Das großzügige Treppenhaus dient als Galerie

 

 

Marshal_Arts-00-webMarshal_Arts-01-web Marshal_Arts-02-web Marshal_Arts-03-web

 

Spass_Invader-web LIEBSEIN-web

 

dAS_OLF-ism_suckz-00-web dAS_OLF-ism_suckz-01-web dAS_OLF-ism_suckz-02-web

 

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AIN-03-web AIN-02-web AIN-01-webWerke von AIN –> vgl.: MS Artville 2016

in-Arbeit-01-web in-Arbeit-02-webin-Arbeit-03-webStencil-web Stencils_und-boese--web Hall-of-fame_Pasteups-Sticker-webAuf dem Parkdeck gibt’s Wände zum (legalen) Malen und eine Hall of Fame mit massenhaft Pasteups …

Auf dem Rückweg verschlug es mich wieder  in die U-Bahn Feldstraße. Da war ich neulich also genau im richtigen Augenblick vor Ort. Wenn in fünfhundert Jahren Archäologen die Station ausgraben und die Farbreste aus den Fugen kratzen, werden sie auf eine ursprüngliche Bemalung der Wände schließen. Sie werden daraus ableiten, dass ganz sicher alle Bahnstationen bunt bemalt waren, weil die Gesellschaft zu Beginn des 21. Jhds eine fröhliche Gemeinde war, die von Farbe gar nicht genug kriegen konnte.

Fugen_Ueberreste-web–> vgl.: Berlin Kidz in Hamburg

Street-Art-School
St. Pauli Karo Schanze
 Rindermarkthallen
 Neuer Kamp 31 / Neuer Pferdemarkt / Aufgang D
 20359 Hamburg

street-art-school.de

Auferstanden aus Ruinen

Zurzeit herrscht in Mecklenburg-Vorpommern Wahlkampf, der Weg über die Dörfer beschert einem keinen entspannten Sonntagsausflug. NPD-Plakate prägen das Straßenbild, manches Örtchen ist derart dominant allein von der NPD zuplakatiert, man könnte meinen, die ersehnte Diktatur wäre dort längst eingeführt. In gewisser Weiser stimmt das sogar, denn manches Dorf hat als Nazidorf traurige Berühmtheit erlangt.

Während die Gemeinde Gägelow praktisch unbekannt ist, gilt der Ortsteil Jamel als das Nazidorf schlechthin, denn die Einwohner machen aus ihrer kruden Gesinnung keinen Hehl. Das Dorfbild ist geprägt von Bekenntnissen der besonderen Art, hier wird unverhohlen dem Nationalsozialismus gehuldigt. Eine völkische Wandmalerei verklärt Jamel zur „frei-sozial-nationalen Dorfgemeinschaft“, ein selbstgebasteltes Hinweisschild weist nach Braunau, den höchsten Punkt dieser „Dorfgemeinschaft“ markiert eine Reichsflagge.

In Jamel hängt nicht ein einziges NPD-Plakat. Hoffnung auf Sabotage besteht allerdings nicht. Auch andere Parteien haben es nicht nötig, in Jamel zu werben, weder für sich noch für antifaschistische Werte. Da stehen die einen wohl auf verlorenem Posten, während andere sich bequem auf der sicheren Seite wähnen.

Mittendrin behaupten sich seit 2004 die aus dem multikulturell geprägten Hamburg-St. Pauli stammenden Birgit und Horst Lohmeyer. Sie zählen nicht zur Dorfgemeinschaft Jamel und sind damit die einzig nennenswerte Gemeinschaft in Jamel schlechthin. Das Paar führt seit Jahr und Tag einen beständigen Kampf gegen die Neonazis in unmittelbarer Nachbarschaft, trotzt allen Anfeindungen und denkt nicht dran, den Ort zu verlassen oder sich der Nachbarschaft zu unterwerfen und den Verstand einzustellen. Die Lohmeyers ergreifen das Wort und suchen die Öffentlichkeit, für ihre Zivilcourage wurden sie unter anderem mit dem Paul-Spiegel-Preis und dem Georg-Leber-Preis geehrt. Seit 10 Jahren organisieren sie das Open-Air-Festival Jamel rockt den Förster und setzen damit und mit allen Teilnehmern, Besuchern und Gästen ein starkes Zeichen gegen Rechtsextremismus.

Vor einem Jahr brannte wahrscheinlich genau für dieses Engagement ihre Scheune. Zum Jahrestag der bis heute unaufgeklärten Brandstiftung wurde am 13.08. ein Mahnmal eingeweiht. Der Schweizer Künstler Harry Schaffer, eng befreundet mit den Lohmeyers, hat am Brandort eine Woche lang aus den verkohlten Eichenbohlen eine vier Meter hohe Pyramide aufgestapelt, die Pyromide, die trotzig ein Kreuz in den Himmel streckt, zum Zeichen des Zusammenhalts und der Widerauferstehung: Auferstanden aus Ruinen und der Zukunft zugewandt. Aus den Abschnitten, die beim Zurichten der Bohlen angefallen sind, hat Schaffer außerdem ein kleines Stelenfeld errichtet, welchem dem Ort eine zusätzliche Dimension verleiht. Denn die Stelen wirken wie eine der Pyromide gegenübergestellte Menschenmenge, die mahnend Wache hält.

01-Harry_Schaffer-Birgit_Horst_Lohmeyer-vor_Pyromide-jw
Harry Schaffer, Birgit & Horst Lohmeyer vor Pyromide
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Pyromide von Harry Schaffer
04-Pyromide_von_Harry_Schaffer-Detail-jw
Pyromide, Detail
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Stelenfeld von Harry Schaffer
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Überrest: Grundmauer der abgebrannten Scheune

Zur Einweihung des Mahnmals hatten die Lohmeyers persönlich geladen, es haben sich gerade einmal knapp 25 Gäste eingefunden. Zwar waren meine Frau und ich nicht eingeladen, dennoch hatte ich unterstellt, im Vorfeld der Berichterstattung über den Bau der Pyromide würden auch andere dieses Ereignis wichtig nehmen und ungefragt anreisen. Denn ein Zeichen zu setzen, wie es die Lohmeyers tun, verdient Beachtung – da braucht man gar keine Einladung, ein solches Zeichen aufzunehmen und durch persönliche Anwesenheit zum eigenen Bekenntnis zu machen, was letztlich auch die Arbeit zweier einsamer Kämpfer stärkt …

… Immerhin folgt in 14 Tagen Jamel rockt den Förster, und dieses Festival-Wochenende bestärkt die Lohmeyers jedes Jahr.

 

Open-Air-Festival Jamel rockt den Förster
26./27. August
u.a. mit Bela B, Madsen und Turbostaat
Tageskarten € 15,- / Wochenendticket € 25,-
Jamel bei Gressow / Wismar
www.forstrock.de
Pyromide und Stelenfeld von Harry Schaffer
www.studioschaffer.ch



Artikel in der jungen Welt vom 23.08.2016

MS Artville 2016

Mit der schlichten Aufforderung Kunstgucken lädt das Musik- und Kunstfestival MS Dockville zu kostenlosen Sonntagspaziergängen übers Gelände nach Wilhelmsburg. Während es musikalisch und bandmäßig erst ab 18. August ein Wochenende lang ordentlich zur Sache geht, ist die Kunst längst schon da. Für MS Artville arbeiten eine Handvoll Künstler im Vorfeld einige Wochen auf dem Gelände — oder sie hängen einfach ihre Bilder in die bereitgestellten Ausstellungskuben.

Ohne das Dekorationselement Kunst, allem voran allen Facetten der Streetart und Urbanart, des Upcyclings und trashiger Auswüchse im Kunstgebrauch wagen sich seit etlichen Jahren Musikfestivals europaweit nicht mehr aus den Startlöchern. Und so ist auch das Dockville-Gelände über die Jahre zu einem KunterKunstGefrickel aus Dauerinstallationen und skulpturalen Baracken geronnen.

Meistens werden die Künstler auf Musikfestivals missbraucht, indem ihre überbordende Kreativität unentgeltlich ausgenutzt wird: Während von keiner Band erwartet wird, kostenlos aufzutreten, „dürfen“ Künstler sich geschmeichelt fühlen, zur Präsentation ihrer Werke ausgewählt worden zu sein. Ausstellungshonorare werden jedenfalls nie gezahlt, trotz zahlender Gäste, die Eintritt abdrücken für ein Musik- und Kunst(!)festival. (Dass manchmal Aufwandsentschädigungen für Reise- und Materialkosten erstattet werden, ist nebensächlich, denn aktive Honorarleistungen werden in der Regel nicht erbracht.)

MS Dockville versteht es immerhin, die Kunst zu einem gleichrangigen Bestandteil des Gesamtereignisses zu erheben. So opulent wie in manchen vorherigen Jahren ist es diesmal allerdings nicht gelungen. Das gesetzte Thema „Eine real-utopische Geisterstadt“ wurde grandios verfehlt, trotz grandioser Kunst, die es hier und da zu entdecken gibt. Eine Geisterstadt gibt es jedenfalls nicht zu entdecken, dafür hier und da krampfhaft aufs Thema hingewixte Laberei; oder sogar gegenteilige Grundsatzbekenntnisse. Dafür zwei Beispiele, nämlich AIN und Plotbot Ken.

AIN

Der Galeriewürfel von AIN hat es mir echt angetan, denn die Künstlerin hat ihn in eine wahre Kunstexplosion verwandelt. Das utopische pseudo-philosophische Geschwafel auf der Erklärtafel ist in ihren Werken allerdings nicht zu entdecken, hier und da mal etwas Totenkopfartiges reinzumixen, genügt da nicht. Besonders tragisch wird es sogar, wenn ich von einem „interaktiven Dialog zwischen Künstlerin und Besucher“ lesen muss. Na, das is ja toll. Falls AIN sich das ernsthaft als Aufgabe und/oder Forderung gesetzt haben sollte, ist dem Mädchen leider entgangen, dass jede Betrachtung eines x-beliebigen Kunstwerkes grundsätzlich einen Dialog mit dem Betrachter darstellt. So geht Kunst nämlich. Meiner Begeisterung für ihre Arbeit tut dieser naive Quatsch aber keinen Abbruch. Ich bin ja selbst Schuld, dass ich immer alles lese und sogar drüber nachdenke. Als Illustratorin hat AIN einen perfekten Blick auf und für den Mix dekorativer und kompositorischer Elemente, die zwar keine Aussage transportieren, dafür aber eine geballte Ladung künstlerischer Kraft. Denn: Komposition ist alles!

Die einzelnen Bildelemente für sich genommen verlieren leider etwas von der Ausdruckskraft, die sich erst im Gesamteindruck ergibt …

… deshalb: Hingehen. Angucken!

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Plotbot Ken

Plotbot Ken hat einen seiner typischen Gasmaskenmänner als Mural auf Dockville verewigt. Maßgeblich kritisieren und prangern die Werke Plotbot Kens gar nicht an, deswegen malt er beständig Gasmasken, Totenköpfe, Raben, Ungeziefer. Die Werke üben sich in Bescheidenheit, sie sollen lediglich zum Nachdenken anregen und als gesellschaftlicher Spiegel fungieren. Aha. Nachdenken: ja, Kritik: nein. Gesellschaftlicher Spiegel — in Form einer Gasmaske? Wenn mir das etwas sagen soll, spiegeln geradezu, aber nichts kritisieren, dann habe ich mit meiner Birne ein schweres Problem. Wahrscheinlich denke ich wieder zuviel, immerhin heißt das Mural „5 Jahre Fukushima“.

Sei es drum: So sind explodierende Kernkraftwerke dann eben Aspekte der Menschheitsgeschichte, denen man einfach mal ganz unkritisch begegnet darf …

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Zum Schluss drei Lieblingshinweise:

Thomas Dambo aus Dänemark, bekannt für seine riesigen Holzskulpturen, war vor Ort und hat aus Altholz einen prächtigen Kopf um eine Birke gezimmert, welche der Skulptur wie Unkraut aus dem Schädel wuchert.

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Darko Caramellos Installation Transforming Mash ist ein echter Geniestreich. Die Installation (seit 2014 entwickelt) lungert wie ein achtlos entsorgter Haufen Müll in einem Gebüsch, bedrängt von einem viel zu dicht herangestellten Zelt, welches einem mit seinen Halteleinen den Weg zerstolpern möchte. Das inhaltsverweisende Schild schadet dem Werk hier fast schon, weil es die Dimension der Irritation, welche die Installation auszulösen vermag, doch extrem beschneidet. Ich würde mich mit dem Werk jedenfalls ohne Erklärbär, vollkommen allein gelassen mit ihm und mir, viel wohler fühlen …

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Und im Ausstellungskubus des Syrers Mehyar, der seit einem Jahr in Hamburg lebt, hat sich „Mona L.“ versteckt, eine gelungene Picasso-Variation:

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Kunstgucken, letzte (kostenlose) Gelegenheit:
MS Artville, Alte Schleuse 23
Burgfest (mit Kunst-Flohmarkt)
Sa, 13. August, 13-18 Uhr

MS Dockville

 

 

 

 

 

Berlin Kidz in Hamburg

Vorhin war ich zur Eröffnung der Ausstellung von Darco FBI »niveau supérieur«  in der OZM Art Space Gallery. Ich hatte mich dort mit meiner Lieblingskassiererin von LIDL verabredet, um sie zur Kunst zu interviewen. Sie hat noch nie in ihrem Leben eine Ausstellung besucht, und ich war megagespannt auf ihre Begegnung mit einer von Lack vollgerotzten Galerie! Leider hat meine Kassiererin sich nicht getraut, zum verabredeten Experiment zu erscheinen. Ich schreibe deshalb hier (noch) nichts zu Darko FBI. Vielleicht gelingt es mir, den Ausstellungsbesuch mit meiner Kassiererin nachzuholen, indem ich mich nicht dort mit ihr treffe, sondern gemeinsam mit ihr hinfahre, sodass ich ihr über eine kleine Schwellenangst hinweghelfe … 

Auf dem Rückweg gab es aber eine Überraschung: Berlin Kidz haben sich An der U-Bahn Feldstraße verewigt. Das ist keine Gegend, in der ich mich öfter aufhalte, deshalb weiß ich nicht, seit wann die Malereien dort ausgestellt sind. Es würde mich aber wundern, wenn Hochbahn, HVV oder welche Sauberfraktion auch immer allzu lange warten würde, um umfangreiche Graffiti von den Wänden zu kratzen😉

Berlin Kidz sorgen seit etlichen Jahren für Furore. Die Jungs seilen sich mit einfachsten Mitteln aus schwindelerregenden Höhen von tristen Häuserwänden ab und malen in ihrem unverwechselbaren Style monumentale raumgreifende Botschaften. Manchem mag es nur idiotisch erscheinen, an Hanfseilen, die lediglich mit Knoten und Ösen versehen sind (mehr schlecht als recht gesichert), an Fassaden herunter zu turnen.

Ich verstehe die Konsequenz, auf professionelle Seilsicherungen zu verzichten, allerdings vollkommen. Was die Jungs machen, ist die pure Lebensfreude. Zuletzt haben sie die auf einer Berliner S-Bahn ausgelebt, indem sie dort mit Stühlen, Sitzbank und Tisch ausgestattet, vom Fahrtwind zerzaust gepicknickt haben. Oder genauer gesagt: Sturmwein getrunken.

Der Spießer wird natürlich nie verstehen, dass man solchen Wagemut gar nicht billigen muss, um ihn zu verstehen! Gleichzeitig käme der aber auch nie auf die Idee, z.B. einem Astronauten seinen Job zu verbieten, obwohl auch der „bloß“ sein Leben aufs Spiel setzt. Dies nur als kleine Anregung zur Entwirrung vorgefertigter Hirnknoten …

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Darco FBI »niveau supérieur«:

OZM Art Space Gallery
Bartelsstraße 65

Öffnungszeiten während laufender Ausstellung:
Donnerstags, von 13 bis 19 Uhr
Samstags, von 13 bis 23 Uhr
 
Die Ausstellung läuft noch bis 24. September.
Dann geht nach 10 Jahren die Ära der OZM-Galerie zu Ende.
Das Haus wird abgerissen.

Berlin Kidz:  “Picknickausflug” auf fahrender S-Bahn


Und hier der echte Kracher für alle, die die Arbeit von Berlin Kidz ausführlich kennenlernen möchten: Berlin Kidz im 1,5-Stunden-Video


Es lebe der Sprühling!