Absolut empfehlenswert: HfbK Grundklassen | Wartenau

Die Nebenorte der HfbK-Jahresausstellungen führen stets ein etwas stiefmütterliches Dasein. Völlig zu Unrecht. Ich empfehle deshalb die dritte Etage in der Wartenau 15. Die Abschlusspräsentationen der Grundklassen warten mit einer derart facettenreichen Ladung an Kunst auf, dass man sich kaum sattsehen kann.

Es ist immer wieder beeindruckend, wie geistreich, ausschweifend, experimentierfreudig, oft mit Witz und Mut zur Gradwanderung gerade in dieser Phase des Studiums zu Werke gegangen wird. Das ist nicht nur ein furioses Feuerwerk an Idee und Ausdruck, hier tobt die Kunst regelrecht, scheint Wände und ganze Räume in Taumel zu versetzen.

Wie schade ist es doch immer wieder, wie wenig letztlich davon übrig bleibt, wieviel davon im Lauf des Studiums auf der Strecke bleibt. Das ist die ewige Krux der Kunsthoschschulen, da wird gehirnt, diskutiert, kritisiert und gezweifelt — nach einigen Jahren ist ein Großteil des kreativen Geistes schlicht aus den Köpfen geredet. Am Ende halten dann viele eine aalglatte, marktgerechte und eigentlich hirnamputierte Kunst für genau richtig. Aber ich empfehle ohnehin jedem, der Künstler sein oder werden will und rechtzeitig ein Selbstverständnis als Künstler entwickelt, die Schule zu schmeißen oder es von vorneherein zu lassen, denn obwohl man an Kunsthochschulen natürlich jede Menge lernen kann, wird eben auch massenhaft Eigenart zerstört …

Zu mancher Entdeckung in der Wartenau hätte ich jetzt viel zu sagen. Dafür fehlt im Augenblick die Zeit, bestimmt werde ich aber in nährer Zukunft auf das eine oder andere Folgewerk zu sprechen kommen. Für heute gibts deshalb an dieser Stelle eine geballte Ladung Kunst auf die Augen. Nehmt es zum Anlass und geht hin, nur noch bis morgen gibt es dafür die Gelegenheit.

 

 

HfbK Absolventenausstellung
Nebenort: Wartenau 15 | 3. Obergeschoss: klasse Grundklassen

HEUTE | 15.07. | bis 19:00 Uhr
MORGEN| 16.07. | 16:00 — 19:00 Uhr

Spektakulär: HfbK Absolventenausstellung

Die Absolventausstellungen an der Hochschule für bildende Künste sind seit Jahr und Tag ein Garant für hochrangige Künstvergnügen. Es lohnt sich immer hinzugehen, enttäuscht wird man nie, nicht ohne Grund werden die Eröffnungsabende von Gästen regelrecht überrannt. Dieses Jahr ist die Absolventenausstellung nicht nur extrem sehenswert, sondern spektakulär, geradeso, als hätten die Absolventen ihrer Hochschule zum 250. Geburtstag, der mit einer umfangreichen Veranstaltungswoche begangen wird, ein Extrageschenk gemacht …


Wenn es eine exakte Grenze zwischen Installation und Skulptur gibt, dann hat Benjamin Nurgenc sie mit seinem Heptagon in der Aulavorhalle der HfbK gefunden.

Das mag daran liegen, dass Nurgenc seine Zukunft nicht in der Kunst sieht, sondern in den Wissenschaften. Meine Sicht soll ihm aber keinen Findungsprozess unterstellen, in der er diese Grenze ausgelotet hätte. Die besten Schöpfungen gelingen oftmals aus einer inneren Gewissheit heraus, und die setzt sich eher in Form eines Gefühls, der Erkenntnis um eine Richtigkeit, fest, als in Form eines korrekten – quasi technischen – Plans, der abzuarbeiten wäre. Im Besonderen gilt das wohl für minimalistische Werke, die häufig verkannt werden, weil sich in ihrer Leichtigkeit wenig spontane Gedanken verfangen, voreilig betrachtet scheinen sie Deutungen geradezu zu absorbieren und sind deshalb eine besondere Herausforderung an das Verständnis für Perfektion.

Denn den perfekten Ausdruck zur Umsetzung einer inneren Spannung zu finden, ist in der Kunst die eigentliche Kunst. Und das ist Nurgenc großartig gelungen.

Benjamin Nurgenc: ohne Titel („Heptagon / scharzer Spiegel“)

Sein unbetiteltes Heptagon liegt dort auf dem Boden wie ein auf Hochglanz polierter schwarzer Spiegel, geradezu magisch und atemberaubend, wenn der Blick auf der extremen Schärfe der Oberfläche wandert oder sich wie von einer metaphysischen Anziehungskraft gebannt darauf verfängt. Es braucht ein gehöriges Maß an Naivität, um nicht zu verstehen, um nicht zu sehen, dass dort nichts poliert wurde, der Spiegelglanz eine stoffliche Eigenschaft der Oberfläche ist, die autark existiert, aus der Opazität einer Flüssigkeit heraus. Diese Flüssigkeit als ein Öl zu erkennen, ist dann auch nicht mehr schwer. Vorausgesetzt natürlich, man geht mit offenen Augen durch die Welt und gibt sich überhaupt Mühe, alle nur erdenklichen Selbstverständlichkeiten des Alltags zu verstehen. Manche Besucher allerdings scheinen nicht nur gar nichts zu verstehen, eine einem halbwegs kultivierten Menschen angemessene Beschäftigung mit Kunst ist ihnen auch fremd. Da wird immer und immer wieder hemmungslos angefasst, zugegriffen, gegrapscht und gefummelt. Nicht zu kapieren, dass Kunst keine Supermarktware ist, ist nicht naiv, das ist dumm.

So durfte ich live miterleben, wie ein bescheuertes Mädchen einfach mal drauf gelatscht ist, auf diesen seltsamen schwarzen Spiegel, um sich seiner Eigenschaften zu vergewissern. Während ich darauf ausgerastet wäre, hat Nurgenc seinen Charme nicht ganz verloren und das Mädchen lediglich etwas aufgebracht darüber belehrt, wie man nur auf solch eine Idee kommen kann – man tritt doch nicht einfach auf ein Kunstwerk. Als Entschuldigung bekam er prompt zu hören, das Mädchen hätte ja nicht mit Öl gerechnet.

Logo, da trampelt man natürlich einfach mal drauf, wenn man einen riesigen, dann aber offenkundig extrem zerbrechlichen Spiegel erwartet! Hierfür meinen ausdrücklicher Glückwunsch an die Doofheit.


Die Produkt-Designs von Simon Schmitz werden in spätestens zwanzig Jahren in jeder dritten Wohnung zu finden sein, da bin ich mir ganz sicher. Der erste Schritt dahin ist längst getan, denn seit einigen Jahren vertreibt Schmitz seine Entwürfe über seine Firma SPOD (Spot on Design GbR).

Seine Gestaltungen sind nicht nur exakt ausgeklügelte, extrem reduzierte Meisterwerke, manchmal basieren seine Entwürfe auch auf technischen Spielereien bzw. einer Begeisterung für technische Details, um die herum Schmitz ein Konzept entwickelt.

Simon Schmitz: „Lampe L03“

Ein wundervolles Beispiel hierfür ist die Tischlampe L03. Ihr zugrunde liegt das mechanische Prinzip der Muller-Ratsche oder auch Sperrklinke, die das Drehen an der Verzahnung in falscher Richtung verhindert. Auch wenn in der Lampe die Sperrklinke selbst keine Anwendung findet (die Gelenke lassen sich in beide Richtungen drehen, alles andere wäre bei einer Lampe allerdings auch völlig unsinnig), so ist es aber doch das typische Geräusch einer Ratsche, das den Ursprung der Idee festhält. Und, nicht zu vergessen: Die reine Schönheit der Mechanik, die hier nicht allein als technisch notwendiges, sondern vielmehr als prägendes Gestaltungselement ein extrem selbstbewusstes Dasein führt.

Simon Schmitz
SPOD

Der Dadaismus hat in allen Bereichen der Künste für Innovationen gesorgt, die unserem heutigen Kunstverständnis eine fast endlose Bandbreite an Möglichkeiten und Ausdrucksformen beschert hat. Auch mit dem Bühnenraum wurde im Dada radikal experimentiert. Bis vor wenigen Tagen hätte ich behauptet, dass in den hundert Jahren, die Dada mittlerweile nachwirkt, an Theatern alle Möglichkeiten, den Bühnenraum neu zu definieren, ausgeschöpft wurden. Ich kann mich jedenfalls kaum daran erinnern, in den letzten zwanzig Jahren etwas wirklich Neues gesehen zu haben.

Und dann diese Überraschung: Die vollkommene Innovation, die Neuerfindung der Bühne, ein Meisterwerk, das einen in seiner Gewagtheit in den Bann zieht, gar nicht mehr loslassen will.

Lea Maria Burkhalter, Yi-Jou Chuang, Marlene Lockemann, und Hyejin Yoon haben eine raumfüllende Konstruktion zusammengezimmert, drei windschiefe Hohlkästen auf ein kaum ein Meter hohes Ständerwerk gebaut. In diesen Kästen wirken die Schauspieler und das Publikum wird auf den Boden gezwungen. Auf Rollbrettern ist es unter der Inszenierung unterwegs, und weil nur wenige Rollbretter zur Verfügung stehen, rutschen etliche Besucher auf dem Rücken über den Fußboden, um von Kasten zu Kasten den Dialogen zu folgen, Blicke zu erspähen.

Selbst wenn man sich gar nicht aktiv als Zuschauer in dieser Form daran beteiligt, vom aufgeführten Stück nicht viel mehr mitbekommt als gelegentliche Sprachfetzen, die aus den Holzkästen dringen, ist es ein außerordentliches Vergnügen, dem regen Treiben unterhalb der Bühnenräume zuzuschauen. Fast möchte ich behaupten, es wäre fast egal, was sich im Innern abspielt, denn hier erhält das Theater eine sensationelle Nebenebene in Form seiner Zuschauer …


Absolventenausstellung 2017
HfbK | Lerchenfeld 2 | U-Mundsburg
14. – 16. Juli | täglich 14–20 Uhr
 
Öffentliche Führungen | 16 + 18 Uhr | Treffpunkt: Aulavorhalle
Führungen für Kinder ab 6 Jahren (ohne Eltern) | Sa + So |  16 Uhr

Nebenorte: Wartenau 15 & Finkenau 42
Eingeschränkte Öffnungszeiten Wartenau 15
14. – 16. Juli | 16–19 Uhr

 

Festwoche: 250 Jahre HfbK

G20 | Hamburger Höllentage: Das war ein staatlicher Angriff auf die Linke

Demo „Welcome to Hell“, 06. Juli, Fischmarkt Hamburg

Die Demo wurde ohne Auflagen genehmigt, was in Hamburg aber nichts bedeutet. Der schwarze Block wurde aufgefordert, die Vermummungen abzulegen. Viele kamen dieser Aufforderung nach. Übrigens gab es in der rosa Samba-Gruppe auch Vermummte, die durften aber weitermachen, es ging also nicht darum, das Vermummungsverbot durchzusetzen.

Prompt trampelte die Polizei auf St. Pauli Fischmarkt mit Hundertschaften in die Demo, um den schwarzen Block einzukesseln. Das hatte eine fast massenpanikartige Flucht über die Flutschutzmauer hinauf auf die Promenade zur Folge. Die Polizei hat sich sofort auf Menschenjagd begeben, planlos Flüchtende mit Reizgas attackiert und auch mit Schlagstöcken drauf gehauen. Erst dann entbrach eine Welle der Gegengewalt, es flogen massenhaft Flaschen und Steine und Böller.

 

Polizei kesselt schwarzen Block ein
Polizei kesselt schwarzen Block ein
Polizeigewalt: Einkesselung des schwarzen Blocks und Zerstörungswut
Polizeigewalt: Sinnlose Zerstörungswut
Polizeigewalt: Menschenjagd
Polizeigewalt: Draufhauen

 

Polizeigewalt: planloser Reizgaseinsatz
Polizeigewalt: Wasserwerfereinsatz gegen Einzelperson
Polizeigewalt: Wasserwerfereinsatz gegen Einzelperson
Polizeigewalt: Lausprecherwagen in Fetzen
Polizeiarbeit
Hamburger Protestbürste

Ein Verletzter wird abtransportiert

Ein Verletzter wird versorgt

Die Polizei überfiel dann auch noch mit Hundertschaften und Wasserwerfern die Tausenden friedlichen Demonstranten auf dem Fischmarkt. (Dort befanden sich meine Frau und Freunde.)

Polizeigewalt: Wasserwerfereinsatz gegen friedliche Menge auf dem Fischmarkt
Polizeigewalt: Wasserwerfereinsatz gegen friedliche Menge auf dem Fischmarkt
Zerschlagener Protest auf Räumpanzer

Die Bilder der darauf folgenden drei Tage und Nächte in Hamburg sind um die Welt gegangen. Was in der Folge als ziellose Zerstörungswut nicht nur in den Bevölkerungskreisen, die bislang selbst Ausschreitungen vor der eigenen Haustür mehr oder weniger toleriert haben, sondern auch in linken Kreisen auf Unverständnis und Entsetzen stößt, muss aber genauer betrachtet werden. Wer hier zu klein denkt, und sich an Gegenständen hochzieht, der versteht gar nichts.

Na klar ist es Scheiße, Fahrräder ins Feuer zu schmeißen, Kleinwagen abzufackeln, Geschäfte kleinerer Selbständiger zu plündern. Zur Basiskritik am generellen Widerstand sind solche Entgleisungen dennoch ungeeignet, weil sie den vorrangig jungen Akteuren einen Verstand unterstellen, den nicht einmal ausgebildete, langjährig berufserfahrene Polizisten besitzen, wie die unzähligen Rechts- und Grundrechtsverletzungen einer Polizei, die sich wie in SA-Manier aufgeführt hat, in Hamburg gezeigt haben. Das muss man gegeneinander aufwiegen, weil Ursache und Wirkung nicht untrennbar voneinander existieren.

Die Eskalation in Hamburg hat nicht mit Krawallen begonnen. Für die hat die Polizei erst gesorgt. Die vielen Demonstrationen verliefen friedlich; auch die als vermeintlicher Aggressor vereinnahmte Demo „Welcome to Hell“ war friedlich aufgestellt und glich eher einem bunten Volksfest.

Seitens der Polizei wurde seit Donnerstag drei Tage lang hemmungslos auf Flüchtende, auf am Boden Liegende, auf Verletzte eingeknüppelt, Reizgas und Wasserwerfer wurde gegen friedliche Demonstranten, gegen Unbeteiligte eingesetzt, Presseausweise wurden aus der Hand geschlagen, Journalisten wurden behindert und in unverhohlener Feindschaft körperlich angegriffen.

Die Polizeiübergriffe begannen nicht erst auf der Demo am Donnerstag, dort sorgte die Polizei bloß für die Legitimation ihrer kommenden Gewaltexzesse, indem sie die massive Gegengewalt provoziert hat.

Das alles begann bereits mit dem Polizei-Putsch in Entenwerder am Sonntag, 02. Juli, als trotz gegenteiligen richterlichen Beschlusses das Protest-Camp geräumt wurde. Und zwar mit dem diktatorischen Argument, die Rechtslage würde sich bestimmt noch ändern!

Ab diesem Augenblick herrschte in Hamburg die Ehrlosigkeit und Anarchie in Form von Hundertschaften der Polizei. In der Folge hat sich auf Hamburgs Straßen ein kleiner Volksaufstand entladen.

Auf der gestrigen Pressekonferenz behauptete Einsatzleiter Dudde, auf der Demo „Welcome to Hell“ am vergangenen Donnerstag sei die Polizei erst nach Stein- und Flaschenwürfen eingeschritten. Als Zeuge direkt vor Ort sage ich: glatt gelogen. Als Hamburger sage ich: war nie anders. Wird keine Konsequenzen haben. Höchstens für mich. Denn was wir in Hamburg erlebt haben, war ein staatlicher Angriff auf die Linke.

Relativ unbemerkt hat sich in den letzten Tagen in der Polizei- und herrschenden Politikpropaganda ein neuer Sprachgebrauch etabliert. Während ich mich immer schon darüber aufrege, dass weder Polizei noch Bürgerliche Presse imstande oder gewillt sind, zwischen Linksradikalität (Radikalität bedeutet Konsequenz) und Linksextremismus (Extremismus bedeutet Gewalt) zu unterscheiden, war zunächst vom schwarzen Block, dann plötzlich nur noch von Linken oder ganz platt von Linksfaschisten die Rede, die sich Schlachten mit der Polizei liefern und brandschatzend durch halbe Stadtteile ziehen.

Der Sinn dieses Sprachgebrauchs ist leicht zu entlarven: Es geht darum, eine allgemeine Ablehnung gegen alles linke Denken, gegen jede linke Haltung in der Bevölkerung zu manifestieren. Die Linke wird zum Staatsfeind Nr.1 gekürt.

Grotesk daran ist: es gibt gar keine einheitlich linke Bewegung. Links ist ein Spektrum an Haltungen und Vorstellungen, Visionen und Illusionen. Autonome, Anarchisten, Kommunisten, Sozialisten, Antifaschisten, Antikapitalisten und und und. Und unzählige Bewegungen, die ohne -ismus auskommen und noch mehr Bewegungen, die von allem ein bisschen sind – es bräuchte dreißig Seiten Papier und ich hätte nicht annähernd ein vollständiges Bild umrissen. Allen ist nur eines gemein: Die Ablehnung der herrschenden Verhältnisse, die Vorstellung an eine bessere Welt. Diese Grundhaltung soll stigmatisiert werden. Dazu dienen die Bilder der Zerstörung, der Gewalt, die beweisen sollen, dass all das mit Politik nichts zu tun hat und bestimmt nicht dazu beiträgt, die Welt zum Besseren zu verändern. Dass diese Bilder Zeugnisse des Widerstands sind, wird weggelogen. Hier wird Geschichtsfälschung betrieben, bevor die Geschichte überhaupt geschrieben wurde.

So facettenreich, wie linke Ideen praktiziert werden, so ist auch ein schwarzer Block, obwohl er sich einheitlich aufstellt, keine homogene Gruppe, sondern ein kurzzeitiges Zweckbündnis, um Geschlossenheit auf einer höheren Ebene zu symbolisieren. Als Kopfpunkt eines Demozuges zunächst einmal, um laut zu sein, um eine unverkennbare Anti-Haltung in die Welt zu schreien, die der gesamten Demo Kraft verleiht. Letztlich werden innerhalb solch eines schwarzen Blocks dann aber unterschiedlichste Ideale verfolgt und verschiedenste Strategien umgesetzt. Von friedfertig bis böswillig ist da alles drin, wie in der übrigen Bevölkerung auch.

Ein Teil des schwarzen Blocks hat ganz sicher die Kriegserklärung der Polizei angenommen und ist in die Schlacht gezogen; ganz sicher ist ein schwarzer Block keine grundsätzlich extremistisch gesinnte Gruppe, auch wenn die Polizei der Welt genau das weiszumachen versucht, indem sie den schwarzen Block zum Hauptfeind stilisiert. Ganz sicher haben sich viele für die Straßenkämpfe einfach nur schwarz angezogen. Mit welcher politischen Gesinnung und ob überhaupt, ist völlig dahin gestellt. Die Pauschalbehauptung, das seien alles Linke, wird natürlich prima unerstützt durch den Hauptort des Geschehens, das linksalternative Schanzenviertel und mehr noch die unmittelbare Nähe zur Roten Flora. Die Frontlinie wird allerdings bei jeder Gelegenheit von der Polizei genau dort aufgestellt, indem Hundertschaften, Wasserwerfer, Räumpanzer das Viertel besetzen. Würden sie in Poppenbüttel aufmarschieren, würde dort gekämpft!

Es besteht ein himmelweiter Unterschied zwischen Straftaten, die aus der Bevölkerung heraus begangen werden und solchen durch die Polizei. Als wäre das nicht unerträglich genug, werden von der Polizei verübte Straftaten praktisch nie geahndet, und das erschüttert das Grundvertrauen vieler Menschen, die bisher an der Polizei gar nicht gezweifelt haben. Genau deshalb gab es nicht nur militanten Widerstand, sondern auch in hohem Maße zivilen Ungehorsam und Sitzblockaden gegen Polizeiaufmärsche, Wasserwerfer und Panzerfahrzeuge. Das war keine revolutionäre Solidarität, das war ein Aufbegehren gegen eine Polizei, die total ausgerastet ist und zuletzt sogar das schwerbewaffnete SEK, das vollkommen soldatisch aussieht, in die Hamburger Hölle schickte, um die Straftäter aus den eigenen Reihen, die drei Tage lang bekämpft wurden, zu schützen.

Es wird gerne so getan, als gäbe es Wahrheit. Es gibt aber immer mehrere Wahrheiten. Meine, hier, ist eine davon.

Eine, um die sich die herrschende Politik nicht schert, sie stilisiert die polizeistaatlichen Verhältnisse in Hamburg längst zum Heldentum um und beweist das mit verletzten Polizisten. Zu verletzten Demonstranten schweigt sie. Auch hier muss ich als Hamburger eine Wahrheit beitragen: war nie anders.

Und wieder werden Rufe laut, die Rote Flora müsse weg. Als Anmelder der Demo „Welcome to Hell“ sind die Flora-Sprecher für die Ausschreitungen aber nicht verantwortlich. Olaf Scholz will als Hauptschuldiger für G20 auch keine Verantwortung übernehmen, obwohl er uns dieses „Fest der Demokratie“ beschert hat. G20 ist aber die alleinige Ursache allen Übels, der Hauptschuldige heißt Olaf Scholz.

Ein Angriff auf die Rote Flora wird die Kämpfe zurück auf Hamburgs Straßen holen. Dann wird passieren, was letztes Wochenende in Hamburg drohte. Dann wird der Staat Menschen erschießen müssen.

Ein Fall von Anständigkeit: La Grande Plakastrophe

Fälle von Anständigkeit findet man bei Hamburger Unternehmen in diesen turbulenten Tagen um G20 nur selten. Zu groß scheint die Angst vor Gesichtsverlust zu sein, zu groß die Angst, in einem Atemzug mit Vorkommnissen genannt zu werden, die zwar (noch) gar nicht eingetreten sind, von denen Boulevardpresse und Polizei in hellseherischer Fähigkeit aber bereits seit Wochen berichten. Und es gar nicht abwarten können, dass es ordentlich knallt. Denn diese Gipfel sind eine immer wiederkehrende Zumutung, an denen sich die Ohnmacht der Bevölkerung in regelrechten Straßenschlachten Bahn bricht.

Zu groß scheint die Angst zu sein, Geschäftspartner zu verprellen, sich gar Auslandsgeschäfte zu versauen: Das ist nichts anderes als der Kapitalismus von einer seiner unzähligen hässlichen Seiten.

Kaum eine Firma, kaum ein Unternehmen in Hamburg positioniert sich klar gegen G20, für eine bessere Welt, in der alle Völker und Staaten und somit alle Menschen gleichberechtigt behandelt werden — oder die Kleingehaltenen, die Ausgebeuteten, die von Hunger, Krieg, mangelnder Gesundheitsversorgung, Bildungsmangel oder sonstigem Leid Betroffenen sogar etwas besser. Allein dieser einfache humanistische Ansatz scheint vielen schon viel zu links zu sein …

Ein Ausnahmefall von ausgesprochener Anständigkeit ist die giraffentoast gmbh. giraffentoast hat unter dem wunderbaren Titel LA GRANDE PLAKASTROPHE einen Wettbewerb ausgeschrieben, um Hamburg zum Gipfelwochenende mit Protestplakaten vollzuballern.

Ausstellung La grande Plakastrope

Die 20 Gewinnermotive werden seit Tagen fleißig im Schanzenviertel und auf St. Pauli verklebt. Vielleicht ist euch das eine oder andere Plakat bereits über den Weg gelaufen (siehe Bildstrecke: Hamburger Aufstand 2017: G20 in Plakaten und Protesten). Nicht immer sind die Motive auf ersten Blick zu entschlüsseln — aber ohne Verstand lässt sich die Welt eben auch nicht verbessern.

Heute gibts zur LA GRANDE PLAKASTROPE in den Räumen von giraffentoast ab 18:00 die Ausstellung aller rund 100 eingereichter Plakatvorschläge. Der Termin kollidiert zwar unglücklich mit der Großdemo G20TOHELL, aber vielleicht gönnt sich oder braucht jemand eine kleine Auszeit und nutzt die Gelegenheit bei einem kalten Getränk die Ausstellung zu besuchen.

Ich möchte anregen, die Ausstellung anschließend an das Archiv der Sozialen Bewegungen (ASB) in der Roten Flora zu übergeben. Dort ist sie als Zeitzeugnis für die Ewigkeit bestens aufgehoben.

Plakastrophe-William-Takashi-Ahrend
Plakastrophe-Sam-Janzen
Plakastrophe-Phillip-Jones
Plakastrophe-Paula-Partzsch
Plakastrophe-Holger-Markewitz-Peters
Ausstellung
La grande Plakastrophe
06. Juli | 18:00 — 23:00
Uhrgiraffentoast gmbh|Kleiner Schäferkamp 28|Schanzenviertel
giraffentoast
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Archiv der Sozialen Bewegungen
G20: Unhappy meeting

Lieber tanz ich als G20: 30000 auf Demorave

 

Wir lassen uns das Dagegensein nicht verbieten!
Erdogan’i katledin / Tötet Erdogan

 

G20: Park Arrivati und Hamburger Herrenmenschen

Seit wenigen Tagen hat sich am Neuen Pferdemarkt, im Grüngelände eingezwängt zwischen Straßen und Partymeilen, der Park Arrivati etabliert. Der Park der Angekommenen steht ganz  im Zeichen der Refugees, der Vertriebenen und Geflüchteten. Dort werden die körperlichen und seelischen Ursachen und Umstände von Flucht und Vertreibung dokumentiert und Fragen im Umgang mit den hier Angekommenen aufgeworfen, hier wird informiert, kritisiert und diskutiert. Der Park Arrivati ist eine vollkommen friedfertige Angelegenheit, die zahlreichen Menschen vor Ort sind ausgelassener Stimmung und interessiert an den Dokumentationsmaterialien und kleinen Aktionen und Spielformen, die den Geist schärfen. Hier kann man etwa einen Einbürgerungstest machen, und so mancher Deutsche taugt dann nicht für dieses Land. Damit ist der Park Arrivate ein Protest auf niedrigstem überhaupt denkbarem Niveau, dem nichts vorzuwerfen ist. Wir müssen allerdings befürchten, dass die Polizei Hamburg auch dieses Projekt vom Rasen prügeln wird, sobald die propagandistische Wirkung etwas zu groß gerät

Die Innenbehörde hat längst deutlich gemacht, dass es ihr in Hamburg zu G20 keineswegs darum geht, gewalttätige Proteste zu verhindern. Sie hat etwas gegen Menschen mit eigener Meinung. Spätestens seit gestern Abend wird 1:1 kopiert, was wir aus der Türkei kennen, aus China, aus Nordkorea, aus Russland und aus sonstigen Kackstaaten. Niederschlagung und Unterdrückung sind die ersten Mittel der Wahl im Umgang mit der Hamburger Bevölkerung und protestierenden Gästen zu G20.

Dem Aufruf zum hedonistischen Massencornern sind gestern abend Tausende in Hamburg gefolgt. Und sie haben genau das getan, an Ecken herumgelungert, Musik gehört, miteinander angestoßen, nichts weiter. Als es zu viele Menschen wurden, wurde das war der Polizei zu viel. Mit Aufgeboten von Hundertschaften, dem Einsatz von Schlagstöcken und Wasserwerfern wurden rund um den Neuen Pferdemarkt die cornernden Menschenmassen von Ecke zu Ecke getrieben. Auch den Park Arrivati hat es dabei (erstmals) erwischt, obwohl der eine ganz eigene Veranstaltungsform in unmittelbarer Nähe zu einer cornernden Menge darstellt.

Als das Schauspielhaus gestern Abend überraschend seine Türen für Übernachtungen öffnete, hatte die Polizei rechtswidrig nichts Besseres zu tun, als sich versperrend vor der Tür aufzubauen. Sie wurde vom Schauspielhaus nicht darum gebeten. Hier sollte abermals die harte Haltung durchgesetzt werden, dass Protestcamps in der Stadt nicht geduldet werden und jede solidarische Aktion nichts anderes darstellt als ein Camp auf anderem Niveau. In der Art, sich als Herrenmenschen zu gebärden, bis an die Zähne bewaffnet in Übermacht aufzulaufen, baut die Polizei Drohszenarien auf, mit denen sie sich ihre Konflikte selber aussucht, indem sie sie produziert. Das ist die eigentliche Taktik, und auch dieses Verhaltensmuster ist uns aus totalitären Staaten bekannt. Die Geschäftsführung des Schauspielhauses musste die Polizei allen Ernstes erst darüber belehren, dass sie das Hausrecht im eigenen Haus hat und eigene Entscheidungen treffen darf, ehe die Polizei sich zurückzog!

Schauspielhaus Hamburg, 04. Juli 2017, 23:15 Uhr: Hamburger Herrenmenschen blockieren rechtswidrig am Schauspielhaus Hamburg den Zutritt zum Gebäude.

Ich hatte nie einen Zweifel daran, dass Hamburg diesen Sommer nie vergessen wird. Die Dummheit der Polizei an der Herausbildung dieses Gedächtnisses ist dabei unbeschreiblich.

Denn sie produziert Widerstand.

Hamburger Aufstand 2017: G20 in Plakaten und Protesten

Termine G20

Aus aktuellem Anlass:

Sonntag, 02. Juli | Aufbau des Antikapitalistischen Camps

Nach wochenlangem juristischen und politischen Kampf um ein
antikapitalistisches Protestcamp haben wir heute nacht vorm
Verwaltungsgericht gewonnen. Es hat entschieden, dass wir ab Sonntag
(2.7.) mittag um 12h
im Elbpark Entenwerder (S-Bahn Rothenburgsort) ein
Camp _inklusive Schlafzelten errichten dürfen. In der letzten Woche hat
die Polizei mehrfach gezeigt, wie wenig sie von gerichtlichen Urteilen
und Versammslungsrecht hält. Daher erwarten wir nicht, dass der Aufbau
ungestört von statten gehen kann.

Wir brauchen also richtig, richtig viele Menschen! Helft uns, dieses
Camp möglich zu machen, auch wenn sich Grote und seine Polizei nicht an
die eigenen Regeln halten wollen. Zusammen bauen wir das Camp auf!

Leitet das über alle Kanäle weiter!

Antikapitalistisches Camp

 

Polizei Hamburg pfeift wie gewohnt aufs Recht und verhindert Protestcamp Entenwerder (siehe mopo)
Spätestens hiermit sollte klar sein, dass die Polizei gewalttätige Konflikte provozieren will. Sie jammert sie schon seit Monaten herbei …

 


Freitag, 30. Juni

19:00 | Aktion | Protest | umsonst & draussen

Mal wieder aus der Reihe tanzen

Die sog. „Blaue Zone“ (Demoverbotszone) tanzbar machen: Konzert, Soundsystem, Redebeiträge

Irie Revoltes LIVE

Achidi-John-Platz | vor der roten Flora | Schanzenviertel


19:00 | Ausstellung

Abdalla Al Omari „The Vulnerability Series Extended“

Anlässlich des G20 Gipfels in Hamburg laden Lemonaid und die Affenfaust Galerie zu ihrer eigenen Interpretation eines „Spitzentreffens“ ein. Al Omari, der aus Syrien flüchtete und heute in Brüssel lebt, illustriert in seiner Bildreihe „The Vulnerability Series“ (Serie der Verwundbarkeit) Weltpolitiker als Vertriebene und nimmt ihnen damit ihre wichtigste Eigenschaft: die Macht. Plötzlich erscheinen sie im Auge des Betrachters selbst verzweifelt und „verwundbar“.

(Die Ausstellung läuft bis 08.07.2017)

Affenfaust Galerie | Paul-Roosen-Straße 43 | St. Pauli

 

Samstag, 01. Juli

10:00 | Workshop (01.07. 10:00 — 02.07. 18:00)

Aktivismus und Fiktion

Der Workshop „Aktivismus und Fiktion“ mit den Mitgliedern des spanischen Künstler_innenkollektivs Enmedio aus Barcelona, der in Kooperation mit der Rosa Luxemburg Stiftung Hamburg stattfindet, bereitet sich im TOOLKIT-Modus, mit Techniken der Fiktion und künstlerischen Praxis (Photografie, Video, Text, Körper) auf den G20 Gipfel in Hamburg vor.

Gängeviertel | Fabrique 4. Stock | Valentinskamp 34 (Zugang über Speckstr.) | 20355 Hamburg


15:00 | Vortrag

G20-Gipfel in Hamburg — Der Gipfel der Repression?

Andreas Blechschmidt gibt einen Überblick über die staatliche Repression im Vorfeld und während des G20-Gipfels und berichtet über polizeiliche und geheimdienstliche Vorfeldaktivitäten und polizeiliche Einsatztaktiken während des G20-Gipfels. Dazu kann gemeinsam über Gegenmaßnahmen diskutiert werden.

(Im Rahmen der Anarchistischen Veranstaltungswoche “Bücher. Bildung. Barrikaden“ | 29. Juni – 6. Juli)

Kölibri | Hein-Köllisch-Platz 12 | St. Pauli


19:00 | Ausstellung | Aktion

Museum des Kapitalismus

Was ist Kapitalismus? Führt er wirklich zu Freiheit und Wohlstand? Oder zu Unterdrückung und Ausbeutung? Was hat das mit dem G20Gipfel zu tun? Und was denkst du darüber?

Das Museum des Kapitalismus und das Kollektiv für Alternativen laden ein zu einer interaktiven Mitmach- Ausstellung. Exponate zum Anfassen, Ausprobieren und Mitgestalten bieten einen unterhaltsamen Einstieg in Fragen rund um den Kapitalismus.

Das Projekt läuft bis 08.07.2017. Geöffnet täglich 15:00 — 19:00

Affenfaust Galerie | Paul-Roosen-Straße 43 | St. Pauli

 

Sonntag, 02.Juli

13:00  und 16:00 workshop| Mobilisierung

Aktions- und Blockadetraining

Für Aktionen des Zivilen Ungehorsams benötigen wir gute Vorbereitung, Erfahrungsaustausch und Aktionstechniken, die erlernbar sind. Damit ihr euch in Aktion sicherer fühlt und euch selbst schützen könnt, wollen wir gemeinsam Befürchtungen abbauen, sowie unsere individuelle und kollektive Handlungsfähigkeit stärken.

Uni Hamburg | Hauptcampus | Von-Melle-Park 9 | Dammtor


15:00 Infoveranstaltung | Vortrag

Widerstand in der Trump-Ära

Wie konnte Donald Trump an die Macht kommen und was sagt uns das über die Zeit in der wir leben? Und welche Strategien bieten sich an, um zunehmend repressiven Regierungen und einem stärker werdenden Graswurzelnationalismus die Stirn zu bieten?

Centro Soziale | Sternstr.2 | Ecke Neuer Kamp | Karoviertel


19:00 Vollversammlung

Vollversammlung gegen die Kriminalisierung des Schlafes – Protestcamps in Hamburg möglich machen!

In HH sind jetzt selbst Dinge wie Schlafen, Essen oder Duschen verboten und kriminalisiert, Unterstützer*innen aus dem Wendland werden nicht in die Stadt gelassen (bzw. erst nach 5 Stunden Verhandlungen mit Anwält*innen). Versammlungsrecht? BVG-Urteil? Gegen Duddes „Polizeirecht“ wirkungslos. Die Gäste aus aller Welt kommen natürlich trotzdem. Auf der VV soll konkret darüber gesprochen werden, wie Camps praktisch ermöglicht und damit die Proteste insgesamt unterstützt werden können.

Rote Flora | Achidi-John-Platz 1 | Schanzenviertel

 

 

Montag, 03. Juli

19:00 Infoveranstaltung | Vortrag

Hamburg: Vom Hafengeburtstag bis G20 — Die Bundeswehr im Einsatz an der Heimatfront

Es ist davon auszugehen, dass die Bundeswehr im Zuge des G20 Gipfels in Hamburg eingesetzt werden wird. Das wäre nach dem OSZE-Gipfel im Dezember 2016 innerhalb von sechs Monaten schon das zweite Mal, dass das Militär im Kontext sozialer Proteste in Hamburgs Straßen aktiv würde. Die Kooperation von Polizei und Militär ist in Deutschland keine Seltenheit. Die beiden staatlichen Repressionsorgane arbeiten routiniert zusammen und die Militärs sind ständig im Inland im Einsatz.

Alison Dorsch (Bündnis Bildung ohne Bundeswehr – BoB) gibt einen Überblick darüber, was die SoldatInnen in Deutschlands Straßen dürfen, was sie tatsächlich machen und welche gesellschaftlichen Kräfte davon profitieren.

Internationales Zentrum B5 | Brigittenstraße 5 | St. Pauli

 

Dienstag, 04. Juli

ab 16:00 | Aktion | Protest

Hedonstisches Massencornern gegen G20

In der Demoverbotszone auf die Straße. Boxen raus und aufdrehen. Laut, draußen, vielzählig & widerspenstig. Mit Lärm und Lust gegen die Blaue Zone.

Überall. Brennpunkte: St. Pauli | Schanze | Karoviertel | MESSEHALLEN

 

Mittwoch, 05. (und 06. Juli)

10:00 | Alternativgipfel G20 | Aktion | Diskussion | Workshop

Gipfel für Globale Solidarität

Mehr als 50 Initiativen und Organisationen rufen zu einem zweitägigen Treffen als Alternative zum Gipfel der G20 auf.

„Die G20 verteidigt ein System, das die soziale Ungleichheit auf die Spitze treibt. Wir zeigen die Zusammenhänge der globalen Probleme auf und diskutieren Alternativen, die zu einer Lösung führen können.

Wie überwinden wir Armut, Ausbeutung, Unterdrückung, Krieg und Naturzerstörung? Wie können wir soziale und demokratische Rechte global durchsetzen? Wie bekämpfen wir effektiv Rassismus, Frauenfeindlichkeit und Homophobie? Wie erreichen wir ein solidarisches Gemeinwesen, das auf Kooperation und Selbstbestimmung basiert? Wie sieht eine Wirtschaftaus, die dem Menschen dient?

Wir sind überzeugt: eine andere Politik ist möglich!“

Das gesamte Programm

Kampnagel | Jarrestr. 20 | 22303 Hamburg

 

Mittwoch, 05. Juli

12:00 Performance | Aktion

1000 Gestalten

Die Kunstaktion 1000 Gestalten läuft bereits seit einigen Wochen. An verschiedensten Orten Hamburgs tauchen unvermittelt lehmverkrustete Gestalten auf, die zombieartig das Stadtbild verzerren.

Am 05. Juli findet die Aktion ihren Höhepunkt, indem alle Aktivisten in einer riesigen Masse aufeinandertreffen, sich von ihren Lehmpanzern befreien, ihre Menschlich­keit und ihren individuellen Ausdruck zurückgewinnen.

Hamburg | Augen auf!


16:00 Demo

Woman’s March gegen Trump und G20

Donald Trump ist mit seiner frauenfeindlichen Politik in den letzten Monaten zur negativen Hauptfigur massenhafter Proteste auf der ganzen Welt geworden. Wenn er uns zum G-20-Gipfel in Hamburg besucht, wollen wir das natürlich nicht unkommentiert lassen. Auch ist Trump nicht der Einzige, der für die Frauenfeindlichkeit der G20-Regierungen steht. Erst vor wenigen Monaten hat Putin die Strafe für häusliche Gewalt gesenkt. Erdogan steht für einen reaktionären Islam, seine Ministerien veröffentlichen sexistische Broschüren, wie Männer zu Hause mit ihrer Frau umzugehen haben, die auch Vergewaltigungen und Gewalt nicht ablehnen. Und auch in Deutschland ist es zu einem Ende der Unterdrückung der Frauen noch ein weiter Weg.

Ottenser Hauptstraße | Ottensen


18:00 | Demo | Rave | Nachttanzdemno

Lieber tanz ich als G20

Es ist Anfang Juli 2017. Halb Hamburg ist eine lahmgelegte Sicherheitszone, während einige wenige Staatschefs sich anmassen, über unsere Lebensbedingungen und Zukünfte zu bestimmen. Nehmen wir diesen Anlass zum Fest. Zeigen wir, tanzend, feiernd, lachend, dass wir uns nicht fügen. Dass wir eigene Träume für die Zukünfte haben und nicht gewillt sind, lahmgelegt zu werden. Weder durch Sicherheitszonen noch durch die kapitalistische Verwertungsmaschinerie

Landungsbrücken | St. Pauli

 

Donnerstag, 06. Juli

16:00 Reden | Konzert   •   19:00 Demo

G20 welcome to hell

Internationale antikapitalistische Demonstration gegen den G20-Gipfel. Mit politischen Beiträgen und Konzert: Die goldenen Zitronen, Neonschwarz, Captain Gips, Johnny Mauser.

Fischmarkt | St. Pauli


18:00 Ausstellung

La Grande Plakastrophe

Die Agentur giraffentoast hat dazu aufgerufen, Plakate zu gestalten, um Hamburg zu G20 mit Protesten zuzuballern. Die 20 stärksten Motive bekommt die Welt auf die Augen. In der Ausstellung werden alle 100 eingereichten Vorschläge gezeigt.

giraffentoast design gmbh | Kleiner Schäferkamp 28 | 20357 hamburg

 

Freitag, 07. Juli

10:30 Streik | Bildungsstreik

Jugend gegen G20

Bildungsstreik — Gegen G20 — Für selbstbestimmtes Lernen!

Hast du dich auch schon über die Schule oder Uni geärgert? Dass die Noten deine Zukunft pflastern? Dass jetzt schon entschieden wird, wie du später leben wirst? Schule, Ausbildung, Studium – Wir als Jugend werden so früh wie möglich tauglich für den Arbeitsmarkt gemacht. Darauf haben wir keinen Bock mehr!

Wir fordern Selbstbestimmung! Wir wollen entscheiden, was wir lernen und vor allem wofür!

Hachmannplatz | HBF


12:00 Aktion | Protest

Fussball gegen G20

Am 7. und 8. Juli findet in unserem Viertel das G20-Treffen statt. Wir von der Herrenfußball-Abteilung wollen mit einem Fußball-Turnier auf unseren Kunstrasenplätzen ein Zeichen gegen diesen unerträglichen Gipfel setzen!

(Der Fussballprotest findet auch am 08. Juli ab 12:00 statt. Dazu Rahmenprogramm mit Musik, Essen und co. Auch in anderen Teilen des Stadions wird die ganze Woche der Protest unterstützt. Dazu u.a. Alternatives Medienzentrum  in der Südtribüne und laufend Volxküche.)

Rasensportplätze FC St. Pauli | Millerntor


Aktion | Demo

Block G20 — colour the red zone

Mehrere Gruppen wollen auf die „roten Zonen“ Messehallen und Elbphilharmonie zuströmen und diese blockieren. Wo es nötig wird, sollen Barrieren überwunden und Polizeiketten durchflossen werden. Dabei wird die politische Auseinandersetzung gesucht, nicht aber der körperliche Angriff.

Elbphilharmonie | Messehallen


Aktion | Demo

Ketten sprengen — Hafen lahmlegen

Die „Logistik des Kapitals“ und spezieller der Hafen soll durch Blockaden lahmgelegt werden.

(Passend dazu ist der Alte Elbtunnel ganz zufällig wegen dringender Wartungsarbeiten exakt zum Gipfelwochenende gesperrt. Angeblich bot sich gerade dieser Termin an, weil man zu G20 mit keiner hochfrequenten Nutzung des Alten Elbtunnels rechnet, die Unannehmlichkeiten einer Vollsperrung sich also in Grenzen halten. Der Alte Elbtunnel ist aber eben auch der kürzeste Weg für Demonstranten in den Hafen —  jetzt also wird’s über die Elbbrücken gehen, Verkehrschaos inclusive … )

„Am Beispiel des Hamburger Hafens zeigt sich exemplarisch, was derzeit genau im Argen liegt: Er ist das Symbol einer Stadt, die sich gerne mit Weltoffenheit schmückt und gleichzeitig Vorreiterin bei Abschiebungen nach Afghanistan ist. Migrant*innen kommen über den Hafen ins Land, der gleichzeitig Ausbeutungsstätte von zahlreichen Arbeiter*innen ohne Papiere oder Arbeitserlaubnis ist.“ (Aus dem Aufruf)


19:00 Aktion | Fahrraddemo

Colorful Mass gegen den G20-Gipfel

Große Fahrradtour durch Hamburg.

Während sich in der ersten Juliwoche Sta­atschefs ihre Fahrze­ugflotten einfliegen lassen und aus mehr­eren Bundesländern schweres Gerät von Polizei und Bundeswe­hr aufgefahren wird, wollen wir mit einer großen Fahrradtour durch Hambu­rg eine Geschwindigkeit­sdrosselung all dies­er verbrauchsintensi­ven Fahrzeuge herbei­führen.

Moorweide | Dammtor


20:00 Demo

Revolutionäre Demo — G20 entern — Kapitalismus versenken

Am 7. und 8. Juli treffen sich die Herrschenden zum G20-Gipgel in Hamburg. Ein paar Wenige wollen um die Neuaufteilung der Welt pokern. Die untereinander konkurrierenden Regierungen und Konzerne kämpfen dabei jeweils um ihre eigene Vorherrschaft. Das tun sie wahlweise am Verhandlungstisch oder auf dem Schlachtfeld. Sie spielen sich als Herren Welt auf und sind dadurch ein Symbol für das globale Wirken kapitalistischer Nationen, Banken und Konzerne. Dabei stürzen sie die Welt in Kriege, verschmutzen die Umwelt und schaffen tagtäglich mehr Elend.

Reeperbahn | St. Pauli

 

Samstag, 08. Juli

11:00 Demo

Grenzenlose Solidarität statt G20!

Gegen die kalte und grausamen Welt des globalen Kapitalismus, wie sie von den G20 repräsentiert und organisiert wird! Solidarität mit all jenen, die weltweit durch Proteste, Streiks oder Aufstände der Politik der G20 entgegentreten! Für eine Welt des Friedens, der globalen Gerechtigkeit und der grenzenlosen Solidarität!

Deichtorhallen

 

Sonntag, 09. Juli

12:00 Demo

Nobody forgotten, nothing forgiven!

Es ist leider zu befürchten, dass sich auch nach Ende des „Gipfels der Repression“ Freund*innen in Polizei-Gewahrsam oder Haft befinden. Sie werden wir nicht alleine lassen! Wir werden unsere Solidarität mit den Gefangenen und unsere Wut auf die Repressionsorgane auf die Straße tragen, für ihre Freilassung und gegen Repression und Knäste demonstrieren.

Die Demo startet am Harburger Rathausplatz (S-Bahn Harburg-Rathaus) und wird am G20-Knast (zentrale Gefangenensammelstelle / GeSa) vorbeigehen und im Harburger Zentrum enden.

Harburg | Rathaus


Das alles ist nicht alles.

Mehr Termine gibts auf dem Infoportal

NoG20 2017


Soli-Aktion in hunderten Kneipen weltweit

Soli-Mexicaner gegen Trump

Er ist scharf. Er hinterlässt Kopfschmerzen. Und er ist DER Schnaps auf St. Pauli: Der Mexikaner. Vor knapp 30 Jahren entstand der rote Schnaps in einer Kneipe nahe der Reeperbahn. Seitdem wird er in vielen Läden rund um den Kiez in Eigenregie hergestellt und passt zum Viertel wie die Faust auf’s Auge: Schon immer ein wenig anders, vielfältig und widerborstig.

Jetzt allerdings will der Mann den Kiez aufsuchen, der wie kein Zweiter Rassismus und Sexismus verkörpert. Und der an der Grenze zu Mexiko eine Mauer bauen will.

Nicht mit uns. Mit Blockaden, Demonstrationen und anderen, kreativen Aktionen werden Hamburger_innen und Gäste aus aller Welt deutlich machen, dass eine andere, solidarische Welt möglich ist und ihren lautstarken Protest gegen die G20 auf die Straße tragen.


Nicht vom Tisch:
Die Protestcamps werden kommen.
Legal. Illegal. Scheissegal.

Rückzugsmöglichkeit mit zahlreichen Veranstaltungen, workshos und Dauerprotest im Gängeviertel

OASE im Gängeviertel


Alle Rückzugsmöglichkeiten während der Demos und Proteste zum Essen, Trinken, Kraft tanken usw. im Ticker auf indymedia


 

Ausstellung La Grande Plakastrophe

Ausstellung

am 06. Juli ab 18 Uhr

„Da haben wir den Salat: Am 7. und 8. Juli kommt die bucklige Verwandtschaft zu Besuch nach Hamburg, inkl. einer erklecklichen Menge despotischer Onkels, um an sich zu raffen, was wir laut Volksmund nur von unseren Kindern geliehen haben: Die Erde.

Da wir von Natur aus zu blass und schmächtig sind, um Sachen ins Büffet zu schmeißen, greifen wir gemeinsam zu den Waffen, die wir am besten beherrschen: Unsere Ideen. Und Photoshop. Oder Pinsel. Egal wie.

Wir riefen Designer, Illustratoren und Texter auf: „Gestaltet eure Forderung an die Mächtigen, euer trotziges Aufstampfen oder euer empörtes Jetztaber – als Plakat!“

Rund 100 Plakate zum G20-Gipfel in Hamburg sind in unserer Propaganda-Zentrale eingegangen. Die gibt es am 6. Juli bei uns zu sehen.

Schaut euch die eingereichten Plakate in all ihrer Pracht an und lobt sie tüchtig! Kommt auf die Ausstellung „La Grande Plakastrophe“ bei uns in den Räumen im Schanzenviertel, nur wenige hundert Meter Luftlinie vom G20-Veranstaltungsort entfernt.“ (giraffentoast)


Eingereichte Plakate unter anderem von:

  • Tommy Jürgens
  • Hannes Mussbach
  • Bastian Seever
  • Ole Taschenbier
  • SPÄM
  • Carsten Schmidt
  • Moki
  • Remo Pohl
  • Marc Lehmann
  • Andreas Müller
  • Heiko Krützmann
  • Mathias Weinert
  • Luca Hinrichs
  • Peter Kraus
  • Philip Jones
  • Anna Ziegler
  • Anna Belle Jöns
  • Carsten Hardt
  • Christopher Glass
  • israelsabine
  • Till Kraschutzki
  • Andreas Hain
  • Elisabeth Maria Erdel
  • Iven Einszehn
  • Jens Uwe Meyer
  • Paula Partzsch

 

 

Ausstellung
„La Grande Plakastrophe“
Donnerstag | 6. Juli 2017
18:00 — 23:00 Uhr

giraffentoast design gmbh
Kleiner Schäferkamp 28
20357 Hamburg

Der Eintritt ist frei. Die Getränke sind kalt.
Die Begleitung ist willkommen.

giraffentoast
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G20: Unhappy Meeting

Der G20-Witz

Es ist ja in den letzten Tagen kreuz und quer durch die Presse gegangen: Zu G20 soll Diktator Erdogan seine Prügel-Leibwächter zu Hause lassen. Wohlgemerkt: nicht alle, nur jene, die bereits per Haftbefehl gesucht werden.

(snapshot: stern.de)

Mancher denkt vielleicht, indem so eine öffentliche Note in Richtung Ankara Mittelalter gesendet wird, wäre das ein sehr deutliches Signal, da beweise der Staat endlich mal Haltung, gar Courage. Großartig. Klasse. Solche Gewalttäter wollen wir hier nicht, und das machen wir mal unmissverständlich klar. Endlich mal klare Kante gegen die Türkei.

In Wahrheit ist das bloß ein schlechter Witz.

Denn es besteht ein Auslieferungsabkommen mit den USA. Spätestens wenn die USA darauf drängen, müssten die türkischen Schläger, gegen die in den USA Haftbefehle bestehen, in Deutschland festgenommen und an die USA ausgeliefert werden. In Wahrheit knickt Deutschland hier also einmal mehr gegen das Unterdrücker-Regime Erdogans ein, indem diplomatisch der Platz zwischen den Stühlen breitgesessen wird.

So hat man nicht wirklich was falsch gemacht — bloß das Richtige mal wieder unterlassen.

Sportlich könnte man auch sagen: Deutschland hat keine Lust auf erneute Nazi-Ausraster und Hass-Tiraden des Diktators, in denen er sich an Dummheit stets selbst überbietet, das will man sich nicht schon wieder antun und offiziell unkommentiert kommentieren, da gibts schon viel zuviel zu ignorieren in den deutsch-türkischen Beziehungen, die krampfhaft aufrecht erhalten werden, wie der imitierte Kopfschmerz, um sich den schlechten Sex in einer routinierten Ehe zu ersparen …

 

"Alexa, was heisst verdorrter Hoden auf türkisch?"

"Verdorrter Hoden auf türkisch heisst fünf Jahre Straflager."