Ausstellung im Rahmen der documenta 14

Geldstrom — Kunstfluss

Die Kunst wird gerne über Höchstpreise wahrgenommen, bzw. nehmen sich Medien der Kunst insbesondere dann an, wenn auf Auktionen horrende Summen hingeblättert werden. Die Gleichsetzung von Geld und Bedeutung beinhaltet einen Trugschluss, der nichts über die Lebens- und Bedeutungswirklichkeiten der Künstler und der Kunst aussagt. Vincent Van Gogh ist einer der berühmtesten Künstler der Welt, hat zu Lebzeiten aber offiziell nur zwei Gemälde verkauft. (Über)leben konnte Van Gogh nur, weil sein Bruder Theo ihn fürsorglich gefördert, zu Hause massenhaft seiner Werke angehäuft hat …
Im Spannungsfeld von Geld und Kunst strampeln sich Künstler nicht nur in der Regel über Jahrzehnte ab, ehe sie endlich den verdienten und damit auch bezahlten Platz erlangen, der ihnen zusteht. Gerade dann, wenn es finanziell endlich gut läuft, wird ihnen promt vorgehalten, sie seien plötzlich kommerziell. Der Begriff kommerziell wird ohnehin permant falsch verstanden und mit kapitalistisch verwechselt. Denn Kommerz ist nichts anderes als Handel, sagt also nichts aus über die Wertigkeit des Aktes: Kommerz findet nicht nur beim Kaufen und Verkaufen statt, sondern auch bei jeder Form von bezahlter Arbeit. Eine Kassiererin, die bei Aldi ihre Schicht in die Kasse haut, tut dies aus rein kommerziellem Antrieb – ein Vorwurf wird ihr daraus niemals erhoben. Auch dem Blumenhändler nicht, der hundert gleichartige Gebinde Tulpen anbietet. Einem Künstler mit dreißig Abzügen eines Siebdrucks aber schon!
Für Künstler sind vielfältige Ungeheuerlichkeiten an der Tagesordnung. Selbst arrivierte Künstler, hochpreisig am Markt, verkaufen manchmal jahrelang gar nichts und dürfen sich dann mit Finanzämtern herumschlagen, die Lebensleistungen ignorieren und geringschätzend Hobbytätigkeiten unterstellen. Für Künstler sind Ausstellungen in Museen unerlässlich, denn insbesondere an diesen Orten erlangen sie Bedeutung – zu dem Preis allerdings, dass dies keine Galerien sind, die Kunst dort also nicht zum Verkauf steht. Oft bringen die Künstler die Transportkosten hierfür selbst auf, sie bezahlen also dafür, dass sie Anerkennung erhalten, von der sie weder Mieten bezahlen noch Arbeitsmaterialen einkaufen können, geschweige denn etwas zu essen oder sich gar einen Urlaub nach jahrelanger Ackerei leisten. Fast alle Künstler behaupten, sie könnten von ihrer Kunst prima leben, und die meisten von ihnen lügen. Sie tun es nicht aus eitler Böswilligkeit, es ist eine Überlebensstragie, die ihnen ihren mühselig erarbeiteten Ruf sichern soll. Denn wer nichts oder zuwenig verkauft, muss sich vorwerfen lassen, nicht gut genug zu sein, mit seinem Schaffen am falschen Platz, mit der falschen Strategie, mit idiotischen Vorstellungen oder es in welcher Art auch immer nicht drauf zu haben. Da gibt es die vielfältigsten Behelfsunterstellungen, die inhaltlich gar keinen Wert haben und meistens nicht einmal Sinn, weil die Kunst hier offenbar mit irgendeiner x-beliebigen Ware oder Dienstleistung verwechselt wird. Weil ignoriert wird, dass es in der Kunst vorrangig um eines geht: Um Qualität.
Das Thema Kunst & Geld ist ein weites Feld, und diese kleinen Anmerkungen sollen hier als Denkansätze genügen.
Iven Einszehn: „Einsamer Protest“
Treibholz, genäht, bestickt, lasiert
ca. H 80 x B 49 x T 6 cm
Die Weltkunstmesse documenta darf man getrost als Perversion des Kunstbetriebs bezeichnen. Hier werden alle vier Jahre die millionenschweren Eckpfosten ins Fundament der kapitalistischen Kunstverwertung gerammt. Ein guter Zeitpunkt, um mit kritischem und distanziertem Blick auf das Phänomen „Geldstrom – Kunstfluss“ zu blicken. Die kuratierte Aussstellung im Rahmen der documenta 14 wird vom und im Anthroposophischen Zentrum Kassel veranstaltet. Der Eintritt ist frei.

Teilnehmende Künstler:
Erika Bialowons, Hamburg
Iven Einszehn, Hamburg
Hans-Otto Fentrop, Loheland, Künzell
Melanie Giljum, Weimar
Sabine Harton, Gleichen (Göttingen)
Titus Grall, Borchen
Katharina Grote Lambers, Hofgeismar
GP Linientreu, Berlin
Susana Nevado, Madrid
Christa Niestrath, Detmold
Charly Rüther, Kassel
Birgit Schiemann, Berlin
Eva Vilemina Urbank, Eschwege
Michael Wagner, Heidelberg

 

 

Geldstrom - Kunstfluss
14.05.2017 - 26.06.2017

Anthroposophisches Zentrum Kassel
Wilhelmshöher Allee 261
34131 Kassel

Eröffnung: So, 14. Mai 2017, 11.30 Uhr 
Einführung: Dr. Ellen Markgraf

 

Plotbot Ken im Small Space

Rudi D. Klöckner, der Macher

Wer sich für Streetart interessiert, kommt an Rudi D. Klöckner nicht vorbei. Bereits seit zehn Jahren betreibt Rudi das Portal urbanshit. Mit seinen täglichen Schlaglichtern auf die Szene der Urbanart ist Rudi hierzulande längst einer der vorrangigen Archivare urbaner Kulturen, der mit unbefangenem Blick auch abwegigste Interventionen im öffentlichen Raum zu würdigen weiß. Den ewig und immer wieder aufkeimenden Diskussionen, häufig eher noch Anfeindungen im Bild-Zeitungs-Niveau, dies oder das wäre ja bloß Sachbeschädigung, purer Schwachsinn, hätte mit Kunst gar nichts zu tun usw. blabla, weiß Rudi doch immer wieder mit einer kleinen Huldigung an die Kreativität zu trotzen. Ich habe ja stets die Hoffnung, dass es genau so gelingen kann, den einen oder anderen Geist zu befreien …

Nicht mehr wegzudenken ist Rudi in Hamburg allerdings auch als Macher und Ausstellungsmacher. Was zunächst 2014 als Online-shop, der Urbanshit Gallery, begann, fand seine geradezu folgerichtige Fortsetzung in diversen Popup-Ausstellungen.

Seit letztem Jahr zeichnet Rudi außerdem als Vereinsvorsitzender des Urban Art Institute verantwortlich, das sich zur Aufgabe gemacht hat, unter dem Motto Walls can dance die Kunstwelt in großformatigen Murals in Harburgs Binnenhafen und Innenstadt zu bringen. Das erste von insgesamt zehn geplanten Wandgemälden wurde vor ziemlich genau einer Woche vom Künstlerduo Low Bros fertiggestellt und ist am TU-Gebäude in der Harburger Schloßstraße zu besichtigen.

Wie schon im vergangenen Jahr, betreut Rudi auch in diesem Sommer die Kunst auf dem Musikfestival MS Dockville als Kurator. Dem diesjährigen Thema von MS Artville „Oasen“ hat Rudi aber zunächst einmal eine eigene Oase vorangestellt.

Denn ab heute ist die Kunst der Urbanshit Gallery nicht nur online und gelegentlich an kurz aufgezogenen Orten zu haben, urbanshit hat ab sofort eine kleine, feine Galerie, den Small Space in der Breiten Str. 56 in Altona. Zur Eröffnung wartet die Galerie mit einer Einzelausstellung von Plotbot Ken aus Berlin auf.

Small Space, die Urbanshit Galerie in der Breiten Straße 56

Plotbot Ken: Vergangenheit als Zukunft

Plotbot Ken legt ein dystopisches Werk vor, in mehrfachem Sinne. Da sind zum einen seine Bildwelten, die man durchwegs als bedrohte Arten überschreiben kann, gleichgültig ob er Menschen oder Tiere darstellt. Während sich in den auf den ersten Blick rein naturalistischen Tierbildern die Szenearien der Bedrohung vielleicht nicht auf den ersten Blick erschließen, werden sie spätestens in den Titeln deutlich. Menschen malt Plotbot Ken häufig mit Atemschutz, Gasmaske oder in Schutzanzug. Verzichtet der Künstler auf diese Insignien der Selbstzerstörung, sind die Köpfe in den Darstellungen häufig zu Schädeln verwest, die einen noch im Tod stoisch aus dem Hemdkragen betrachten oder Haltung bewahrend aus der Uniform anstarren.

Plotbot Ken: „…“ (Ausschnitt)
Plotbot Ken: „A lie told often enough becomes the truth“

Plotbot Ken: „Lead, follow or get the hell out of the way“
Plotbot Ken: „Only you can prevent a forest“
Plotbot Ken: „Mèmoires“
Plotbot Ken: „Airmail“

Zum anderen sind da die Materialien, auf denen Plotbot Ken arbeitet. Munitionskisten, Schubladen, Blechkisten, Benzinkanister, Schilder, Buchdeckel, Briefumschäge, Konstruktionszeichnungen und Fundstücke aller Art aus Schrott oder Altholz. Allesamt Dinge und Gegenstände, die ihre Funktion hinter sich gelassen und auf denen die Zeiten deutliche Spuren hinterlassen haben. Obwohl diese Materialien lediglich aus vergangenen bis vergessenen Zeiten stammen, wirken sie für sich genommen bereits wie eine Mahnung an eine Zukunft, an der die Menschheit allen Auswüchsen und Katastrophen zum Trotz nicht müde wird, sie sich selbst zu bescheren.

Plotbot Ken: „Nuclear Winter“

Und dystopisch sind die Orte, an denen Plotbot Ken sein Arbeitsmaterial findet. Aufgegeben Fabriken, Industriebrachen, Ruinen, verlassene Orte. Lost places dienen dem Künstler aber nicht allein als Fundgrube für sein Arbeitsmaterial, Plotbot Ken lässt sich gleichsam von den verwahrlosten Orten inspirieren und tritt mit seinen Werken in einen Dialog mit der Umgebung: Der Künstler nutzt nämlich nicht allein die Materialien, die er dort vorfindet, er malt auf genau diesem Material direkt vor Ort.

Plotbot Ken legt letzte Hand an die Präsentation von: „Endangared“

 

Urbanshit
Urban Art Institute / Walls can dance
Low Bros

 

Small Space
Plotbot Ken : Product of Environment
Breite Straße 56 | HH-Altona
(S-Bahn Königstr. oder Reeperbahn)
Vernissage: 08.04.2017 | 19:00 Uhr
(bis 05.05.2017)

Allgemeine Öffnungszeiten:
Di | Mi 14:00 - 18:00 Uhr 
Sa 14:00 - 17:00

Plotbot KEN:
Facebook
Flickr
Instagram

 

X WORDS

X WORDS

Institut für alles Mögliche / Abteilung für alles Andere

Nur am 17. März | ab 19:00

Ackerstraße 18 | Berlin-Mitte

Iven Einszehn: „Dein Leben hat Dich fest im Griff. Du Idiot!“

mit:

Sebastian Siechold
Osvaldo Cibils
Klaus Pinter
Iven Einszehn
Alex Latham
Nina Ross
Veronika Reichl
Katja Kalla

 

X WORDS
Institut für alles Mögliche
Plusnull e.V.

Gesichter im Kunstverein Stade

Der Kunstverein Stade hat einen Wettbewerb zum Thema Gesichter ausgerufen. Knapp 40 Positionen zum Thema sind ab Anfang Dezember im Kunstpunkt Schleusenhaus in Stade zu sehen. Fast alle Exponate sind verkäuflich.

Teilnehmende Künstler:

Frauke Beeck, Gisa Bergmann, Annette Boedts, Karin Boine, Joachim Brumme, Annette Bülow, Andrea Cziesso, Uschi Dechow, Iven Einszehn, Georg Engst, Margaretha Ganseforth, Anke Henneberg, Sarah Hillebrecht, Emese Kazár, Christa Klüßendorf, Gabriele Kurth-Schell, Britta Lange, Sarah Theresa Leja, Detlef Lemme, Christiane Lüdtke, Hanna Malzahn, Anke Maria Montana, Mario Müller, Siegmar Münk, Tamara Nickel, Angelika Petzl, Marc Pusch, Andrea Rausch, Ilse Rüder, Corinna Sapendowski, Anna Sasse, Hans Schlimbach, Susanne Siegmund, Gerhard Silber, Kerstin Stephan, Nicola Vogel, Anke Vos, Johanna Wunderlich, Yihuan Yao

 Mein Beitrag

Iven Einszehn: TILT"
Iven Einszehn: „TILT“
Linoldruckfarbe (Druck von Trittschalldämmung), Collé, Lack, Streetink,
Offsetdruckfarbe (Gummidruck) und aufgesetzte Rahmung auf Papier / auf Sperrholz
H 65,5 x B 50 cm

 

Ausstellung zum Wettbewerb Gesichter
Kunstverein Stade
Kunstpunkt Schleusenhaus | Altländer Str.2 | Stade
04.12.16 - 29.01.17
tägl. 11- 17 Uhr (Eintritt frei, Feiertage geschlossen)

Eröffnung: Sonntag, 04.12.16 | 11 Uhr
Finnisage und Preisverleihung: Sonntag, 29.01.17 | 15 Uhr
Katalog zur Ausstellung
(erscheint Anfang Januar)
52 Seiten | 21 x 21cm | 4farbig
€ 8,- Euro

erhältlich auch über die homepage (Versand € 1,45)

 

TILT
TILT - Van Gogh
TILT - De Vlaamse Schilderkunst

Spiegeleier auf der Veddel

Spiegeleier sind in der Kunst ein eher vernachlässigtes Sujet. In Hamburg zumindest gibt es einen Vertreter, der sich dem Spiegelei verschrieben hat, zu finden am ehemaligen Zollamt an der Tunnelstraße in Veddel, unweit der Veddeler Fischgaststätte.
Die Veddeler Fischgaststätte gilt als Kult, ich rate aber dringend davon ab, die homepage anzugucken, um herauszufinden, wie man da hin kommt. Der Kartoffelsalat auf den abgebildeten Mahlzeiten (hübsch angerichtet mit einer Viertelzitrone!),  sieht aus wie Schleim oder Albinokotze. Würde auf der Speisekarte der Kartoffelsalat nicht erwähnt, man käme kaum drauf, was das für eine Pampe auf dem Teller sein könnte. Mit Bratkartoffeln müht man sich dort nicht ab, da landet alles in der Fritteuse, es gibt also höchstens Pommes als alternative Beilage.
Mir haben über die Jahre mindestens fünfzehn Leute, die niemals dort essen waren, versichert, wie großartig es da wäre, überhaupt wäre die Veddeler Fischgaststätte die letzte Kaffeeklappe Hamburgs, die bestimmt bald dichtmacht, weil seit Jahren in Hamburg ja alles den Bach runtergeht. Deshalb würde man dort seit Jahr und Tag regelmäßig  jeden Sonntag mindestens zwei Portionen Fisch verzehren. Und immer auch was für zuhause mitnehmen. Der Laden hat aber am Wochende gar nicht geöffnet. Auch abends nicht. Eigentlich nur zu Zeiten, die sich hauptsächlich Hartz-IV-Emfänger leisten können, von 11:00 – 17:45. Wer es ausprobieren möchte, Adresse siehe unten.

 

OZ an der Veddeler Fischgaststätte

Immerhin: Wer sich nicht die Mühe macht, Bratkartoffeln zu brutzeln, macht sich auch nicht die Arbeit, einen OZ überzupinseln.

Zurück zu den Spiegeleiern: Wenn man sich als Passant oder Radfahrer durch das Baustellenchaos an der Tunnelstraße begibt, ist man von Absperrungen, Holprigkeiten und Warnbarken so sehr labyrinthiert, dass man die Illegalerie, der man dort neuerdings begegnet, leicht übersieht.
Die Spiegeleier, die einem ins Auge fallen könnten, verkennt man leichtfertig als bloß hingerotzte Kleckse an der Wand ohne Sinn und Verstand. Hat man diese Kleckse aber einmal als Spiegeleier entlarvt, entdeckt man vielleicht, was das eigentlich für eine schöne Idee ist — einfach mal Spiegeleier zu malen. Die gehen flott und sind eigentlich ganz hübsch. Auf jeden Fall lecker.
Wenn man sich also Zeit nimmt für die Spiegeleier, man es also wagt, das Gelände, das man bestimmt nicht betreten „darf“, eingehend zu inspizieren, gibt es viel mehr zu sehen. Da wurden Tücher und Stofffetzen zwischen die Geländer gehängt und genäht, darunter auch Spiegeleier, Installationen wurden gespannt, eine Mauerecke ist plakatiert, ein kleiner Haufen Zeichnungen wurde an den Laderampen, in Fenstern und Türen aufgehängt.
 
Hier fehlt in der Streetart übrigens ein Begriff. Für Plakatierungen und für cutouts, die an Wände geklebt werden, wird pasteup verwendet. Aber für das bloße Aufhängen von Bildern gibt es kein Wort. Wie wäre es schlicht mit hangout?
Illegalerie
mit Spiegeleiern, Installationen, Zeichnungen
ehem. Zollamt | Tunnelstraße/Baustelle | Veddel
Veddeler Fischgaststätte
Tunnelstraße 70 | 20539 Hamburg-Veddel
Mo - Fr. 11:00 — 17:45
OZ
Oz ist nicht tot

Street-Art-School Hamburg

Heute war (bzw. ist noch ein paar Stunden) Sommerfest der Street-Art-School Hamburg. Dazu gab’s eine große Ausstellung, viel selbstgebackenen Kuchen, 4 Milliarden Sticker (meist gegen Spende), Live-Malerei auf dem Parkdeck, Schnupperkurse in Siebdruck und Stencil und einiges andere mehr …

Ein paar Eindrücke:

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Label der Street-Art-School mit Kleisterbürste, Cutter und Sprühknopf

 

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Das großzügige Treppenhaus dient als Galerie

 

 

Marshal_Arts-00-webMarshal_Arts-01-web Marshal_Arts-02-web Marshal_Arts-03-web

 

Spass_Invader-web LIEBSEIN-web

 

dAS_OLF-ism_suckz-00-web dAS_OLF-ism_suckz-01-web dAS_OLF-ism_suckz-02-web

 

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AIN-03-web AIN-02-web AIN-01-webWerke von AIN –> vgl.: MS Artville 2016

in-Arbeit-01-web in-Arbeit-02-webin-Arbeit-03-webStencil-web Stencils_und-boese--web Hall-of-fame_Pasteups-Sticker-webAuf dem Parkdeck gibt’s Wände zum (legalen) Malen und eine Hall of Fame mit massenhaft Pasteups …

Auf dem Rückweg verschlug es mich wieder  in die U-Bahn Feldstraße. Da war ich neulich also genau im richtigen Augenblick vor Ort. Wenn in fünfhundert Jahren Archäologen die Station ausgraben und die Farbreste aus den Fugen kratzen, werden sie auf eine ursprüngliche Bemalung der Wände schließen. Sie werden daraus ableiten, dass ganz sicher alle Bahnstationen bunt bemalt waren, weil die Gesellschaft zu Beginn des 21. Jhds eine fröhliche Gemeinde war, die von Farbe gar nicht genug kriegen konnte.

Fugen_Ueberreste-web–> vgl.: Berlin Kidz in Hamburg

Street-Art-School
St. Pauli Karo Schanze
 Rindermarkthallen
 Neuer Kamp 31 / Neuer Pferdemarkt / Aufgang D
 20359 Hamburg

street-art-school.de

SUGAR im Barmbeker Rundbunker

Wer es gestern nicht geschafft hat, zur Eröffnung zu kommen, sollte sich beeilen: Die Ausstellung SUGAR im Barmbeker Rundbunker ist nur noch heute ab 14:00 zu besuchen. Im Barmbeker Rundbunker ist für gewöhnlich die Boutique Peggis Schwester ansässig. Dank Sebastian Hack, Initiator der Ausstellung, haben deutsche und schweizer Künstler den Bau in ein temporäres Gesamtkunstwerk verwandelt.

SUGAR: Gesamtkunstwerk

Schon beim ersten Schritt in die Ausstellung empfängt einen der Geruch von Lack. Man ahnt, dass das letzte an die Wand gesprühte Werk erst vor fünf Minuten beendet wurde, weiß aber nicht, dass der Bunker schlecht zu belüften ist. So hält sich das typische Aroma von MOLOTOW-Dosen und umnebelt einen heftig, während man den Bunker nach oben steigt und sich Werk um Werk über die Nase ins Gedächtnis prägt. Ein praktischer Nebeneffekt, denn die Verknüpfung von Geruchssinn und Erinnerungen ist nicht zu unterschätzen.

SUGAR: Bobbie Serrano

 

SUGR: Bobbie Serrano

Immerhin braucht man, umweht vom Gas der Kannen, nicht ganz so viele Biere, um besoffen zu werden, als besuchender Künstler fühlt man sich sofort zu Hause und mit dem ersten Atemzug wird deutlich, worum es in dieser Ausstellung geht bzw. was die Künstler in all ihrer Unterschiedlichkeit eint: Es ist die Straße. Allesamt sind sie Streetartkünstler, haben ihre Wuzeln im Graffiti oder bedienen sich der anarchistischen Techniken – die zugegeben bei der Verwendung im Atelier immer etwas von ihrem Reiz verlieren. Denn eine Kalligrafie, ein Graffiti oder ein Bombing entwickelt an der Wand und in der Hermetik einer Ausstellung nie die Kraft, die Wirkung und Bedeutung, die es auf der Straße durch seine Umgebung und den Kontext des Verbotenen erhält.

SUGAR: OneTruth + Gesamtkunstwerk

 

SUGAR: Gesamtkunstwerk Detail

Zu entdecken gibt es dennoch viel großartige Kunst, mal unverkennbar nah dran an der gemeinsamen Herkunft, dann in vollkommener Ferne, so dass im Werk keine unmittelbar sichtbare biografische Notiz verbleibt. Dies ist aber unerheblich, denn in der Kunst geht es allein um die Kunst. Über Ursache und Wirkung lässt sich viel und gerne reden – darauf reduzieren muss man aber nichts. Bestes Beispiel hierfür: die herausragenden Gemälde von Tobias Kroeger, in denen er die Gesichter in Farbbalken zerlegt, in abstrakte Landschaften und in geometrischen Zerfall, wodurch diese Bilder den Betrachter mit der Deutung vollkommen allein lassen. Genau genommen aber: einen genau damit reichhaltig beschenken.

SUGAR: Tobias Kroeger

 

SUGAR: Tobias Kroeger

Auch ohne die Kunst ist der Ort einen Besuch wert, denn der Rundbunker ist die architektonisch optimale Lösung, möglichst viele Menschen auf geringem Platz unterzubringen. Der Turm ist eine einzige sich selbst verschlingende Etage, in der es auf einer geschwungenen Rampe vom Erdgeschoss bis unter die Decke geht. Bei der Begehung kann einem schwindelig werden. Man mag sich kaum vorstellen, wie die Menschen in Barmbeker Bombennächten auf dieser Rampe verharrten, Stunde um Stunde, dicht an dicht, auf schiefem Grund.


SUGAR ARTEXCHANGE
Rundbunker Barmbek
Wiesendamm 7 (direkt S/U-Bahn Barmek)
NUR NOCH HEUTE, 16. April, 14:00 – 22:00
Aftershow Party im Molotow: Heute, 16. April 23 Uhr – open end

 

Künstler: Rips 1 / OneTruth / Dr. Drax / Pase / Tobias Kroeger / Base 23 / Frau Meier / Ona Sadkowsky / Fred Naujoks / kasi / RobiTheDog /  Bobbie Serrano / Oibel / Kera / Attidude / Thomas Koch (Strassenkoeter) / Kilian Vilim / Mark Freiboth

Wie hässlich ist Stade?

In meiner Besprechung zur Hannah-Höch-Ausstellung im Kunsthaus Stade kam ich nicht umhin, meine Sicht auf die Stadt darzustellen, die ich als aseptische Provinz wahrgenommen habe. Auf facebook wird jetzt seitens StadeTourismus nachgehakt, und ich bin gespannt auf die Rückmeldungen.

Wenn Du Stade kennst oder sogar höchstpersönlich Stade bist, darfst Du deine Meinung auch gerne hier über die Kommentarfunktion loswerden …

Snapshot_Facebook-StadeTourismus

Die Welt ist 100 Jahre DADA

Morgen in junge Welt:

snapshot-jungeWelt
snapshot junge Welt v. 17.12.2015

 

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Die Welt ist seit 100 Jahren DADA

Zum 100. Geburtstag von DADA schenkt das Kunsthaus Stade Hannah Höch eine Werkschau
Hannah_Hoech-01-65-pro
(c) Iven Einszehn „Hannah Höch DADA“
(Weiterentwicklung: Sieht aus, wie eine Collage, ist aber eine KeineCollage: Das Collé einer Faltung / cutout und Bleistift auf Karton.)

Stade ist ein seltsamer Ort. Eine legolandartige Kleinstadt, in der die adrett zurechtgemachten Fachwerkhäuser, eins hübscher als das andere, jeden Tag gezählt werden. Mancher Rentner, der durch die hermetisch zugepflasterte Innenstadt von Stade stolpert und sich am pittoresken Postkartenambiente der lackierten Fassaden ergötzt, wird einen Menschen wie mich, der dieses Ambiente abstoßend findet, kaum verstehen. In seiner vollkommenen Schönheit ist Stade auf perfide Weise potthässlich. Diese geleckte Welt kommt nämlich ohne Spuren lebender Menschen daher. Auch am hundertsten Häuschen ist nichts Individuelles auszumachen, so als wäre es der Bevölkerung per Stadtverordnung verboten, Gedöns ans Haus zu nageln, Blumentöpfe oder Figürchen vors Haus zu stellen, gar kleine Vorgärten anzulegen. Entfernt man die zufälligen Passanten von den Straßen, ist alles Lebendige ausradiert. Man muss lange suchen, um irgendwo ein abgestelltes Fahrrad zu entdecken, noch länger für einen Aufkleber an einem Laternenpfahl oder gar einen Blumenkasten vor einem Fenster. Stade ist die vollkommene Künstlichkeit, die Imitation der Idealstadt. Ausgerechnet hier, in der aseptischen Provinz, in der man allenfalls die jährliche Präsentation der Bewohnerklone erwarten dürfte, wird der 100. Geburtstag von DADA eingeläutet.

DADA betrat am 05. Februar 1916 in Zürich mit einem Paukenschlag die Welt, eroberte im Handstreich Europa und schaffte über Paris, Berlin, Hannover und Köln in Windeseile den Sprung über den großen Teich nach New York.  Man darf die DADA-Bewegung guten Gewissens als Initialzündung der modernen Kunst bezeichnen. DADA brach mit allem, was üblich und gängig war. Herkömmliche Betrachtungen wurden abgelegt, neue Sichtweisen, Arbeitsweisen und Techniken wurden erprobt und erfunden. Die Geburt DADAs war nichts Geringeres als der Anspruch, die Welt zu verändern.

Wer von Kunst keine Ahnung hat, ahnt gar nicht, in welch tiefgreifender Weise dies gelungen ist. Unser Verständnis von und für Kunst, Ausdruck und Gestaltung ist in seiner Vielfältigkeit so selbstverständlich, dass wir die reichhaltigen Rückgriffe auf DADA bzw. seine Einflüsse im Umgang mit Material und Ausdruck nicht wahrnehmen. Typographie, Buch- und Zeitungsdruck, Illustration, Werbung und Reklame aller Art, Film, Theater, Tanz, Literatur und Dichtung und nicht zuletzt die bildende Kunst in all ihren Facetten – all das fußt auf dem Fundament dadaistischer Befreiungen und Schöpfungen. Allen voran: Auf der Collage, vielleicht dem dadaistischen Ausdrucksmittel schlechthin. Seit Jahrzehnten wird hierzulande jedes Schulkind mit dieser bahnbrechenden Technik vertraut gemacht, so dass die Collage manchem eher als Kinderei gilt. Völlig zu Unrecht.

Das Kunsthaus Stade widmet einer der Erfinderinnen der Collage eine kleine Werkschau: Hannah Höch, Dadaistin der ersten Stunde und neben Sophie Taeuber einzige Protagonistin der DADA-Szene. Obwohl Hannah Höch ihrem ureigenen Medium, das sie auch in die Malerei, in Kostüm- und Bühnenbild übertragen hat, bis zu ihrem Tod 1978 treu geblieben ist, widerfährt ihr permanent ständige Ungerechtigkeit. Ihre kunstgeschichtliche Bedeutung ist zwar unbestritten, gleichzeitig wird sie dennoch dauernd in einem Atemzug mit ihren männlichen Kollegen genannt. Vielleicht soll sie das adeln. Vielleicht sollen damit ihre intensiven Freundschaften und langjährigen Arbeitsbeziehungen zu den herausragenden Künstlern ihrer Zeit herausgestellt werden. In Wahrheit beschneidet das ihren Rang in unerträglichem Maße, in Wahrheit ruht hierin ein beständiger Vorwurf an ihre Schwanzlosigkeit. Denn wäre Hannah ein Hans oder Hannes Höch gewesen, würde man den nicht dauernd in Nebensätze verpacken. Dann würde man Max Ernst, Hans Arp, Hugo Ball, Kurt Schwitters, Richard Huelsenbeck, Raoul Hausmann, Johannes Baader, John Heartfield, George Grosz und wie sie nicht alle heißen an Höch messen – und nicht umgekehrt.

Das Kunsthaus Stade ist ein charmanter Ausstellungsort. Auf seinen drei Etagen schaffen die niedrigen Deckenhöhen des Fachwerkgemäuers, in dem allzu Großformatiges nicht gezeigt werden kann, zwangsläufig eine fast private Atmosphäre. Hier wähnt man sich eher in den Räumen eines Privatsammlers, denn in einer musealen Galerie. Unterstützt wird dieser Eindruck durch die Zusammenstellung der Schau. Die etwa 80 Exponate sind nicht aus den Museen der Welt zusammengetragen, sondern vorrangig aus privaten Sammlungen und dem Nachlass Höchs. So ergibt sich eine einmalige Gelegenheit auf die Entdeckung so mancher kleinen Meisterwerke, die der Öffentlichkeit ansonsten kaum zugänglich sind, und nebenbei auch ein Blick in Hannah Höchs privates Fotoalbum, mit dem man sich gerne in ein stilles Eckchen zurückziehen würde. Festgehalten für die nächsten 100 Jahre DADA ist die Ausstellung im absolut empfehlenswerten Katalog von Sebastian Möllers und Luisa Pauline Fink.

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Ausstellung: „Vorhang auf für Hannah Höch“
Kunsthaus Stade
Wasser West 7, 21682 Stade
bis 21. Februar 2016
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Katalog:„Vorhang auf für Hannah Höch“
Sebastian Möllers und Luisa Pauline Fink
Michael Imhof Verlag, 96.S, € 22,90
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Neu: Iven auf Twitter

Neues Buch: Es geht auch ohne Elke, Elke

Elke-cover-vorn

  • Taschenbuch: 114 Seiten
  • Verlag: CreateSpace Independent; 3. Auflage
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 1517683475
  • ISBN-13: 978-1517683474
  • € 6,01

Erhältlich bei Amazon

Mit einem Klick ins Puppenmuseum

Iven_Einszehn-Wutprobe_002-web

Wutprobe

Puppe, Plastikmüll, Böller, Holz, Lack, Acrylfarbe und Monodruck

ca. H 62 x B 32 x T 20 cm


 

Iven_Einszehn-Jaeger-web-001

Jäger

Puppe, Geweih, Fundholz, banalarchäologische Funde (Knochen, Besteck, Zierteil)

ca. H 38 x B 46 x T 22 cm


Iven_Einszehn-Nach_dem_Besuch_beim_Kinderpsychiater-001-web

Nach dem Besuch beim Kinderpsychiater

Puppe, Schablone, Spielklotz, Holz, Sand, Lack, Dispersionsfarbe

ca. H 30 x B 25 x T 28,5 cm


Iven_Einszehn-Scary_doll-003-web

Scary doll

Puppe, Goldleistenstifte, Klinge, Holz, Dispersionsfarbe, Lack

ca. H 30 x B 37 x T 20 cm


Das Puppenmuseum ist eine virtuelle Ausstellung, die sich weiter entwickelt. Noch ist das eine Schleife; wenn alles fertig ist, wird es ein Labyrinth mit Nebenwegen und Sackgassen. Ich arbeite dran.

Beim Gang durchs Puppenmuseum stolpert ihr über Tänzerinnen und Terroristen, Akrobaten und Absonderlichkeiten, Surreales und Poetisches. Ihr gelangt in den Besteckkasten, von dort in den Zoo und schließlich zu einigen Autorenportraits.

In ein paar Wochen gehts dort weiter in ein Naturkundemuseum mit versteinerten Büchern in versteinerten Vitrinen, mit Fossilien von nicht aufgegessenen Mittagessen und mit Versteinerungen von vom Wind zusammen gewehtem Müll.

Im Naturkundemuseum wird es eine Tür geben. Dort folgt das Tafelzimmer. In ein paar Monaten …

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Puppenmuseum
geöffnet, wann immer Du dich reinklickst

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