DRECKSTÜCK

So ein Künstlerleben ist schön. Man hat den ganzen Tag nix zu tun. Da hat man Zeit, sich was auzudenken. Z. B. eine Männerseife. Die ist schwarz und sieht dreckig aus, als würde man sich altes Motoröl auf die Hände schmieren. Wie sich das gehört, für so ein richtiges Drecksstück wie dich und mich.

Ok, ich hab diesen schwarzen Seifenklotz anunfürsich nicht erfunden, mir ist lediglich aufgefallen, dass es sich dabei um ein DRECKSTÜCK handelt. Das hatte die Seifenmacherin übersehen. Seitdem steht es jedenfalls da drauf.

Die Seife ist handgemacht. Illegal produziert. Kein Gewerbe. Kein Finanzamt. Garantiert nicht dermatologisch getestet. Ich verwende sie jeden Tag. Auch untenrum. Sie ist nur im anarchistischen Straßenverkauf erhältlich. Niemand weiß wann und wo. Klapptische haben halt ihre Gründe.

Eine Ausnahme machen wir hier in Form einer Mini-Edition von 11 Exemplaren. Denn so eine Seife, die ist natürlich Kunst,-

1 DRECKSTÜCK gibts handsigniert, mit Echtheitszertifkat für € 19,90 incl. Versand per direktem Geldeinwurf (Absender draufschreiben!) bei unserer nagelneuen Bestelladresse:

(Es ist der weiße Briefkasten ganz unten links.)

 

 

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Trumpland

Korrigierte Flagge 1

trumpland

Korrigierte Flagge 2

trumpland-me-first

(Ich kann mir den Kalauer nicht verneifen: Der Fachbegriff für Flaggenkunde lautet Vexillologie. Für Trampel Trump würde ich Wixollologie vorschlagen …)

Gesichter …

… wegmachen!


ohne Titel

Iven Einszehn: o.T.
Kunstdruck, tape, Lack, Pappe und Tintenstift auf Papier
65 x 46 cm


Holes

Iven Einszehn: Hole #1
Stanzung, Collé und Lack auf Kunstdruck
50 x 40 cm

Iven Einszehn: Hole #2
Stanzung, Collé und Lack auf Kunstdruck
50 x 40 cm

Iven Einszehn: Hole #4
Stanzung, Collé, Lack und Marker auf Buchseite
50 x 40 cm

Iven Einszehn: Hole #5
Stanzung, Collé, Lack und Marker auf Buchseite
50 x 40 cm

Iven Einszehn: Hole #6
Stanzung, Collé, Lack und Marker auf Buchseite
50 x 40 cm

Iven Einszehn: Hole #7
Stanzung, Collé und Lack auf Kunstdruck
50 x 40 cm

Iven Einszehn: Hole #8
Stanzung, Collé und Lack auf Kunstdruck
50 x 40 cm

Iven Einszehn: Hole #9
Stanzung und Lack auf Kunstdruck
50 x 40 cm

Iven Einszehn: Hole #10
Stanzung und Lack auf Kunstdruck
50 x 40 cm

Iven Einszehn: Hole #11
Stanzung und Lack auf Kunstdruck / gerissen / Collé auf Karton
50 x 40 cm

Iven Einszehn: Hole #12
Stanzung und Lack auf Kunstdruck / gerissen / Collé auf Karton
50 x 40 cm

Iven Einszehn: Hole #13
Stanzung und Lack auf Kunstdruck / gerissen / Collé auf Karton
50 x 40 cm

Valentino

Iven Einszehn: Valentino I
Buchseite, tape, Lack und Marker auf Papier
65 x 46 cm

Iven Einszehn: Valentino II
Buchseite, tape, Lack, Lackstift und Tintenstift auf Papier
65 x 46 cm

Iven Einszehn: Valentino III
Collé, Lack und Marker auf Papier
65 x 46 cm

Iven Einszehn: Valentino IV
Lack, Collage und BLeistift auf Papier
60,5 x 42,5 cm

Iven Einszehn: Valentino V
Buchseite, tape und Lack auf Papier
65 x 46 cm

Iven Einszehn: Valentino VI
Collé, tape und Lack auf Papier
65 x 46 cm

Iven Einszehn: Valentino VII
tape, Collé und Lack auf Papier
65 x 46 cm

Iven Einszehn: Valentino VIII
Collage, tape, Lack und Tintenstift auf Papier
65 x 46 cm

Bombings

Iven Einszehn: Bombing 1
Lack auf Kunstdruck
50 x 40 cm

Iven Einszehn: Bombing 2
Lack, Korrekturstift und Tintenstift auf Kunstdruck
50 x 40 cm

Iven Einszehn: Bombing 3
Lack, Korrekturstift und Tintenstift auf Kunstdruck
50 x 40 cm

Iven Einszehn: Bombing 4
Lack, Korrekturstift und Tintenstift auf Kunstdruck
50 x 40 cm

Ultimative Portraits

Iven Einszehn: Ultimatives Portrait #1
Collage und tape auf Papier
50 x 40 cm

Iven Einszehn: Ultimatives Portrait #2
Collage und tape auf Papier
50 x 40 cm

Iven Einszehn: Ultimatives Portrait #3
Collage und tape auf Papier
50 x 40 cm

 

Gesichter wegmachen, ewiges Thema:
Vincent
Hackfressen u.a.
TILT teuer,-
TILT billig,- 1
TILT billig,- 2

All You Can Interview°

snapshot postmondaen.de
snapshot postmondaen.net

Daniel Ableev:

Als diplomierter Tausendsassa verfolgst du eine klare „Was muss, das muss, und müssen muss alles“-Linie – gibt es Kunst, die du nicht machen würdest? Welche zu machende Kunst steht hingegen noch aus?

Iven Einszehn:

Typische Frauenkunst werde ich auf keinen Fall machen! Man erkennt typische Frauenkunst am Unfertigen, schlecht Durchdachten, frei von Kontext, so ungefähres Zeug, dafür irgendwas mit Gefühl, worauf ganz viel abgelabert wird, in den Floskeln Ja, stimmt / find ich auch / hier rechts, auch schön, denn in dieser Kunst stimmt immer alles, weil sie sich einer Kunstbetrachtung entzieht, indem sie sich in Kunsttratsch wälzt.
Typische Frauenkunst würde ich gerne mal machen. Mich befreien vom Vollständigkeitsdrang, den Übertreibungen, der inhaltlichen Pedanterie, mich erfreuen am Unfertigen, Zufriedensein mit geistig angerissenen Inhalten, die komplizierten Kontexte, die einen wochenlang martern, einfach mal weglassen, mich auf das konzentrieren, weshalb ich in Therapie bin: Gefühle. Dazu ganz viel Blasentee. Vielleicht entwickel ich mich sogar weiter und filze meine Ängste.

hier gehts weiter

 

Daniel Ableev:
Biografie
Zentrale für Experimentelles
homepage
postmondaen

Spiegeleier auf der Veddel

Spiegeleier sind in der Kunst ein eher vernachlässigtes Sujet. In Hamburg zumindest gibt es einen Vertreter, der sich dem Spiegelei verschrieben hat, zu finden am ehemaligen Zollamt an der Tunnelstraße in Veddel, unweit der Veddeler Fischgaststätte.
Die Veddeler Fischgaststätte gilt als Kult, ich rate aber dringend davon ab, die homepage anzugucken, um herauszufinden, wie man da hin kommt. Der Kartoffelsalat auf den abgebildeten Mahlzeiten (hübsch angerichtet mit einer Viertelzitrone!),  sieht aus wie Schleim oder Albinokotze. Würde auf der Speisekarte der Kartoffelsalat nicht erwähnt, man käme kaum drauf, was das für eine Pampe auf dem Teller sein könnte. Mit Bratkartoffeln müht man sich dort nicht ab, da landet alles in der Fritteuse, es gibt also höchstens Pommes als alternative Beilage.
Mir haben über die Jahre mindestens fünfzehn Leute, die niemals dort essen waren, versichert, wie großartig es da wäre, überhaupt wäre die Veddeler Fischgaststätte die letzte Kaffeeklappe Hamburgs, die bestimmt bald dichtmacht, weil seit Jahren in Hamburg ja alles den Bach runtergeht. Deshalb würde man dort seit Jahr und Tag regelmäßig  jeden Sonntag mindestens zwei Portionen Fisch verzehren. Und immer auch was für zuhause mitnehmen. Der Laden hat aber am Wochende gar nicht geöffnet. Auch abends nicht. Eigentlich nur zu Zeiten, die sich hauptsächlich Hartz-IV-Emfänger leisten können, von 11:00 – 17:45. Wer es ausprobieren möchte, Adresse siehe unten.

 

OZ an der Veddeler Fischgaststätte

Immerhin: Wer sich nicht die Mühe macht, Bratkartoffeln zu brutzeln, macht sich auch nicht die Arbeit, einen OZ überzupinseln.

Zurück zu den Spiegeleiern: Wenn man sich als Passant oder Radfahrer durch das Baustellenchaos an der Tunnelstraße begibt, ist man von Absperrungen, Holprigkeiten und Warnbarken so sehr labyrinthiert, dass man die Illegalerie, der man dort neuerdings begegnet, leicht übersieht.
Die Spiegeleier, die einem ins Auge fallen könnten, verkennt man leichtfertig als bloß hingerotzte Kleckse an der Wand ohne Sinn und Verstand. Hat man diese Kleckse aber einmal als Spiegeleier entlarvt, entdeckt man vielleicht, was das eigentlich für eine schöne Idee ist — einfach mal Spiegeleier zu malen. Die gehen flott und sind eigentlich ganz hübsch. Auf jeden Fall lecker.
Wenn man sich also Zeit nimmt für die Spiegeleier, man es also wagt, das Gelände, das man bestimmt nicht betreten „darf“, eingehend zu inspizieren, gibt es viel mehr zu sehen. Da wurden Tücher und Stofffetzen zwischen die Geländer gehängt und genäht, darunter auch Spiegeleier, Installationen wurden gespannt, eine Mauerecke ist plakatiert, ein kleiner Haufen Zeichnungen wurde an den Laderampen, in Fenstern und Türen aufgehängt.
 
Hier fehlt in der Streetart übrigens ein Begriff. Für Plakatierungen und für cutouts, die an Wände geklebt werden, wird pasteup verwendet. Aber für das bloße Aufhängen von Bildern gibt es kein Wort. Wie wäre es schlicht mit hangout?
Illegalerie
mit Spiegeleiern, Installationen, Zeichnungen
ehem. Zollamt | Tunnelstraße/Baustelle | Veddel
Veddeler Fischgaststätte
Tunnelstraße 70 | 20539 Hamburg-Veddel
Mo - Fr. 11:00 — 17:45
OZ
Oz ist nicht tot

Vom Bearbeiten der Bohlen

Morgen in der jungen Welt:

snapshot-junge-welt
snapshot-junge-welt

–> vgl.: Auferstanden aus Ruinen

Auferstanden aus Ruinen

Zurzeit herrscht in Mecklenburg-Vorpommern Wahlkampf, der Weg über die Dörfer beschert einem keinen entspannten Sonntagsausflug. NPD-Plakate prägen das Straßenbild, manches Örtchen ist derart dominant allein von der NPD zuplakatiert, man könnte meinen, die ersehnte Diktatur wäre dort längst eingeführt. In gewisser Weiser stimmt das sogar, denn manches Dorf hat als Nazidorf traurige Berühmtheit erlangt.

Während die Gemeinde Gägelow praktisch unbekannt ist, gilt der Ortsteil Jamel als das Nazidorf schlechthin, denn die Einwohner machen aus ihrer kruden Gesinnung keinen Hehl. Das Dorfbild ist geprägt von Bekenntnissen der besonderen Art, hier wird unverhohlen dem Nationalsozialismus gehuldigt. Eine völkische Wandmalerei verklärt Jamel zur „frei-sozial-nationalen Dorfgemeinschaft“, ein selbstgebasteltes Hinweisschild weist nach Braunau, den höchsten Punkt dieser „Dorfgemeinschaft“ markiert eine Reichsflagge.

In Jamel hängt nicht ein einziges NPD-Plakat. Hoffnung auf Sabotage besteht allerdings nicht. Auch andere Parteien haben es nicht nötig, in Jamel zu werben, weder für sich noch für antifaschistische Werte. Da stehen die einen wohl auf verlorenem Posten, während andere sich bequem auf der sicheren Seite wähnen.

Mittendrin behaupten sich seit 2004 die aus dem multikulturell geprägten Hamburg-St. Pauli stammenden Birgit und Horst Lohmeyer. Sie zählen nicht zur Dorfgemeinschaft Jamel und sind damit die einzig nennenswerte Gemeinschaft in Jamel schlechthin. Das Paar führt seit Jahr und Tag einen beständigen Kampf gegen die Neonazis in unmittelbarer Nachbarschaft, trotzt allen Anfeindungen und denkt nicht dran, den Ort zu verlassen oder sich der Nachbarschaft zu unterwerfen und den Verstand einzustellen. Die Lohmeyers ergreifen das Wort und suchen die Öffentlichkeit, für ihre Zivilcourage wurden sie unter anderem mit dem Paul-Spiegel-Preis und dem Georg-Leber-Preis geehrt. Seit 10 Jahren organisieren sie das Open-Air-Festival Jamel rockt den Förster und setzen damit und mit allen Teilnehmern, Besuchern und Gästen ein starkes Zeichen gegen Rechtsextremismus.

Vor einem Jahr brannte wahrscheinlich genau für dieses Engagement ihre Scheune. Zum Jahrestag der bis heute unaufgeklärten Brandstiftung wurde am 13.08. ein Mahnmal eingeweiht. Der Schweizer Künstler Harry Schaffer, eng befreundet mit den Lohmeyers, hat am Brandort eine Woche lang aus den verkohlten Eichenbohlen eine vier Meter hohe Pyramide aufgestapelt, die Pyromide, die trotzig ein Kreuz in den Himmel streckt, zum Zeichen des Zusammenhalts und der Widerauferstehung: Auferstanden aus Ruinen und der Zukunft zugewandt. Aus den Abschnitten, die beim Zurichten der Bohlen angefallen sind, hat Schaffer außerdem ein kleines Stelenfeld errichtet, welchem dem Ort eine zusätzliche Dimension verleiht. Denn die Stelen wirken wie eine der Pyromide gegenübergestellte Menschenmenge, die mahnend Wache hält.

01-Harry_Schaffer-Birgit_Horst_Lohmeyer-vor_Pyromide-jw
Harry Schaffer, Birgit & Horst Lohmeyer vor Pyromide
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Pyromide von Harry Schaffer
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Pyromide, Detail
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Stelenfeld von Harry Schaffer
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Überrest: Grundmauer der abgebrannten Scheune

Zur Einweihung des Mahnmals hatten die Lohmeyers persönlich geladen, es haben sich gerade einmal knapp 25 Gäste eingefunden. Zwar waren meine Frau und ich nicht eingeladen, dennoch hatte ich unterstellt, im Vorfeld der Berichterstattung über den Bau der Pyromide würden auch andere dieses Ereignis wichtig nehmen und ungefragt anreisen. Denn ein Zeichen zu setzen, wie es die Lohmeyers tun, verdient Beachtung – da braucht man gar keine Einladung, ein solches Zeichen aufzunehmen und durch persönliche Anwesenheit zum eigenen Bekenntnis zu machen, was letztlich auch die Arbeit zweier einsamer Kämpfer stärkt …

… Immerhin folgt in 14 Tagen Jamel rockt den Förster, und dieses Festival-Wochenende bestärkt die Lohmeyers jedes Jahr.

 

Open-Air-Festival Jamel rockt den Förster
26./27. August
u.a. mit Bela B, Madsen und Turbostaat
Tageskarten € 15,- / Wochenendticket € 25,-
Jamel bei Gressow / Wismar
www.forstrock.de
Pyromide und Stelenfeld von Harry Schaffer
www.studioschaffer.ch



Artikel in der jungen Welt vom 23.08.2016

MS Artville 2016

Mit der schlichten Aufforderung Kunstgucken lädt das Musik- und Kunstfestival MS Dockville zu kostenlosen Sonntagspaziergängen übers Gelände nach Wilhelmsburg. Während es musikalisch und bandmäßig erst ab 18. August ein Wochenende lang ordentlich zur Sache geht, ist die Kunst längst schon da. Für MS Artville arbeiten eine Handvoll Künstler im Vorfeld einige Wochen auf dem Gelände — oder sie hängen einfach ihre Bilder in die bereitgestellten Ausstellungskuben.

Ohne das Dekorationselement Kunst, allem voran allen Facetten der Streetart und Urbanart, des Upcyclings und trashiger Auswüchse im Kunstgebrauch wagen sich seit etlichen Jahren Musikfestivals europaweit nicht mehr aus den Startlöchern. Und so ist auch das Dockville-Gelände über die Jahre zu einem KunterKunstGefrickel aus Dauerinstallationen und skulpturalen Baracken geronnen.

Meistens werden die Künstler auf Musikfestivals missbraucht, indem ihre überbordende Kreativität unentgeltlich ausgenutzt wird: Während von keiner Band erwartet wird, kostenlos aufzutreten, „dürfen“ Künstler sich geschmeichelt fühlen, zur Präsentation ihrer Werke ausgewählt worden zu sein. Ausstellungshonorare werden jedenfalls nie gezahlt, trotz zahlender Gäste, die Eintritt abdrücken für ein Musik- und Kunst(!)festival. (Dass manchmal Aufwandsentschädigungen für Reise- und Materialkosten erstattet werden, ist nebensächlich, denn aktive Honorarleistungen werden in der Regel nicht erbracht.)

MS Dockville versteht es immerhin, die Kunst zu einem gleichrangigen Bestandteil des Gesamtereignisses zu erheben. So opulent wie in manchen vorherigen Jahren ist es diesmal allerdings nicht gelungen. Das gesetzte Thema „Eine real-utopische Geisterstadt“ wurde grandios verfehlt, trotz grandioser Kunst, die es hier und da zu entdecken gibt. Eine Geisterstadt gibt es jedenfalls nicht zu entdecken, dafür hier und da krampfhaft aufs Thema hingewixte Laberei; oder sogar gegenteilige Grundsatzbekenntnisse. Dafür zwei Beispiele, nämlich AIN und Plotbot Ken.

AIN

Der Galeriewürfel von AIN hat es mir echt angetan, denn die Künstlerin hat ihn in eine wahre Kunstexplosion verwandelt. Das utopische pseudo-philosophische Geschwafel auf der Erklärtafel ist in ihren Werken allerdings nicht zu entdecken, hier und da mal etwas Totenkopfartiges reinzumixen, genügt da nicht. Besonders tragisch wird es sogar, wenn ich von einem „interaktiven Dialog zwischen Künstlerin und Besucher“ lesen muss. Na, das is ja toll. Falls AIN sich das ernsthaft als Aufgabe und/oder Forderung gesetzt haben sollte, ist dem Mädchen leider entgangen, dass jede Betrachtung eines x-beliebigen Kunstwerkes grundsätzlich einen Dialog mit dem Betrachter darstellt. So geht Kunst nämlich. Meiner Begeisterung für ihre Arbeit tut dieser naive Quatsch aber keinen Abbruch. Ich bin ja selbst Schuld, dass ich immer alles lese und sogar drüber nachdenke. Als Illustratorin hat AIN einen perfekten Blick auf und für den Mix dekorativer und kompositorischer Elemente, die zwar keine Aussage transportieren, dafür aber eine geballte Ladung künstlerischer Kraft. Denn: Komposition ist alles!

Die einzelnen Bildelemente für sich genommen verlieren leider etwas von der Ausdruckskraft, die sich erst im Gesamteindruck ergibt …

… deshalb: Hingehen. Angucken!

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Plotbot Ken

Plotbot Ken hat einen seiner typischen Gasmaskenmänner als Mural auf Dockville verewigt. Maßgeblich kritisieren und prangern die Werke Plotbot Kens gar nicht an, deswegen malt er beständig Gasmasken, Totenköpfe, Raben, Ungeziefer. Die Werke üben sich in Bescheidenheit, sie sollen lediglich zum Nachdenken anregen und als gesellschaftlicher Spiegel fungieren. Aha. Nachdenken: ja, Kritik: nein. Gesellschaftlicher Spiegel — in Form einer Gasmaske? Wenn mir das etwas sagen soll, spiegeln geradezu, aber nichts kritisieren, dann habe ich mit meiner Birne ein schweres Problem. Wahrscheinlich denke ich wieder zuviel, immerhin heißt das Mural „5 Jahre Fukushima“.

Sei es drum: So sind explodierende Kernkraftwerke dann eben Aspekte der Menschheitsgeschichte, denen man einfach mal ganz unkritisch begegnet darf …

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Zum Schluss drei Lieblingshinweise:

Thomas Dambo aus Dänemark, bekannt für seine riesigen Holzskulpturen, war vor Ort und hat aus Altholz einen prächtigen Kopf um eine Birke gezimmert, welche der Skulptur wie Unkraut aus dem Schädel wuchert.

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Darko Caramellos Installation Transforming Mash ist ein echter Geniestreich. Die Installation (seit 2014 entwickelt) lungert wie ein achtlos entsorgter Haufen Müll in einem Gebüsch, bedrängt von einem viel zu dicht herangestellten Zelt, welches einem mit seinen Halteleinen den Weg zerstolpern möchte. Das inhaltsverweisende Schild schadet dem Werk hier fast schon, weil es die Dimension der Irritation, welche die Installation auszulösen vermag, doch extrem beschneidet. Ich würde mich mit dem Werk jedenfalls ohne Erklärbär, vollkommen allein gelassen mit ihm und mir, viel wohler fühlen …

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Und im Ausstellungskubus des Syrers Mehyar, der seit einem Jahr in Hamburg lebt, hat sich „Mona L.“ versteckt, eine gelungene Picasso-Variation:

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Kunstgucken, letzte (kostenlose) Gelegenheit:
MS Artville, Alte Schleuse 23
Burgfest (mit Kunst-Flohmarkt)
Sa, 13. August, 13-18 Uhr

MS Dockville

 

 

 

 

 

Sicheres Versteck

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Iven Einszehn: „Sicheres Versteck / Secure Hiding“
Acryllack, Ausziehtusche, Collé von Faltung und Falten, Ritzungen auf Leinwand / Rahmung aus Bauholz
40 x 40 cm
vgl.: –> is watching you